Bären als Pflanzenschützer

Überraschende Partnerschaft im alpinen Ökosystem

09.01.2015 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Alles ist miteinander verbunden, auch Schwarzbären und Wiesen. (Bildquelle: © Hans Stieglitz/ wikimedia.org/ CC BY-SA 3.0)
Alles ist miteinander verbunden, auch Schwarzbären und Wiesen. (Bildquelle: © Hans Stieglitz/ wikimedia.org/ CC BY-SA 3.0)

Wenn Bären Ameisennester zum Nachtisch verspeisen, gedeihen bestimmte Blumen in Nordamerika besonders gut. Und das, obwohl Ameisen sich gar nicht von diesen Blumen ernähren. Warum die Blumen von den Bären profitieren, haben Wissenschaftler nun herausgefunden.

 „Alles ist miteinander verbunden, und hat einen Sinn“, schreibt der Bestseller Autor Paulo Coelho in seinem Roman „Der Zahir“. Dass auch Schwarzbären und unscheinbare Pflanzen auf den Wiesen Colorados miteinander verbunden sind, schien jedoch zunächst absurd - bis der Ökologe Joshua Grinath von der Florida State University in Tallahassee, USA, eine erstaunliche Entdeckung machte.

Ameisen und Zikaden haben sich verbündet

Eigentlich untersuchte der Forscher, wie Ameisen und Zikaden mit der gelb blühenden Pflanze namens „Rabbitbrush“ (Ericameria nauseosa) zusammenleben. Die sogenannte Hasenbürste ist in den westlichen Teilen Nordamerikas weit verbreitet – so auch auf etlichen Wiesen im US Bundesstaat Colorado. Die kleinen Zikaden scheinen mit den Ameisen rund um die gelben Pflanzen einen Deal geschlossen zu haben: Die Zikaden saugen einen süßlichen Saft aus den „Hasenbürsten“, den sie den Ameisen als Nahrung zur Verfügung stellen. Im Gegenzug dafür passen die Ameisen auf, dass den Zikaden nichts passiert.

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Der „Rabbitbrush“ (Ericameria nauseosa) ist ein beliebter Lebensraum für Ameisen und Zikaden. Das heißt nicht, sie sind nützlich für die Pflanze.

Der „Rabbitbrush“ (Ericameria nauseosa) ist ein beliebter Lebensraum für Ameisen und Zikaden. Das heißt nicht, sie sind nützlich für die Pflanze.

Bildquelle: © Walter Siegmund/wikimedia.org/CC BY 3.0

Ohne Ameisen glücklichere Pflanzen

Das System schien zunächst ausgeglichen zu sein, bis in einem Sommer auf einmal ein Schwarzbär auf der Wiese auftauchte. Die Wissenschaftler beobachteten den Bären dabei, wie er die unterirdischen Ameisennester ausgrub und alle Ameisen genüsslich verspeiste. In den nächsten vier Jahren überwachten die Ökologen die Ameisennester auf der subalpinen Wiese in Colorado. Innerhalb dieses Zeitraums zerstörten die Bären zwischen ein Viertel (26 Prozent) bis zu über drei Viertel (86 Prozent) der vorhandenen Nester. Und das bleibt nicht ohne Folgen: Ohne Ameisen wuchsen die gelb blühenden „Hasenbürsten“ auf einmal wesentlich besser und produzierten mehr Samen als zuvor. Und nun wissen die Ökologen auch, warum.

Ameisen als Sicherheitsdienst

„Es sind nicht die Ameisen, die den Pflanzen schaden“, schreiben sie in ihrer Veröffentlichung, „sie übernehmen vielmehr eine Art Sicherheitsdienst für andere Insekten. Die Anwesenheit der Ameisen schreckt jagende Insekten ab, die sich gerne von Zikaden und anderen Pflanzen-Saugern ernähren.“ Wo die Bären die Ameisen weggefressen haben, beobachteten die Ökologen auch wieder jagende Insekten, die die Pflanzen vor der Herbivoren schützten.

Ohne die ausdauernden Beobachtungen der Ökologen wäre das Zusammenspiel dieser zahlreichen indirekten Effekte möglicherweise nie ans Licht gekommen. Dass Tiere und Pflanzen innerhalb eines Lebensraums irgendwie miteinander zusammenhängen, ist hinlänglich bekannt. Doch die genauen Verbindungen zwischen Tieren und Pflanzen aufzuzeigen, ist auch für Ökologen nicht immer einfach.

Alles ist miteinander verbunden

Als der Yellowstone National Park in den USA vor etwa 20 Jahren erneut mit Wölfen besiedelt wurde, wuchsen dort auch wieder mehr Weiden und Espen. Das führten Wissenschaftler zunächst darauf zurück, dass Elche durch die Wölfe daran gehindert wurden, die jungen Bäume zu fressen. Eine aktuelle Studie zeigte jedoch, dass sich Elche von Wölfen gar nicht beeindrucken und erst recht nicht vom Fressen junger Bäume abhalten lassen. Warum sich der Wald seit der Wiederbesiedlung mit Wölfen trotzdem erholt, bleibt weiterhin ein Rätsel.

Neben der Frage, wer wen frisst, ist auch die, wer wem hilft, hoch interessant. Die Wechselwirkungen in ihrer Komplexität zu erfassen, stellt eine große Herausforderung dar. Auch wenn im Fall der Schwarzbären, Ameisen und Pflanzen die Effekte, die Jäger im Ökosystem haben, etwas klarer geworden ist, lassen sich diese auf der Wiese in Colorado gewonnenen Ergebnisse nicht verallgemeinern. In anderen Ökosystemen werden Schwarzbären andere Futterquellen erschließen, zum Beispiel Abfälle und werden nicht auf Ameisen ausweichen. In jedem Fall ist die vorliegende Studie ein gutes Beispiel für die Interkonnektivität von Flora und Fauna in einem Ökosystem und dafür, dass Störungen dieses nachhaltig verändern können.

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