Die Zeit läuft

Neue Studie zeigt, der Artenverlust beschleunigt sich – es muss gehandelt werden!

13.05.2015 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Blumenwiese: Bis zu einem Sechstel aller Arten könnten durch den Klimawandel aussterben. (Bildquelle: © Oskar - Fotolia.com)
Blumenwiese: Bis zu einem Sechstel aller Arten könnten durch den Klimawandel aussterben. (Bildquelle: © Oskar - Fotolia.com)

In einer Metastudie wurde berechnet, dass bei einem Anstieg der Durchschnittstemperatur um 4,3 Grad jede sechste Art aussterben wird.

Studien zum Klimawandel und seinem Einfluss auf die Biodiversität gibt es wie Sand am Meer. Allerdings variieren sie stark in ihrer Aussage. So wird in den verschiedenen Studien ein Artenverlust von null bis zu 54 Prozent vorhergesagt. Diese schwammigen Ergebnisse helfen nicht gerade dabei, die Gefahr, die vom Klimawandel ausgeht, einzuschätzen und Strategien zu entwickeln. In einer neuen Metastudie wurden daher 131 ausgewählte Studien analysiert, um einen besseren Überblick zu bekommen, inwieweit der Klimawandel das Aussterben von Arten beeinflusst oder sogar beschleunigt.

Je genauer, desto besser

Ein großes Problem der meisten Studien zum Thema Klimawandel und Artenverlust ist ihre ungenaue Abbildung der Realität. Häufig fehlen wichtige Faktoren wie zum Beispiel die Beziehungen zwischen verschiedenen Arten, die Anpassungsfähigkeit von Arten an sich verändernde Klimabedingungen sowie die Veränderungen von Habitaten. Das erschwert eine klare Aussage darüber, was uns in Bezug auf den Artenverlust denn nun wirklich ins Haus steht. Daher wurden 131 ausgewählte Studien unter anderem auf die Auswirkungen durch den prognostizierten Temperaturanstieg, klimabedingte Habitatveränderungen und -verluste, endemische Arten sowie Barrieren, die ein Ausweichen erschweren (Gebirgszüge, Insellagen) untersucht. Daraus wurden neue Prognosen zum möglichen weltweiten Verlust von Arten modelliert.

Den Süden trifft es am härtesten

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Besonders betroffen vom Artensterben wird den Forschern zufolge Australien sein. Das Land beherbergt viele endemische Arten, bietet ihnen aufgrund der isolierten Lage jedoch kaum Möglichkeiten, in neue Habitate abzuwandern.

Besonders betroffen vom Artensterben wird den Forschern zufolge Australien sein. Das Land beherbergt viele endemische Arten, bietet ihnen aufgrund der isolierten Lage jedoch kaum Möglichkeiten, in neue Habitate abzuwandern.

Bildquelle: © MCaviglia/ wikimedia.org; CC BY-SA 3.0

Bei diesen Modellierungen zeigte sich, dass sie stark von der zukünftig zu erwartenden Temperatur abhängen. Das bedeutet, dass die Aussterberate bei steigenden Temperaturen nicht nur ansteigt, sondern sich auch noch beschleunigt. Aktuell liegt das Aussterberisiko bei 2,8 Prozent. Das heißt, dass im Moment global 2,8 Prozent der Arten drohen, auszusterben. Bei einem Anstieg der Durchschnittstemperatur von 2 Grad steigt es auf 5,2 Prozent, bei 3 Grad bereits auf 8,5 Prozent. Bei einem Anstieg von 4,3 Prozent liegt das Aussterberisiko bei 16 Prozent. Das bedeutet, es würde jede sechste Art aussterben.

Auch bei der Frage, wo die meisten Arten aussterben, zeigten sich klare Trends. So sind vor allem Australien und Südamerika vom Artenverlust betroffen (Aussterberisiko 23 Prozent), gefolgt von Neuseeland (14 Prozent). Besonders Australien und Neuseeland beherbergen viele endemische Arten und bieten ihnen aufgrund ihrer isolierten Lage kaum Möglichkeiten, in neue Habitate zu wandern. In Europa und Nordamerika ist das Aussterberisiko am geringsten (5 und 6 Prozent). Über andere Regionen wie zum Beispiel Asien ließen sich keine genaueren Aussagen machen, da es hier an verwendbaren Studien fehlt. So gab es für ganz Asien nur vier Studien zu diesem Thema. Besonders gefährdet sind zudem endemische Arten (6 Prozent größeres Risiko). Anders als in vielen Studien prognostiziert, gab es keine großen Unterschiede bei den verschiedenen taxonomischen Gruppen, wie Amphibien oder Reptilien.

Bessere Forschung, schnelleres Handeln

Es wird betont, dass das Aussterberisiko „nur“ die Zahl an Arten umfasst, die existentiell bedroht sind. Weitaus größer ist die Zahl der Arten, die nicht aussterben, aber dennoch durch den Klimawandel tiefgreifende Veränderungen durchmachen werden. Das hat natürlich auch Konsequenzen für den Menschen: Durch Abwanderung in andere Habitate, geringere Anzahl von Individuen einer Art oder sich verändernde Wechselwirkungen zwischen Arten wird auch der Mensch die Folgen zu spüren bekommen, beispielsweise bei verschiedenen kommerziell genutzten Fischarten in den Meeren.

Um den Artenverlust so gering wie möglich zu halten, ist es daher wichtig, auf möglichst präzise Modelle zurückgreifen zu können. Darum müssen zukünftige Studien alle wichtigen Faktoren berücksichtigen, damit sie die Realität so genau wie möglich abbilden können. Denn schnelles und effektives Handeln ist erforderlich, wenn wir nicht in absehbarer Zeit erleben wollen, wie sich der Artenverlust unkontrollierbar beschleunigt.

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