Der Tannenbaum

Die Schönheit des Baumes hat ihren Preis

19.12.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Weihnachtsbaum-Plantagen erstrecken sich über eine Fläche von 18.000 Hektar in Deutschland. (Bildquelle: © Nathaniel_Young/iStock/Thinkstock)
Die Weihnachtsbaum-Plantagen erstrecken sich über eine Fläche von 18.000 Hektar in Deutschland. (Bildquelle: © Nathaniel_Young/iStock/Thinkstock)

Wenn die Weihnachtszeit beginnt, sind Lichterketten, Spekulatius und Weihnachtssterne nicht weit. Doch vor allem der Weihnachtsbaum ist nicht wegzudenken. Diese Tradition hat sich in den letzten Jahren zu einer großen Industrie gewandelt. Dabei stellt sich auch die Frage nach ökologischen Aspekten: Lieber ein Plastikbaum oder doch ein echter, vielleicht sogar ein Bio-Weihnachtsbaum? Forscher und Züchter versuchen außerdem, den Baum noch perfekter zu machen.

Der Weihnachtsbaum gehört noch mehr als Schnee oder Gänsebraten für die meisten zum Fest. Bald werden wieder knapp 30 Millionen Weihnachtsbäume ihren kurzen, aber glanzvollen Auftritt in deutschen Wohnzimmern haben. Nordmanntannen, Kiefern und Fichten können seit Anfang Dezember in allen möglichen Größen und Formen an nahezu jeder Ecke gekauft werden.

Die Industrie der Weihnachtsbäume

Der Anbau von Weihnachtsbäumen ist längst zu einer großen Industrie herangereift. Jedes Jahr werden mehr Christbäume in den deutschen Haushalten aufgestellt. 12.000 Unternehmen sind mit Anbau und Pflege der Weihnachtsbäume ungefähr im Haupt- oder Nebenerwerb beschäftigt. Insgesamt sichert die Weihnachtsbaumproduktion rund 100.000 Dauer- und Saisonarbeitsplätze. In der Verkaufssaison kommen noch einmal 50.000 Stellen hinzu. Wenn man von einem Durchschnittspreis von 20 Euro pro Baum ausgeht, beträgt der Umsatz der Branche fast 700 Millionen Euro (2012). Die Anbaufläche für Weihnachtsbäume in Deutschland beträgt 179 Quadratkilometer, dass entspricht einer Größe von 25.070 Fußballfeldern. Die wichtigste Anbaufläche liegt in Nordrhein-Westfalen und jeder dritte Weihnachtsbaum stammt aus dem Sauerland, damit ist die Region Südwestfalen das wichtigste Anbaugebiet in Europa.

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Knapp 30 Millionen Weihnachtsbäume werden zur Weihnachtszeit jährlich verkauft und erstrahlen in den deutschen Wohnzimmern.

Knapp 30 Millionen Weihnachtsbäume werden zur Weihnachtszeit jährlich verkauft und erstrahlen in den deutschen Wohnzimmern.

Bildquelle: © Monkey Business/Ltd. Monkey Business/Thinkstock

„Draußen aus dem Walde“, hieß es noch vor 50 Jahren wenn man einen Weihnachtsbaum im Hause haben wollte. Heute kommen mehr als 80 Prozent der Weihnachtsbäume von großflächigen Plantagen in Monokultur.

Nicht alle Bäume stammen aus heimischer Produktion

Ungefähr 20 Prozent der in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume werden importiert, überwiegend aus Dänemark oder Irland. Die Transportkosten des Christbaum-Geschäftes sind über die letzten Jahre drastisch gesunken, sehr zum Nachteil der heimischen Produzenten. Wenn die Tannen zum Verkauf bereit stehen, haben viele von ihnen bereits hunderte Straßenkilometer hinter sich. Was die Treibhausgasbelastung erhöht und den ökologischen Fußabdruck der Christbäume verschlechtert.

Umweltorganisationen fordern daher eine Verteuerung der Transportkosten, um die Umweltbelastungen zu reduzieren und die heimische Produktion zu fördern. Ebenfalls bemängelt wird der hohe Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger.

Das Spektrum der Baumbehandlung

Heutzutage verströmen Weihnachtsbäume nicht nur den Duft nach natürlichen ätherischen Ölen. Über die Spaltöffnungen der Bäume, die sich im Warmen öffnen, geben die Bäume auch die über den Boden aufgenommen Pflanzenschutzmittel ins Wohnzimmer ab. Für den Menschen sind die ausströmenden Konzentrationen unbedenklich. Die Vorstellung, dass der eigene Baum im Wohnzimmer chemisch belastet ist, ruft jedoch nicht gerade Begeisterung hervor.

Behandelt werden die Bäume auf den Plantagen nicht nur zum Schutz vor Fressfeinden, sondern auch, um die von Verbrauchern gewünschte symmetrische Form und ein möglichst dichtes Nadelkleid in satten Grün zu erhalten. Aus diesem Grund werden die Weihnachtsbäume gedüngt und mit Pflanzenschutzmitteln behandelt.

Alternativer Schutz der Bäume

Alternativen zu Bioziden und Kunstdünger gibt es. Statt mit Herbiziden kann der Graswuchs auch manuell oder mechanisch beseitigt werde. Dabei können die Böden der Weihnachtsbaumkulturen abgedeckt oder durch Schafe beweidet werden, welche die Nadelbäume nicht verbeißen. Gegen Pilzbefall kann man sich helfen, indem man die Bäume im größeren Abstand zueinander pflanzt, den richtigen Standort auswählt und die Kulturen regelmäßig auslichtet. Vor Schadinsekten schützt die Vermeidung von Monokulturen. Mischbepflanzung von mindestens 15 Prozent Laubholz werden dafür empfohlen. An Stelle von chemischen Mitteln (Rodentizid) gegen Wühl-, Erd- und Rötelmaus, können die natürlichen Fressfeinde dieser Nager gefördert werden.

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Vermehrt bieten auch Waldbesitzer und Staatsforste Christbäume zum selber schlagen an, um einen

Vermehrt bieten auch Waldbesitzer und Staatsforste Christbäume zum selber schlagen an, um einen "Event"-Charakter zu erzeugen.

Bildquelle: © Jochen Sand/Digital Vision/Thinkstock

Konsumenten achten nicht nur auf Schönheit

Doch auch der Konsument hat begonnen umzudenken. Seit einigen Jahren ist ein neuer Trend zu beobachten. Waldbesitzer und Staatsforste bieten vermehrt Weihnachtsbäume zum selber schlagen an. Auch das FSC-Gütesiegel ist ein Kaufkriterium. Es garantiert ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit und ist international anerkannt. Darüber hinaus hat der Verbraucher auch beim Weihnachtsbaum die Wahl zwischen konventionell und Bio. Bio-Weihnachtsbäume werden nach den Produktionsrichtlinien der ökologischen Landwirtschaft produziert.

Plastikbaum als Alternative?

Leider sind Plastikbäume keine nachhaltige Alternative. Zu hohe Energiekosten für Produktion und Entsorgung machen eine schlechte Ökobilanz, wenn die Grundstoffe und die Energie aus fossilen Rohstoffen gewonnen wurden. Ein amerikanischer Forscher hat die Ökobilanz von Plastikbäumen exemplarisch berechnet. Erst nach 20 Jahren wäre diese günstiger als der Kauf eines echten Baums. Realität ist aber, dass die Bäume nach 6 Jahren in der Regel ersetzt werden.

Die Nutzung bewurzelt Bäume, die nach den Festtagen einfach wieder in der Natur verpflanzt werden, verändert die Ökobilanz weiter zu Gunsten des Naturprodukts. Beim Kauf muss nicht nur auf den Baum der geschmückt werden soll, sondern auch auf dessen gutes Wurzelwerk geachtet werden. Dieses ist Voraussetzung für das Auspflanzen im Frühjahr.

Schwierigkeiten beim Anbau

Auch die Profis müssen beim Auspflanzen einige Hürden meistern. Haben die Weihnachtsbaum-Produzenten einen perfekten Baum gefunden, lässt sich dieser vegetativ einfach über Stecklinge vermehren. Anders bei der allseits beliebten Nordmanntanne (Abies Nordmanniana). Jeder Baum muss aus einem Samen herangezogen werden. Die Samen kommen aus Georgien, einem natürlichen Verbreitungsgebiet der Tanne. Jedoch zeigt sich erst später auf den Plantagen oder im Wald, ob die Samen sich im mitteleuropäischen Klima auch wohlfühlen. Häufig kommt es daher zu Ausfällen. Der zweitbeliebteste Weihnachtsbaum, die Blaufichte (Picea pungens), macht weniger Schwierigkeiten beim Anbau.

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Die Anzucht aus Samen ist mühsam und häufig kommt es zu Ausfällen, weil die Bäume das Klima nicht vertragen. Die Stecklingsvermehrung ist eine einfachere Methode der Verbreitung und ermöglicht einen homogene Bestand aufzubauen.

Die Anzucht aus Samen ist mühsam und häufig kommt es zu Ausfällen, weil die Bäume das Klima nicht vertragen. Die Stecklingsvermehrung ist eine einfachere Methode der Verbreitung und ermöglicht einen homogene Bestand aufzubauen.

Bildquelle: © janka3147/istock/Thinkstock

Baumklone als zukünftige Weihnachtsbäume

Die Humboldt-Universität in Berlin und das Gartenbauzentrum Münster-Wolbeck/Essen arbeiten an der "Vegetativen Vermehrung der Nordmannstanne durch somatische Embryogenese". Die somatische Embryogenese ist ein biotechnologisches Verfahren. Die Embryonen entwickeln sich aus den vegetativen Zellen der Pflanzen heraus zu normalen Jungpflanzen. Solche Gewebekulturen werden im Pflanzenbau schon lange angewendet und ermöglichen es, außergewöhnliche Eigenschaften von Einzelpflanzen nutzbar zu machen, die über Samen nicht zu vermehren sind. Mit dieser Methode werden genetisch einheitliche Pflanzen, Klone, in kurzer Zeit und mit hoher Qualität erzeugt.

Gene für den perfekten Wuchs

In Dänemark werden nicht nur Millionen an Weihnachtsbäumen produziert und exportiert, sondern auch an ihnen geforscht. Forscher an der Universität von Kopenhagen beschäftigen sich mit dem „perfekten Christbaum“. Die Wissenschaftler sind auf der Suche nach den Genen für den perfekten Wuchs, die eine hohe Frostverträglichkeit und einen geringeren Nadelverlust bewirken. Außerdem suchen sie nach einem schwieriger zu entflammenden Weihnachtsbaum. Mittels Gentests wird nach Tannen geforscht, die in ihren Nadeln einen hohen Wasseranteil aufweisen. Auch deutsche Forscher an der Universität Göttingen untersuchen die Gene der Tannen. Der Forstwissenschaftler Reiner Finkeldey erforscht das Erbgut von Nadelbäumen und sucht nach Genen, um diese robuster zu machen.

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