Gute Nachrichten für die Welternährung

Das Potential der globalen Landwirtschaft wurde bedeutend unterschätzt

25.11.2015 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die derzeit zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Fläche könnte alle ernähren - wenn sie optimal genutzt wird. (Bildquelle: © iStock.com/abramova)
Die derzeit zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Fläche könnte alle ernähren - wenn sie optimal genutzt wird. (Bildquelle: © iStock.com/abramova)

Die heute global verfügbaren Agrarflächen könnten auch zukünftig alle ernähren, zeigen aktuelle Berechnungen der Ludwig-Maximilians-Universität und des Instituts für Weltwirtschaft. Bisherige Studien hielten dies für sehr unwahrscheinlich. Vor allem mit der Wahl der richtigen Kulturpflanzen und einer gewinnorientierten Bewirtschaftung, ließen sich Erträge in bestimmten Teilen der Welt um ein Vielfaches steigern.

Mehr als 800 Millionen Menschen hungern und die Weltbevölkerung wächst stetig.Gleichzeitig wird die landwirtschaftlich nutzbare Flächen immer knapper – dafür sorgen Bodenerosion, die Ausweitung der Städte, Überflutungen und die Versalzung fruchtbarer Böden. Das Potential diese weiter auszudehnen, ist bereits weitgehend erschöpft: Selbst unter Einbeziehung aller globaler Brachflächen, so die Berechnungen der Welternährungsorganisation FAO, ließe sich die landwirtschaftlich nutzbare Fläche nur noch um 13% ausweiten.

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Kultur und Tradition prägen nach wie vor die Landwirtschaft, und zwar von der Aussaat bis zur Ernte. Nicht immer wird es möglich sein, Ertragssteigerungen in Einklang damit zu bringen. Die Bereitschaft, neue und effizientere Anbaumethoden zu erproben und zu übernehmen, ist eine zwingende Voraussetzung, um die Potenziale voll auszuschöpfen.

Kultur und Tradition prägen nach wie vor die Landwirtschaft, und zwar von der Aussaat bis zur Ernte. Nicht immer wird es möglich sein, Ertragssteigerungen in Einklang damit zu bringen. Die Bereitschaft, neue und effizientere Anbaumethoden zu erproben und zu übernehmen, ist eine zwingende Voraussetzung, um die Potenziale voll auszuschöpfen.

Bildquelle: © Rainer Sturm/ pixelio.de

Agrarökonomen gehen deshalb davon aus, dass der steigende Nahrungsbedarf nur noch mit einer erheblichen Produktivitätssteigerung der globalen Landwirtschaft, nämlich von mindestens 70 -100 Prozent, gedeckt werden kann. Einen Zuwachs dieser Größenordnung hielten bisherige Studien jedoch für unmöglich.

Erweitertes Modell

Eine neue Prognose von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und Kollegen kommt jetzt zu einem bedeutend zuversichtlicheren Ergebnis. Das speziell dafür entwickelte Modell PROMET berücksichtigt bisher vernachlässigte Faktoren. Zum einen bezieht es das „Intensivierungspotential“ von derzeit angebauten Kulturpflanzen mit ein. Dazu gehört beispielsweise das Potenzial, Kulturpflanzen unter optimalen klimatischen Bedingungen mehrfach im Jahr ernten zu können. In Zusammenarbeit mit Wirtschaftswissenschaftlern des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel wurde zudem mit einberechnet, um wie viel Prozent sich Erträge steigern lassen, wenn Kulturpflanzen in erster Linie gewinnbringend angebaut würden, also unter Berücksichtigung von Produktionskosten und Marktwert.

Ertragssteigerung durch standortangepasste und profitorientierte Bewirtschaftung

Gerade in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern richten Landwirte ihre Produktion immer noch hauptsächlich auf den Eigenbedarf aus. Auch welche Pflanzen angebaut werden bestimmen in erster Linie Tradition und Kultur und nicht die Standortbedingungen und wirtschaftlichen Faktoren. Gerade dies seien jedoch die Stellschrauben, mit denen sich enorme Ertragssteigerungen erzielen ließen: Schon eine gewinnorientierte Landwirtschaft ließe die Erträge bereits um 30 Prozent wachsen. Ein standortangepasster Anbau von Kulturpflanzen, durch den sich die Chance einer Mehrfachernte erhöht, bringt weitere 80 Prozent Ertragssteigerung. Die Wissenschaftler kommen so auf weltweit insgesamt 148 Prozent Ertragssteigerung.  

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In Teilen der USA, in denen z. B. Mais in riesigen Monokulturen angebaut wird, rechnen die Wissenschaftler sogar mit rückläufigen Erträgen.

In Teilen der USA, in denen z. B. Mais in riesigen Monokulturen angebaut wird, rechnen die Wissenschaftler sogar mit rückläufigen Erträgen.

Bildquelle: © Maria Lanznaster/ pixelio.de

In einigen Regionen, wie Subsahara-Afrika könnten Landwirte mit einer optimierten Bewirtschaftungsstrategie ihre Erträge sogar um das Achtfache steigern. Auch in Latein- und Südamerika, China und Indien sind deutliche Steigerungen möglich.  „Das war zum Beispiel für Indien nicht zu erwarten, da es dort bereits eine sehr intensive landwirtschaftliche Nutzung gibt. Aber es ist offenbar die Art und Weise, wie die Pflanzen angebaut werden, die noch viel Potenzial birgt “, sagt Professor Wolfram Mauser vom Department für Geographie der LMU.

Risikofaktor Monokultur

Kaum verbessern lassen sich dagegen die Erträge in Westeuropa, da Landwirte in unseren Breitengraden bereits eine sehr intensive und profitorientierte Landwirtschaft betreiben. In Teilen der USA, in denen Soja und Mais in riesigen Monokulturen angebaut wird, rechnen die Wissenschaftler sogar mit rückläufigen Erträgen. Missernten können dort zu besonders hohen Ertragseinbußen führen, weil bei dieser Bewirtschaftungsmethode über mehrere Jahre kein Fruchtwechsel stattfindet.

Neue Bewirtschaftungsstrategien müssen her

Im Ergebnis der Studie sehen die Wissenschaftler die Vorrausetzung, die Menschheit auch zukünftig zu ernähren: „Die heutigen landwirtschaftlichen Flächen haben das Potenzial, die Menschheit auch künftig zu ernähren und ihren Bedarf noch zu übertreffen. Wir können sogar mehr produzieren, als wir brauchen“, sagt Mauser.

Dies sei jedoch keine Garantie dafür, dass diese auch optimal genutzt würden. Zukünftig sei hier Forschung auf allen Ebenen gefragt, um Wertschöpfungsketten in Entwicklungsländern aufzubauen, Landwirte zu schulen und standortgepasste, neue Technologien und Bewirtschaftungssysteme zu entwickeln.

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