Bio doch gesünder als konventionelle Produkte?

Laut neuer Studie enthalten Bio-Lebensmittel mehr Antioxidantien

25.07.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Für Lebensmittel aus ökologischem Anbau bezahlt man auch einen höheren Preis. Aber hat die Bio-Kost auch mehr gesunde Inhaltsstoffe? (Bildquelle: © monticellllo - Fotolia.com)
Für Lebensmittel aus ökologischem Anbau bezahlt man auch einen höheren Preis. Aber hat die Bio-Kost auch mehr gesunde Inhaltsstoffe? (Bildquelle: © monticellllo - Fotolia.com)

Bio-Lebensmittel enthalten mehr wertvolle Antioxidantien und etwa nur halb so viel des Schwermetalls Cadmium als konventionell angebaute Lebensmittel. Darüber hinaus wurden bei ökologisch erzeugten Lebensmitteln weniger Pestizidrückstände nachgewiesen. Das ist das Ergebnis der bisher größten vergleichenden Metastudie. Doch die Forscher ernten auch Kritik.

Seit Jahrzenten läuft eine Debatte darüber, ob bio besser ist als konventionell. Nun gibt es neue Forschungsergebnisse, die den Streit jedoch lange nicht beenden. Ein internationales Forscherteam hat dafür 343 Publikationen aus Fachzeitschriften ausgewertet und somit die bisher umfassendste Metastudie zum Thema geliefert. Das Fazit: Es gibt signifikante Unterschiede bei wichtigen Inhaltsstoffen und bio schneidet wesentlich besser ab.

Mehr Gutes, weniger Schlechtes

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Es gibt viele unterschiedliche Bio-Kennzeichen. Allen liegen eigene Standards zugrunde. 2001 wurde daher das deutsche staatliche Bio-Siegel eingeführt. Derzeit nutzen es 4.376 Unternehmen das Bio-Siegel auf 68.572 Produkten (Stand: 30. Juni 2014). (Quelle: BLE)

Es gibt viele unterschiedliche Bio-Kennzeichen. Allen liegen eigene Standards zugrunde. 2001 wurde daher das deutsche staatliche Bio-Siegel eingeführt. Derzeit nutzen es 4.376 Unternehmen das Bio-Siegel auf 68.572 Produkten (Stand: 30. Juni 2014). (Quelle: BLE)

Laut der Studie haben biologisch hergestellte Nutzpflanzen einen höheren Gehalt an bestimmten sekundären Pflanzenstoffen mit antioxidativer Wirkung (Antioxidantien) wie Polyphenole. So wurden beispielsweise 19 Prozent mehr Phenolsäuren, 51 Prozent mehr Anthocyane und sogar 69 Prozent mehr Flavanone gefunden. 

Die Studie zeigt zudem auf, dass ökologisch angebaute Lebensmittel durchschnittlich fast 50 Prozent weniger Cadmium enthalten als konventionell angebaute. Cadmium ist für den Menschen giftig. Es lagert sich im Körper vor allem in der Leber und den Nieren an und kann schon in geringen Mengen zu Schädigungen dieser Organe führen. Auch Krebserkrankungen werden mit dem Schwermetall in Verbindung gebracht. Hauptsächlich nehmen wir Cadmium mit der Nahrung auf. Daher hat die Europäische Kommission für Cadmium Höchstgehalte in Lebensmitteln festgelegt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) setzte als tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge 2,5 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht (2,5 µg/kg) fest.  

Darüber hinaus ergab die Metastudie, dass Pestizidrückstände in konventionellen Kulturpflanzen viermal häufiger gefunden wurden als in ökologisch erzeugten.

Die entdeckten Unterschiede könnten auf unterschiedliche Praktiken beim Anbau zurück zu führen sein. Beim ökologischen Landbau muss beispielsweise auf chemische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger verzichtet werden.

Es gibt kontroverse Ergebnisse

Die Studie war nicht die erste, die den Nährstoffgehalt von ökologisch und konventionell erzeugten Lebensmitteln verglich. Bereits 2009 wurde eine Studie von der UK Food Standards Agency (FSA) in Auftrag gegeben, die keine wesentlichen Unterschiede in den Inhaltsstoffen oder zusätzlichen gesundheitlichen Vorteile von Bio-Lebensmitteln nachweisen konnte (Dangour et al., 2009). Auch eine Metastudie, die 2012 in der Fachzeitschrift „Annals of Internal Medicine“ publiziert wurde konnte keine Hinweise auf einen Vorteil der Biokost festmachen. Die aktuelle Studie greife auf eine viel größere Datenbasis zurück, erklären die Wissenschaftler der aktuellen Studie ihre abweichenden Ergebnisse. Mittlerweile gäbe es viel mehr Studien zum Thema, die man in die Metaanalyse mit einbeziehen konnte.

Sind Bio-Lebensmittel gesünder?

Die Forscher propagieren, dass ein „Wechsel zu einer Ernährung mit biologischem Obst, Gemüse und Getreide so viele zusätzliche Antioxidantien zur Verfügung stellen würde wie ein bis zwei zusätzliche Portionen Obst und Gemüse täglich.“ Doch, ob Bio-Lebensmittel deutlich gesünder sind als konventionell erzeugte zweifeln auch nach dieser Studie einige Experten an. Der Wissenschaftler Alan Dangour (Erstautor der oben genannten FSA-Studie) sagte gegenüber der Fachzeitschrift „Nature“, er sehe keine bedeutenden Unterschiede im Nährstoffgehalt. Zudem merkt er an, dass bei der Untersuchung viele Studien mit unterschiedlicher Qualität einbezogen wurden, was die Aussagekraft der neuen Metastudie verfälsche.

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Beim ökologischen Landbau ist der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln oder von Mineraldünger verboten.

Beim ökologischen Landbau ist der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln oder von Mineraldünger verboten.

Bildquelle: © andreusK/iStock/Thinkstock

Generell werden Antioxidantien eine gesundheitsfördernde Wirkung zugesprochen. Sie sollen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und womöglich sogar vor Krebs schützen. Doch nur bestimmte antioxidative Stoffe hatten erhöhte Werte in der Studie. Andere ebenfalls wichtige Antioxidantien zeigten keine signifikanten Unterschiede. Die Forscher fanden darüber hinaus bei Eiweißen und Aminosäuren sogar geringere Werte bei den organisch erzeugten Lebensmitteln. Was sich durch geringere Stickstoffgaben erklären lässt. Auch konnte die Studie keine bedeutenden Unterschiede bei den meisten Mineralstoffen finden. 

„Wir haben zweifelsfrei gezeigt, dass sich biologisch und konventionell angebaute Kulturpflanzen bezüglich ihrer Nährwertzusammensetzung unterscheiden. Jetzt ist es dringend notwendig, gut überwachte Ernährungsstudien mit Menschen durchzuführen, um mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Bio-Lebensmitteln zu identifizieren und zu quantifizieren“, sagt der Leiter der Studie Carlo Leifert, Professor für biologische Landwirtschaft an der Universität Newcastle. Ernährungsstudien könnten Aufschluss über die gesundheitlichen Auswirkungen der Ernährungsgewohnheiten (bio/konventionell) geben. Doch es bleibt zu bedenken, dass auch der Lebensstil, z.B. ob viel Sport betrieben wird oder nicht, wesentlich zur Gesundheit beiträgt und bei Studien die sich mit der gesundheitlichen Wirkung von Lebensmitteln beschäftigen mit berücksichtigt werden müssen.

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Kommentare

1 04.08.2014
Markus
  Ist das wirklich überraschend?

Polyphenole werden von Pflanzen üblicherweise in Stressituationen gebildet, dass Bio Pflanzen mehr Stress ausgesetzt sind als konventionell gezogene ist nicht sonderlich überraschend.
Von gestressten Pflanzen werden aber auch vermehrt gesundheitsschädliche Stoffe produziert, beispielsweise Oxalsäure. Das erwähnt die "Studie" nicht, genausowenig wie dass BIO Eier mehr Dioxine enthalten, oder dass "BIO-Esser" insgesammt wohl doch mehr Cadmium zu sich nehmen. (da sie weniger Fleisch essen)
Wirklich überraschend ist das alles nicht, wurde diese Imagekampange doch vom "Sheepdrove Trust" finanziert, einer Lobby für "organic farming".

1 14.08.2015
OvO
  

Bei aller Liebe zur Biochemie.. aber Bio ist natürlich gesünder als Nicht-Bio. Allein aufgrund des Pestizidverzichts, welches in die Erde versickert und von den Pflanzen mit aufgenommen wird. Man muss kein Schlaukopf sein umd darauf selbst zu kommen. Aber dennoch danke für den Artikel. Interessant ist es natürlich. Wobei ich den Vorwurf der kritischen Stimmen bzgl den Einbezug qualitativ mindwertigere Studien für berechtigt halte. Eine abschließende Meinung wird es zu dem Thema auch nie geben. Denn dazu sind die einzelnen Menschen, Tiere, Pflanzen, Umwelteinflüsse und sonstige Bedingungen einfach zu individuell.

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