Grüne Revolution pro Klima

23.06.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Junge Maispflanzen. (Quelle: © Smileus/Fotolia.com)
Junge Maispflanzen. (Quelle: © Smileus/Fotolia.com)

Dass die Grüne Revolution hauptsächlich negativ konnotiert ist, liegt an den schädlichen Auswirkungen, die aufgrund moderner Anbaumethoden und neuartigen Pflanzenschutzmitteln entstanden. Ein US-Forscherteam rückt die Grüne Revolution anhand einer Studie in ein differenzierteres Licht.

Vorgeschichte

Seit den 1960iger Jahren haben sich die landwirtschaftlichen Produktionsmethoden in Entwicklungsländern umgestellt. Die Grüne Revolution wurde eingeläutet, um die Ernährung der stark wachsenden Bevölkerung sicherzustellen.  Vor allem erfolgte eine Umstellung auf Monokulturen und auf Hochleistungssaatgut. Neben großflächigen Bewässerungen der Felder kamen erstmals mineralische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Eine deutliche Steigerung der Ernteerträge war binnen kurzer Zeit zu verzeichnen. Trotz allen Erfolges hat der Begriff „Grüne Revolution“ einen negativen Beigeschmack. Dieser kommt auch nicht von ungefähr:

Neben einem drastischen Rückgang der Sortenvielfalt, beispielsweise bei den angebauten Getreidearbeiten, waren die Monokulturen anfälliger für Schädlingsbefall. Diesem Missstand musste durch erhöhten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln entgegnet werden. Auch war die mineralische Düngung in weiten Gebieten nicht auf die lokalen Boden-, Anbau- und Klimabedingungen abgestimmt. Eine Reduzierung der Bodenfruchtbarkeit war die Folge. Ein weiteres Problem, das in Folge der „Grünen Revolution“ aufkeimte, war, dass die Bauern die höheren Erträge durch eine stärkere Abhängigkeit erkaufen mussten.

Von den großen Agrar- und Chemiekonzernen mussten sie Dünger Pflanzenschutzmittel und Saatgut beziehen. Kleinere Bauern blieben demnach des Öfteren auf der Strecke. Für sie waren die modernen Anbaumethoden der Grünen Revolution einfach zu teuer. Für Großgrundbesitzer lohnte sich hingegen die bis dahin vernachlässigte Landwirtschaft wieder. Landlose Bauern, welche die brachliegenden Flächen nutzten, wurden vertrieben, was zu einer Zunahme der Armut vor allem bei Landlosen führte.

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Mais-Jungpflanzen soweit das Auge reicht.

Mais-Jungpflanzen soweit das Auge reicht.

Bildquelle: © GABI Geschäftsstelle

Die andere Richtung

Das neben diesen vor allem politisch verursachten Begleitproblemen der „Grünen Revolution“ ohne diese die Ernährungssituation in der Welt noch dramatischer wäre, ist durch die in der Regel höheren Erträge begründet. Die Rolle der „Grünen Revolution“ auf den Klimawandel untersuchte eine kürzlich veröffentlichte Studie des Carnegie Instituts an der Stanford University in Washington.

Die Forscher konstatieren, dass es ohne den Einsatz von modernen Anbaumethoden, die alle ihre Wurzeln in der „Grünen Revolution“ haben, und neuartigen Düngemitteln noch erheblich schlimmer um die Erdatmosphäre stehen würde. Die Forscher sind sich einig, dass die „Grüne Revolution“ dem Klima sogar geholfen hat, da der Mensch ansonsten viel mehr Wälder gerodet und demnach erheblich höhere Mengen an CO2 freigesetzt hätte.
Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass ohne die Intensivierung der Landwirtschaft die aktuelle Bevölkerungszahl über knapp 7 Milliarden Menschen nicht hätte ernährt werden können. Eine Ackerfläche von mehr als 1,5 Milliarden Hektar würde benötigt werden, um die Menschheit nach Anbaumethoden vor der „Grünen Revolution“ zu ernähren.

Um die plakative These „die Grüne Revolution war gut für das Klima“ weiter zu untermauern, erstellten die Forscher verschiedene Szenarien. Das erste Szenarium nahm an, dass der Lebensstandart von 1961 in die heutige Zeit übertragen wird. Ohne die Grüne Revolution würden heutzutage zusätzliche Treibhausgase emittiert, deren Wirkung 320 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entspricht.

Dem zweiten Szenario (noch immer ohne die durch den Technologiesprung der „Grünen Revolution“ angestoßenen Entwicklungen) legten die Forscher den aktuellen Lebensstandart zugrunde. Man berechnete hier sogar 590 Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Die beiden Zahlen erscheinen im Vergleich zu aktuellen Werten enorm: 2008 hat die Menschheit beim Verbrennen von Öl, Gas und Kohle 32 Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt.

Neuer Gegenwind

Nach Veröffentlichung der Studie machte sich erster Unmut breit. Prof. Dr. Helmut Haberl vom Institut für soziale Ökologie Wien der Alpen-Adria Universität Klagenfurt bedauert, dass andere Auswirkungen der „Grünen Revolution“ in der Studie nicht bedacht wurden. Seiner Meinung nach müssten die Probleme der Bodenkohlenstoffbilanz, die Verminderung der Biodiversität oder aber auch die Folgen der Pestizidbelastung auf die Umwelt in einer solchen Studie integriert werden.

Sicherlich sind dies Anregungen, denen sich die Forscher an der Standford University stellen werden. Wichtig ist, dass mit der vorgestellten Studie deutlich wird, dass Landwirtschaft und die Art wie diese betrieben wird, einen massiven Einfluss auf die Emission von Treibhausgasen hat. Diese weiter zu reduzieren und gleichzeitig die primäre Aufgabe, die Versorgung der Menschen mit Nahrung zu sichern, sind Herausforderungen denen sich die Forscher in aller Welt stellen müssen.

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