Bienen & Co. beeinflussen unsere Mikronährstoffversorgung

Bleiben die Bestäuber weg, führt dies zu Mangelernährung

25.09.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Bienen übertragen die Pollen auf die weiblichen Blütenteile. Nutzpflanzen, die von Bestäubung abhängig sind, liefern einen großen Teil der globalen Vorräte an Mikronährstoffen. (Bildquelle: © Verena N. / pixelio.de)
Bienen übertragen die Pollen auf die weiblichen Blütenteile. Nutzpflanzen, die von Bestäubung abhängig sind, liefern einen großen Teil der globalen Vorräte an Mikronährstoffen. (Bildquelle: © Verena N. / pixelio.de)

Forscher untersuchten, welchen Beitrag die Bestäubung durch Insekten für die Nährstoffversorgung der Bevölkerung hat. Die Studie zeigt: Fehlen die Bestäuber, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Mangels an Mikronährstoffen. 

Eine ausgewogene und gesunde Ernährung erfordert eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen. Zu ihnen zählen Vitamine und Mineralstoffe. Die Lebensmittel, die uns viele dieser essentiellen Nährstoffe liefern, sind oft von tierischer Bestäubung abhängig oder profitieren von ihr. Ein Ausfall von Bestäubern kann sich demnach auch negativ auf die Nährstoffversorgung auswirken. Daher untersuchte ein deutsch-amerikanisches Forscherteam, welchen Effekt die Leistung von Bienen und Co. auf unsere Ernährung hat. 

Ohne Bienen weniger Mikronährstoffe

Dafür untersuchten sie die weltweiten Ernteerträge von 115 verschiedenen Nutzpflanzen und erfassten deren Nährstoffgehalt. Darüber hinaus betrachteten sie, wie stark diese Nutzpflanzen von Bestäubung abhängig sind. Sie verglichen diese Daten mit Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zu Regionen, in denen die Menschen an Mangelernährung leiden. Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei der Studie auf Vitamin A, Eisen und Folsäure.

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Die tierische Bestäubung von Nutzpflnanzen lässt sich nur bedingt bewusst steuern. Während man Honigbienen beispielsweise gezielt an Feldern ansiedeln kann, funktioniert das bei anderen Tieren wie Wildbienen oder Schmetterlingen nicht.

Die tierische Bestäubung von Nutzpflnanzen lässt sich nur bedingt bewusst steuern. Während man Honigbienen beispielsweise gezielt an Feldern ansiedeln kann, funktioniert das bei anderen Tieren wie Wildbienen oder Schmetterlingen nicht.

Bildquelle: © iStock.com/fotokostic

Das Ergebnis: Ein Nährstoffmangel an Vitamin A und Eisen ist dreimal wahrscheinlicher in Gebieten, in denen der landwirtschaftliche Anbau von Pflanzen stark von der Bestäubung durch Insekten angewiesen ist. Sinkt in diesen Regionen die Bestäuberleistung, könnte das demnach ersthafte Folgen für die Mikronährstoffversorgung der Bevölkerung nach sich ziehen.

Große regionale Unterschiede

Da man jedoch in den verschiedenen Regionen der Erde sehr unterschiedliche Pflanzen anbaut, variieren auch die regionalen Mikronährstofflieferanten. Und diese sind wiederum unterschiedlich stark auf tierische Bestäuber angewiesen. In Indien sind z. B. Okra und tropische Früchte wie Guave und Passionsfrucht wichtige Vitamin A-Quellen, die auf Bestäubung angewiesen sind - in Mexiko sind es hingegen Pfirsiche und in Rumänien Pflaumen und Aprikosen. Andere „bestäuberunabhängige“ Pflanzen, die Vitamin A liefern (wie Karotten oder Süßkartoffeln), benötigen für die Ausbildung der Pflanzenteile, die wir essen, zwar keine Bestäubung, sind allerdings bei der Samenproduktion auf die tierischen Helfer angewiesen. Dadurch würden auch sie, einen Ausfall zu spüren bekommen.

Das bedeutet auch, dass es regional sehr unterschiedlich ist, wie stark die Nährstoffversorgung durch einen Ausfall an bestäubenden Insekten in Mitleidenschaft gezogen werden würde. So ist beispielsweise 50 Prozent des Vitamins A, das landwirtschaftlich erzeugt wird, in Thailand, dem westlichen Iran, Rumänien sowie in Teilen von Indien, Australien, Mexiko, den USA und Argentinien abhängig von der tierischen Bestäubung.

Und auch bei Eisen und Folsäure konnte ein Effekt festgestellt werden: Rund 15 Prozent der Produktion von Eisen ist in Westchina, Teilen von Afrika, Nord-Mexiko, Teilen von Brasilien und auf der Halbinsel Yukatan von Bestäubern abhängig. Bei Folsäure würde ein Bestäuber-Ausfall die Produktion in Südostasien um 12 bis 15 Prozent reduzieren.

Bestäubung in der Landwirtschaft

Die Bestäubung ist eine wichtige Ökosystemfunktion und hat auch wirtschaftlich gesehen Vorteile, da nicht nur bei bestäuberabhängigen Pflanzen höhere Erträge erwirtschaftet werden. Auch bei Pflanzen, die nicht auf eine Insektenbestäubung angewiesen sind, wirkt sich diese fakultative Unterstützung positiv auf die Fruchtbildung und damit auf die Erträge aus.

Zu kurz greift nach Aussage der Forscher auch eine wirtschaftliche Sichtweise, die nur auf die globale Agrarproduktion, nicht aber auf die Qualität der Ernährung fokussiert. Sie ist zu einseitig und würde immense Nebenkosten verursachen. Es stimmt zwar, dass viele unserer weltweit wirtschaftlich bedeutenden Kulturen, wie Mais oder Weizen, nicht von einer Insektenbestäubung abhängig sind, da diese durch Wind- oder Selbstbefruchtung Nachkommen erzeugen. Diese machen einen hohen Anteil der weltweiten Erträge, landwirtschaftlichen Umsätze und auch der Kalorienversorgung aus. Dies reduziert in einer globalen Betrachtung zwar den monetären Wert, den die Bestäubung für die Landwirtschaft hat, nicht aber für eine ausgeglichene, vielseitige und gesunde Ernährung. Die tierischen Bestäuber sind maßgeblich für die Qualität unserer Lebensmittel verantwortlich. Ein Ausfall der Bestäuber beeinträchtigt die Nährstoffversorgung und die Gesundheit der Bevölkerung. Die Masse der zur Ernährung benötigten Mikronährstoffe, stammt von Kulturen die auf eine Insektenbestäubung angewiesen sind.

Durch die Studie wurden Regionen identifiziert, in denen mehr Forschung an und zum Schutz von Bestäubern nötig ist. Denn: „Die Gefahr, einen Mangel an Mikronährstoffen zu erleiden, ist vor allem in Ländern hoch, über die wir in Bezug auf die Bedrohung und den Schutz von bestäubenden Insekten so gut wie gar nichts wissen“, erklärt Alexandra-Maria Klein von der Universität Freiburg, die die Studie leitete.

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