Können Pflanzen unter Jetlag leiden?

Premiere des Plant Science Cafés in Potsdam

19.12.2016 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Am 10. Oktober 2016 fand das erste Plant Science Café in Potsdam statt. (Bildquelle: © Matthias Arlt)
Am 10. Oktober 2016 fand das erste Plant Science Café in Potsdam statt. (Bildquelle: © Matthias Arlt)

Ungezwungene Kaffeehausatmosphäre und spannende Einblicke in die Forschung, das war die Erfolgsmischung des ersten Plant Science Cafés in Potsdam. Das Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie (MPI-MP) lud gemeinsam mit der Pflanzenforschungsinitiative PLANT 2030 interessierte Bürgerinnen und Bürger ins Café Heider ein. Geboten wurden zur Jahreszeit passende Informationen rund um die innere Uhr von Pflanzen.

Spannende Wissenschaft in gemütlicher Kaffeehausatmosphäre - das ist die Grundidee der Science Cafés, die vor über zehn Jahren in Frankreich und Großbritannien entstand. Seither ermöglichen sie in der ganzen Welt eine neue Form der offenen Wissenschaftskommunikation. Mal auf dem Schiff und mal im Café, das Ziel bleibt gleich - in einer etwas anderen Atmosphäre mit Wissenschaftlern und mit interessierten Laien in Kontakt zu treten. Neu am ersten Science Café in Potsdam war hingegen der Fokus. Es sollte ausschließlich ums zarte Grün gehen, die Pflanzen.

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Der Referent Prof. Mark Stitt, einer der drei Direktoren am Potsdamer Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie, erklärte den Gästen, ob Pflanzen unter Jetlag leiden können.

Der Referent Prof. Mark Stitt, einer der drei Direktoren am Potsdamer Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie, erklärte den Gästen, ob Pflanzen unter Jetlag leiden können.

Bildquelle: © Matthias Arlt

Das Interesse am Kick-off in Potsdam war groß

Dass dieser Fokus erfolgsversprechend ist, davon waren die Macherinnen des ersten Plant Science Cafés in Deutschland überzeugt. Sie engagieren sich am MPI-MP und in der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsinitiative PLANT 2030, die deutschlandweit Forscherinnen und Forscher auf dem Gebiet der Pflanzenforschung vereint. Mehr als 50 Personen verschiedener Altersgruppen und Hintergründe fanden sich am traditionsreichen Café Heider ein. Im gemütlichen Oberstübchen des Cafés tauschte sich Professor Mark Stitt, einer der drei Direktoren am Potsdamer MPI-MP, mit seinen Gästen aus. Eine tolle Atmosphäre für den kurzweilig gestalteten Vortrag und das anschließende Gespräch. Die Gäste waren voll dabei und fragten nicht nur viel, sondern brachten auch interessante eigene Ideen und Gedanken ein.

Pflanzen wissen, was die Stunde geschlagen hat

Thema des ersten Plant Science Cafés war: Können Pflanzen unter Jetlag leiden? Die Antwort drauf ist – typisch Wissenschaft – gar nicht so einfach. Ja, sie können, aber anders als wir Menschen. In einer knappen halben Stunde gab Professor Mark Stitt Einblicke, die weder trivial noch zu hoch wissenschaftlich waren. Ihm gelang die perfekte Mischung, womit ihm das Interesse der Zuhörer sicher war. Spannend und kurzweilig gab es Einblicke in Entwicklungsprozesse von der Keimung über Wachstum, Blüte und die Vermehrung, die durch eine innere Uhr der Pflanze gesteuert werden. Aber woher wissen Pflanzen, was die Stunde geschlagen hat?

Wie Menschen besitzen auch Pflanzen eine innere Uhr. Diese steuert den Biorhythmus der Pflanze. So wissen sie genau, wie lange ein Tag ist und welche Jahreszeit gerade ist. Im Plant Science Café ging man dem pflanzlichen Zeitgefühl auf den Grund und die Kaffeehausbesucher bekamen zeitgleich mit der Umstellung der Uhren auf die Winterzeit anschauliche Beispiele aus dem Pflanzenreich. Sie wissen nun auch, worauf beim Kauf von Pflanzen aus einer anderen geographischen Breite zu achten ist. Der Fehler, welcher der Stadtverwaltung im schwedischen Umea unterlief, kann so vermieden werden: Auf Sparsamkeit bedacht, setzte die Stadtverwaltung vor einigen Jahrzehnten auf den Ankauf polnischer Bäume. Diese kamen zwar gut mit dem kalten Klima Nordschwedens klar, doch die Unterschiede in der Tag- und Nachtlänge brachten sie völlig aus dem Rhythmus. Daran hatte bis dahin noch niemand gedacht. Zumindest das Forschungsteam war der Verwaltung dankbar, denn die aus der Reihe tanzenden, verkümmerten Bäume im Stadtbild weckten ihre Neugier.

Einen Eindruck vom ersten Plant-Science Café gibt es hier zum Nachhören: Den Podcast in Kurzform.

Viele Spaß beim Lauschen wünscht die Redaktion von
Pflanzenforschung.de

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