Gemüse gegen Autismus

Inhaltsstoff aus Brokkoli lindert Symptome

24.10.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Forscher extrahierten den Wirkstoff Sulforaphan aus Brokkoli-Sprossen. (Bildquelle: © Corinna Gissemann - Fotolia.com)
Die Forscher extrahierten den Wirkstoff Sulforaphan aus Brokkoli-Sprossen. (Bildquelle: © Corinna Gissemann - Fotolia.com)

Ein pflanzlicher Inhaltsstoff Namens Sulforaphan kann die Symptome von Autismus-Spektrum-Störungen lindern. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die den Wirkstoff an jungen männlichen Probanden testete. Der Stoff kommt natürlich unter anderem in Brokkoli und Kohl vor.

Menschen, die an Autismus leiden zeigen ein gestörtes Sozialverhalten und haben Schwächen in der verbalen Kommunikation. Es gibt verschiedene Formen von autistischen Entwicklungsstörungen, weswegen oft auch zusammenfassend von Autismus-Spektrum-Störungen gesprochen wird. 

Es gibt noch kein Medikament

Forscher tappen bei den Ursachen noch weitgehend im Dunkeln. Die Patienten weisen jedoch oft biochemische und molekulare Anomalien auf. Eine medikamentöse Behandlung ist derzeit nicht möglich. Lediglich gewisse Begleitsymptome wie Angstzustände können mit Hilfe von Medikamenten gelindert werden. Um die Therapie der - meist männlichen - Patienten zu ergänzen, sind Forscher einer neuen Spur nachgegangen: Sie testeten, ob der pflanzliche Inhaltsstoff Sulforaphan eine positive Wirkung bei Betroffenen zeigt.

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Sulforaphan ist eine chemische Verbindung, die zu den Senfölen zählt und in Kohl oder anderen Kreuzblütengewächsen zu finden ist.

Sulforaphan ist eine chemische Verbindung, die zu den Senfölen zählt und in Kohl oder anderen Kreuzblütengewächsen zu finden ist.

Bildquelle: © iStock.com/mythja

Warum Sulforaphan?

Sulforaphan ist eine chemische Verbindung, die zu den Senfölen zählt und in Kohl oder anderen Kreuzblütengewächsen zu finden ist. Die Pflanzen produzieren diese Stoffe zur Verteidigung und wehren mit ihnen Fressfeinde ab. Auch der Mensch profitiert von ihnen, wenn er die Pflanzen zu sich nimmt: Die Abwehrmechanismen des Körpers werden angekurbelt. Darüber hinaus sagt man Sulforaphan auch nach, das Wachstum von Krebszellen zu hemmen.   

Der Wirkstoff Sulforaphan schützt Zellen vor oxidativem Stress und vor Schäden durch hohe Temperaturen. Interessanterweise berichteten viele Eltern und Betreuer von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen von einer Verbesserung der sozialen und kommunikativen Kompetenzen bei Fieber. Beim Fieber werden im Körper, wie auch durch Sulforaphan, gewisse molekulare Mechanismen aktiviert, die die Zellen vor Hitze schützen. So kamen die Forscher darauf, die chemische Verbindung in einer klinischen Studie zu testen.

Kleine klinische Studie weckt Hoffnung

Bei einer kleinen Versuchsgruppe von 44 jungen männlichen Probanden (zwischen 13 und 27 Jahren), entdeckten die Forscher, dass eine tägliche Aufnahme von Sulforaphan die typischen Symptome – darunter Reizbarkeit oder Lethargie – der Testpersonen linderte. Verglichen mit den Probanden, die ein Placebo erhielten, war bei ihnen eine deutliche Verbesserung in ihrer sozialen Interaktion und verbale Kommunikation zu beobachten. Auch sich wiederholende, rituelle Verhaltensweisen nahmen ab, wie die Betreuer der Testpersonen schildeten. Nach Absetzen der Behandlung verschlechterten sich die Symptome wieder. „Es scheint, als würde Sulforaphan den Zellen vorübergehend helfen, mit ihren Beeinträchtigungen umzugehen“, sagt Paul Talalay, beteiligter Wissenschaftler der Studie.

Allerdings sprachen nicht alle Testpersonen auf den pflanzlichen Wirkstoff an. Bei etwa der Hälfte der Personen, die den Stoff verabreicht bekamen, trat eine Verbesserung der Symptome ein. In einem nächsten Schritt müssen die positiven Effekte von Sulforaphan nun weiter getestet werden. Doch das vorliegende Experiment weckte die Hoffnung, auf dem richtigen Weg zu sein. Allerdings ist es nicht möglich, einfach die Ernährung umzustellen, sagen die Forscher. Für die Experimente extrahierten sie den Wirkstoff aus Brokkoli-Sprossen. Der hochkonzentrierte Extrakt ermöglichte es, eine konstante therapeutische Dosis zu gewährleisten.

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