Der Handel mit virtuellem Wasser

05.04.2012 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Süßwasser ist eine begrenzte Ressource. (Quelle: © Dieter Huemmer / pixelio.de)
Süßwasser ist eine begrenzte Ressource. (Quelle: © Dieter Huemmer / pixelio.de)

Unter virtuellem Wasser versteht man die Gesamtmenge an Wasser, die zur Produktion einer Ware benötigt wird. Wasserarme Länder könnten durch den Import von wasserintensiven Produkten die eigenen Wasserressourcen schonen. Forscher bestätigten diese These und fanden heraus, dass der weltweite Handel mit virtuellem Wasser rapide zugenommen hat.

Wie viel Wasser benötigt man bei der Herstellung einer Ware? Ganze 140 Liter Wasser sind z.B. nötig, um eine Tasse Kaffee zu erzeugen. Dabei rechnet man nicht nur die Menge Wasser mit ein, die aus dem Wasserhahn fließt und in die Kaffeemaschine gefüllt wird, sondern u.a. auch die Bewässerung auf dem Feld vor der eigentlichen Kaffee-bohnenernte. Man bezeichnet die Gesamtmenge an benötigtem Wasser als virtuelles Wasser. Diese Bilanz macht es möglich die tatsächliche Wassernutzung pro Produkteinheit zu berechnen.

Der Umgang mit begrenzten Süßwasserressourcen

Das starke Bevölkerungswachstum, sozioökonomische Entwicklungen oder der Klimawandel stellen Herausforderungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit den globalen Süßwasserressourcen dar. Der Handel mit wasserintensiven Produkten oder auch virtueller Wasserhandel genannt (engl.: Virtual Water Trade, kurz: VWT), wird somit immer bedeutender und könnte helfen Wasser auf globaler Ebene einzusparen. Strategische Entscheidungen, welche Waren ein Land importiert oder exportiert, hängen nicht nur mit den eigenen Wasserressourcen zusammen, sondern auch mit sozioökonomischen und politischen Entwicklungen.

Um genau diesen Zusammenhang zu untersuchen analysierten Forscher das globale Handelsnetzwerk des virtuellen Wassers im Zeitraum von 1986 bis 2007. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der Handelsbeziehungen und das damit verbundene Handelsvolumen an virtuellem Wasser in diesen 22 Jahren mehr als verdoppelt haben. Als Grundlage der quantitativen Analyse dienten ihnen die jährlichen Handelsdaten und jährliche Schätzungen des produktspezifischen Wasserverbrauchs in den einzelnen Ländern. Dabei konzentrierten die Wissenschaftler sich auf den Handel mit Nahrungsmitteln, da der Löwenanteil der globalen Süßwassernutzung auf die Landwirtschaft zurückzuführen ist. Konkret betrachteten sie den Handel von 58 Nahrungsmitteln, hergestellt aus fünf wichtigen Kulturpflanzen (Gerste, Mais, Reis, Soja und Weizen) und drei tierischen Erzeugnissen (Rind, Schwein und Geflügel). Diese Nahrungsmittel machen rund 60% des weltweiten Kalorienverbrauchs aus.

Das internationale Handelsnetzwerk

Jedes Land stellt in diesem Transaktionsnetzwerk einen Akteur da, welcher mit anderen Akteuren in einer Handelsbeziehung steht. Erfasst wurden die Handelsbeziehungen auf globaler, regionaler und nationaler Ebene. Die einzelnen Nationen wurden dabei in sechs Regionen (Afrika, Asien, Europa, Nordamerika, Ozeanien und Südamerika) gruppiert. Dadurch konnte die Entwicklung des globalen VWT mit Veränderungen in der regionalen und nationalen Politik, wirtschaftlichen Umständen und landwirtschaftlicher Effizienz verknüpft werden.

Über den Zeitraum der Untersuchung konnte eine Zunahme der Handelsbeziehungen beobachtet werden. Das Handelsnetzwerk ist demnach insgesamt stabil, hat sich jedoch in seiner internen Struktur verändert: Asien erhöhte z.B. seine virtuellen Wassereinfuhren um mehr als 170%, aber verlagerte seine Handelsbeziehungen von Nordamerika nach Südamerika. Nordamerika hingegen erhöhte den intraregionalen Handel.

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Die Netzwerkanalyse ermöglicht es die Handelsbeziehungen auf globaler Ebene darzustellen. (Quelle: © Ingo Bartussek / Fotolia.com)

Die Netzwerkanalyse ermöglicht es die Handelsbeziehungen auf globaler Ebene darzustellen. (Quelle: © Ingo Bartussek / Fotolia.com)

Nationale Veränderungen der Handelsgewohnheiten

Die Vereinigten Staaten von Amerika, als ein Hauptakteur des Netzwerkes, sind der weltweit größte Exporteur von virtuellem Wasser: 2007 exportierten sie 115 Kubikkilometer virtuelles Wasser; Das entspricht einem Anteil von 22% des globalen VWT Volumen in diesem Jahr.

In China hingegen konnte ein dramatischer Anstieg der virtuellen Wasserimporte beobachtet werden. China löste damit 2001 Japan als Hauptimporteur virtuellen Wassers ab. Dies ist mit erhöhten Sojaprodukt-Importen erklärbar. China ist ein interessantes Beispiel dafür, dass im Netzwerk signifikante gesellschaftliche Veränderungen abgelesen werden können. Änderungen bei Handelsverträgen, politischen Strukturen und Essgewohnheiten können im Modell des VWT-Netzwerks somit erkannt werden. Der Auslöser der erhöhten Importe war hier eine Änderung der Handelspolitik in den Jahren 2000/2001; Diese erlaubte die Einfuhr von größeren Mengen an Soja. Verbunden mit der erhöhten Nachfrage an Fleisch, was die Einfuhr von Soja als Futtermittel begünstigte.

Effizienter Handel mit virtuellem Wasser

Im Bezug auf die Warenproduktion unterscheidet man zwischen effizienten und ineffizienten Ländern: Ein Land wird als effizient bezeichnet, wenn es einen geringen Wasserverbrauch bei der Produktion eines Produktes hat;  Ein Land, das einen hohen Wasserverbrauch aufweist, ist - dieses Produkt betreffend - ineffizient. Eine Handelsbeziehung trägt nur dann zur globalen Wassereinsparung bei, wenn diese von einem relativ effizienten Land zu einem Land verläuft, dass im Bezug auf das Produkt ineffizienter ist.

Daher trägt der erhöhte Import von Sojaprodukten nach China dazu bei, auf globaler Ebene Wasser zu sparen, da es die Waren aus Ländern bezieht, die effizienter in der Produktion sind, dies sind Brasilien, die USA und Argentinien. Sie alle produzieren Sojaprodukte mit geringerem Wasserverbrauch im Vergleich zu China. Zudem nahm die Mange an virtuellem Wasser, welches für die Produktion von Soja in den Exportländern benötigt wurde, ab. Diese Abnahme ist auf einen wassereffizienteren Anbau zurückzuführen, insbesondere durch Erhöhung der Ernteerträge auf den vorhandenen Anbauflächen.

Brasilien löste die USA als Hauptexporteur von Sojaprodukten an China ab. Die Abholzung von Regenwaldflächen im brasilianischen Bundesstaat Amazonas ist teilweise auf den verstärkten Anbau von Soja zurückzuführen. Dies hat wiederum Effekte auf den globalen Wasserkreislauf, die im Rahmen der vorliegenden Studie allerdings nicht betrachtet werden konnten. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass der Lebensmittelhandel - trotz Nebeneffekten wie diesem - die Nutzung der Wasserressourcen im globalen Maßstab verbessert hat. Die höheren Wassereinsparungen lassen auf eine effizientere Wassernutzung schließen. Eine nutzbringende Ressourcenallokation wird also durch den globalisierten Handel begünstigt.

Allerdings sollte zukünftig noch stärker auf den effizienten Umgang mit natürlichen Ressourcen geachtet werden. Länder, die bestimmte Produkte ressourceneffizienter produzieren, sollten vor allem in jene Länder exportieren, die weniger bevorteilt sind. Handelsbeziehungen würden somit zu einem Instrument für die Steuerung des Umgangs mit natürlichen Ressourcen. Vorstellbar wäre z.B., dass man gewissen Regionen, welche sich für den Anbau bestimmter Arten besonders gut eignen, eine Sonderstellung beim Export einräumt, statt den Export wie heute oft üblich mit Einfuhrsteuern zu belegen.

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