Klimawandel bedroht Europas Wohlstand

10.02.2011 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Erderwärmung hat auch für Europa Folgen. (Quelle: © Rainer Sturm / PIXELIO www.pixelio.de).
Die Erderwärmung hat auch für Europa Folgen. (Quelle: © Rainer Sturm / PIXELIO www.pixelio.de).

Der Klimawandel wird zukünftig voraussichtlich auch in Europa hohe Kosten verursachen und sich somit auf den Lebensstandard der Bevölkerung auswirken. Nordeuropa könnte jedoch von den Veränderungen profitieren.

In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler für fünf europäische Regionen die ökonomischen Folgen des Klimawandels im Jahr 2080 hochgerechnet. Mithilfe von zwei Klimamodellen in Verbindung mit zwei Klimaszenarien mit niedrigen bzw. hohen Kohlendioxid(CO2)- Emissionen errechneten sie einen voraussichtlichen Temperaturanstieg von 2,5 °C bis 5,4 °C zwischen 1970 und 2080. Die Forscher versuchten unter diesen Voraussetzungen die Folgekosten für Landwirtschaft, Gesundheit, Hochwasser an Flüssen bzw. Küstenregionen und Tourismus zu errechnen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das durchschnittliche europäische Bruttoinlandsprodukt von momentan 13 Billionen um 20 Milliarden bis 65 Milliarden sinken könnte. Der hohe Lebensstandard in Europa würde somit sinken.

Beispiel: Landwirtschaft

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Tomaten aus Schweden? Der Klimawandel könnte es möglich machen (Quelle: © Manfred Schimmel / PIXELIO www.pixelio.de).

Tomaten aus Schweden? Der Klimawandel könnte es möglich machen (Quelle: © Manfred Schimmel / PIXELIO www.pixelio.de).

Die Landwirtschaft nimmt auch in den meisten europäischen  Ländern große Flächen ein, verbraucht bzw. nutzt große Wassermengen und spielt daher eine herausragende ökonomische Rolle vor allem im ländlichen Bereich. Da Quantität und Qualität der landwirtschaftlichen Produktion besonders von den Einflüssen des Klimas abhängen, wären die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren. Die Landwirtschaft lässt sich besonders schwer ökonomisch beurteilen, da sie einerseits aufgrund von Treibhausgasemissionen aus der Viehhaltung aber auch durch Lachgasemissionen durch Stickstoffdüngung aktiv  zum Klimawandel beiträgt. Andererseits binden Ackerpflanzen CO2 und entziehen es damit der Atmosphäre. Durch Ernterückstände und die damit einhergehende Humusbildung im Boden, ist dieser Puffereffekt nicht auf die Vegetationsperiode beschränkt. In jedem Falle müssen zukünftige Landwirte ihre Pflanzen unter veränderten Bedingungen kultivieren.

Die Forscher vermuten, dass die regionalen Unterschiede sehr groß sein werden. Die meisten Länder in Europa werden einen ökonomischen Rückgang hinnehmen müssen. Vor allem Südeuropa müsse den Berechnungen zufolge bei einem Temperaturanstieg von 5,4 °C allein in der Landwirtschaft mit 25 Prozent Ernteeinbußen rechnen.

Nordeuropa könnte der Studie zufolge dagegen von den neuen klimatischen Bedingungen profitieren. Aufgrund der höheren Temperaturen und der damit verbundenen längeren Wachstumsperioden würden diese Länder mit einem ökonomischen Wachstum von bis zu 52 Prozent in der Landwirtschaft Gewinner des Klimawandels werden. Zudem könnten voraussichtlich auch bisher im Freiland nicht kultivierte Pflanzen, wie Tomaten erfolgreich angebaut werden. Allerdings zeigen andere Studien, dass diese Erwartungen nicht als sicher gelten. Auch der Norden Europas, so eine aktuelle Studie, würde aufgrund gehäuft auftretender Naturkatastrophen unter den Folgen des Klimawandels leiden.

Hohe Fehlerquote, jedoch die Grundaussage bleibt

Die Wissenschaftler betonen zwar, dass ihre Studie eine der ersten ist, die den Klimawandel nicht global betrachten, sondern regionale Unterschiede in ihre Hochrechnungen miteinbeziehen. Allerdings weisen sie auch darauf hin, dass Studien dieser Art zahlreiche nicht gesicherte Hypothesen beinhalten. Diese können zu Fehlern in den Berechnungen führen.

Dennoch zeigt die Studie, dass die ökonomischen Folgen des Klimawandels vermutlich regional sehr verschieden sein werden. Global betrachtet wird Europa voraussichtlich nicht so schwer unter den Folgen zu leiden haben wie Entwicklungsländer, die heute schon mit Hitze, Trockenheit und Dürreperioden zu kämpfen haben.

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