Bt-Baumwolle nützt indischen Kleinbauern

09.07.2012 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Farmer auf einem Feld im indischen Bundesstaat Maharashtra, auf dem gentechnisch veränderte Baumwolle angebaut wird. (Quelle: © Universität Göttingen)
Farmer auf einem Feld im indischen Bundesstaat Maharashtra, auf dem gentechnisch veränderte Baumwolle angebaut wird. (Quelle: © Universität Göttingen)

Agrarökonomen der Universität Göttingen fanden heraus, dass indische Kleinbauern durch Bt-Baumwolle langfristig höhere Erträge und mehr Gewinne erzielten. In einer Langzeitstudie untersuchten sie sowohl wirtschaftliche als auch soziale Aspekte von gentechnisch veränderter Baumwolle (sogenannte Bt-Baumwolle) in Indien. Dort bauen vor allem Kleinbauern Baumwolle an. Laut der Studie erhöhte sich dadurch auch deren Lebensstandard. Ihr Fazit: Die neue Technologie ist für die Kleinbauern von erheblichem Nutzen.

Seit 2002 ist in Indien Saatgut von gentechnisch veränderter Baumwolle erhältlich. Im Jahr 2011 wurden bereits auf rund 90% der Baumwollanbaufläche in Indien Bt-Sorten angebaut. Inzwischen sind laut aktueller Studie über sieben Millionen indische Kleinbauern auf die neue Technologie umgestiegen. Bt-Baumwolle enthält Proteine, Bt-Toxine, des Bodenbakteriums Bacillus thurengiensis, die auf verschiedene Fressfeinde giftig wirken. Mit gentechnischen Verfahren ist es möglich diese Bt-Toxine vom Bakterium auf Pflanzen zu übertragen. Damit produziert die Pflanze gewissermaßen ihre eigenen Insektizide.

Bis zur Einführung der Bt-Gene in Pflanzen waren die Bauern ausschließlich auf Pilz- bzw. Toxin-Präparate angewiesen, welche manuell verabreichet wurden. Vorteil dieser klassischen Methode könnte sein, dass nur bei Überschreitung von Befallsschwellen mit Schadorganismen der Wirkstoff ausgebracht wurde. Allerdings geschah dies mit einer temporär höheren Dosis des Wirkstoffs als bei den Bt-Pflanzen. Diese synthetisieren diesen entweder kontinuierlich oder über einen längeren Zeitraum in den Pflanzenzellen.

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Bt-Baumwolle wird in Indien seit 2002 angebaut.

Bt-Baumwolle wird in Indien seit 2002 angebaut.

Bildquelle: © iStockphoto.com/ juthathip tybon

Der Einsatz von Bt-Baumwolle wird kontrovers diskutiert und ist Gegenstand vieler Untersuchungen. Bisherige Studien weisen ein Defizit auf. Sie betrachteten die Wirkung der gentechnisch veränderten Pflanzen über relativ kurze Zeiträume. Diese gaben zwar Hinweise, waren jedoch durch den kurzen Untersuchungszeitraum in ihrer Aussagekraft limitiert. Um längerfristige Effekte empirisch nachweisen zu können, erhoben die Forscher der Universität Göttingen nun Daten über einen Zeitraum von sieben Jahren. In ihrer Langzeituntersuchung betrachteten sie die Auswirkungen von gentechnisch veränderter Baumwolle auf die ländliche Bevölkerung Indiens. Baumwolle, dies ist eine Besonderheit der Landwirtschaftsstrukturen in Indien, wird überwiegend von Kleinbauern auf Flächen von weniger als zwei Hektar angebaut. 

Gentechnik ist für Kleinbauern in Indien eine nutzbringende Technologie

  • Bei den indischen Kleinbauern stieg, im Vergleich zu konventioneller Baumwolle, bei Bt-Baumwolle der Ertrag pro Hektar um durchschnittlich 24%. Die Forscher führten dies auf reduzierten Schädlingsbefall zurück. Dadurch kam es zu weniger Ernteausfällen.
  • Durch die höheren Erträge ergab sich für die Bauern auch mehr Gewinn durch den Verkauf. Zudem setzten sie deutlich weniger chemische Schädlingsbekämpfungsmittel ein. Die Einsparung spiegeln sich auch in den Gewinnen der Kleinbauern wider. Ein weiterer Faktor sind die Saatgutpreise. Obwohl das Saatgut für die Bt-Baumwolle teurer ist, als dies von konventioneller Baumwolle, konnten über den Untersuchungszeitraum mit BT-Baumwolle insgesamt 50% höhere Gewinn erzielt werden.
  • Zudem stellten die Forscher fest, dass die landwirtschaftlichen Haushalte von 2006-2008 18% mehr Geld ausgeben. Da die Bauern meist nur Baumwolle anbauen und die Bt-Baumwolle höhere Gewinne abwirft, hatten die Haushalte auch mehr Geld zur Verfügung. Der angestiegene Konsum stellt für die Forscher einen Indikator für höheren Lebensstandard dar. 

Die Datenbasis

Die Studie basiert auf repräsentativen Daten von 533 landwirtschaftlichen Haushalten in Zentral- und Südindien, die zwischen 2002 und 2008 erhoben wurden. Diese stammten aus vier indischen Bundesstaaten, die Baumwolle produzieren (Maharashtra, Karnataka, Andhra Pradesh, und Tamil Nadu). In Zentral- und Südindien befinden sich über 60% der Baumwollanbaufläche des Landes.

Langfristige positive Effekte

Die Langzeitdaten zeigen einen konstant positiven Trend. Die Vorteile der Bauern waren demnach über den Untersuchungszeitraum stabil. „Anders als vielfach vermutet sind diese Vorteile im Zeitablauf sogar tendenziell weiter angestiegen“, sagt Jonas Kathage, Erstautor der Studie, von der Universität Göttingen.

Negative soziale Auswirkungen?

Die Wissenschaftler lieferten mit ihrer Studie keine repräsentativen empirischen Belege für negative soziale oder wirtschaftliche Auswirkungen von gentechnisch veränderter Baumwolle bei indischen Kleinbauern. Sie folgern daraus, dass Bt-Baumwolle große und nachhaltige Vorteile für die Kleinbauern in Indien hat und zu positiven wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen in Indien beitragen kann. Allerdings sind die Daten nur für Bt-Baumwolle und Indien repräsentativ: „Diese Ergebnisse sind nicht ohne weiteres auf andere gentechnisch veränderte Pflanzen und Länder übertragbar“, sagt Prof. Qaim, Leiter der Studie vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung. „Trotzdem unterstreichen sie die großen Potenziale der Gentechnik für nachhaltige ländliche Entwicklung.“

Kritische Stimmen befürchten ein Abhängigkeitsverhältnis von Saatgutunternehmen. Die Bauern könnten zwar kurzfristig profitieren, jedoch danach die hohen Preise für das Saatgut nicht stemmen. So wurden in Indien z.B. verarmte Höfe und Selbstmorde von Bauern mit der Einführung von BT-Baumwolle in Zusammenhang gebracht. Strukturelle und damit auch Fragen nach den Eigentumsverhältnissen scheinen hierfür jedoch ursächlicher zu sein als die Einführung neuer Pflanzensorten. Reformen zur Veränderung der Strukturen in der indischen Landwirtschaft sowie den Eigentums- und Finanzierungssystemen, bieten mögliche Lösungsansätze für eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. 

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Kommentare

1 12.01.2015
Corny
  

Es lässt sich herausfinden, dass die BT-Baumwolle nicht einfach eingeführt wurde, sonder die Bauern dazu gezwungen wurden und das Ursprüngliche Saatgut vernichtet wurde. Darüber hinaus werden erhebliche Probleme bei der Hybriden Bauwolle festgestellt z.B. hohe abhängigkeit vom Wasser. Ebenfalls wird berichtet, dass die Baumwolle immer noch bis zu 3 mal gedüngt werden muss. Dies treibt die Kosten der Bauern in die Höhe. Die BT-Baumwolle muss auch jedes Jahr neu gesät werden. Also wo liegen hier die Vorteile
Wenn Konzerne wie z.B. Monsanto den Bauern den BT-Cotton aufzwängen.

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