Kompletter Verzicht muss nicht sein

Weniger Fleisch für ein besseres Klima

08.10.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Fleischfans müssen für den Klimaschutz nicht gänzlich auf tierische Produkte verzichten. (Bildquelle: © iStock.com/monica-photo)
Fleischfans müssen für den Klimaschutz nicht gänzlich auf tierische Produkte verzichten. (Bildquelle: © iStock.com/monica-photo)

Die Weltbevölkerung wächst stetig und mit ihr die Nachfragen nach Nahrungsmitteln. Dabei schwappt der westliche Ernährungsstil scheinbar unaufhaltsam auf die Schwellenländer über. Fleisch wird als Nahrungsmittel weltweit immer beliebter – auf Kosten des Klimas. Wer weniger konsumiert und sorgsam mit Lebensmitteln umgeht, trägt laut einer aktuellen Studie maßgeblich zum Klimaschutz bei.

Zwei Portionen à 86 Gramm rotes Fleisch, fünf Eier und sieben Portionen Geflügelfleisch - könnten Sie damit in einer Woche auskommen? Wer das Klima schützen und den Ausstoß von Treibhausgasen vermindern will, muss nicht unbedingt zum Vegetarier oder gar Veganer werden. Forscher der Universität Cambridge haben verschiedene Szenarien virtuell durchgespielt und kamen zu dem Schluss, dass bereits der maßvolle Genuss von tierischen Produkten positive Auswirkungen auf den Klimawandel haben könnte. Allerdings nur, wenn alle mitmachen.

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Um Fleisch zu produzieren, müssen Tiere gefüttert werden. Dazu wiederum müssen Bauern ihre landwirtschaftlichen Nutzflächen erweitern, um den stetig wachsenden Bedarf an Fleisch decken zu können.

Um Fleisch zu produzieren, müssen Tiere gefüttert werden. Dazu wiederum müssen Bauern ihre landwirtschaftlichen Nutzflächen erweitern, um den stetig wachsenden Bedarf an Fleisch decken zu können.

Bildquelle: © Petra Dirscherl/pixelio.de

Westlicher Ernährungsstil überträgt sich auf den Rest der Welt

Klar ist: Unsere momentanen Essgewohnheiten sind wahre Klimakiller, denn wir essen zu viel Fleisch. Das gilt längst nicht mehr nur für die westlichen Industrienationen. Auch in den Schwellenländern ist der Trend zum höheren Fleischkonsum angekommen. Um Fleisch zu produzieren, müssen Tiere gefüttert werden. Dazu wiederum müssen Bauern ihre landwirtschaftlichen Nutzflächen erweitern, um den stetig wachsenden Bedarf an Fleisch decken zu können. Die Ausbeute ist mager: „Durchschnittlich wandeln Nutztiere ihre pflanzliche Nahrung nur mit einer sehr geringen Effektivität von drei Prozent in Fleisch um“, so Studienautor Bojana Bajzelj. Wenn die Menschen weltweit ihre Essgewohnheiten beibehalten, steigen die Treibhausgasemissionen der Nahrungsmittelproduktion um beträchtliche 80 Prozent an, prognostizieren die Forscher in ihrer aktuellen Studie. Dann können die globalen Klimaziele für das Jahr 2050 mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erreicht werden.

Der Teufelskreis des Fleischkonsums

Denn für eine intensivere Landwirtschaft müssen die Bauern Wälder roden. Das setzt große Mengen an CO2 frei, die sich wiederum negativ auf das Klima auswirken. Auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen muss intensiv gedüngt und bewässert werden, um die Erträge halten oder gar steigern zu können – das geht auch auf Kosten der Biodiversität. Und auch die Methangasproduktion der Tiere trägt ihren Teil dazu bei, dass sich der Ausstoß der Treibhausgase stetig erhöht.

Die Nachfrage nach Lebensmitteln wächst stetig

Die Problematik verschärft sich, weil immer mehr Menschen auf der Erde leben und ein Ende des Bevölkerungswachstums laut einer aktuellen UN-Studie nicht in Sicht ist. Forscher der Vereinten Nationen (UN) gehen sogar davon aus, dass die Weltbevölkerung von heute 7,2 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2100 auf bis zu 12 Milliarden Menschen ansteigen könnte. Gleichzeitig wird der Klimawandel die landwirtschaftlich nutzbare Fläche bis zum Jahr 2100 um über 5 Millionen Quadratkilometer vergrößern. Erträge, wie auch die Qualität und Beschaffenheit der Böden werden sinken.

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Wenn wir weniger Fleisch essen, können wir den Ausstoß von klimagefährlichen Treibhausgasen reduzieren. Allerdings nur, wenn alle mitmachen.

Wenn wir weniger Fleisch essen, können wir den Ausstoß von klimagefährlichen Treibhausgasen reduzieren. Allerdings nur, wenn alle mitmachen.

Bildquelle: © iStock.com/AlexMax

Weniger wegwerfen oder verderben lassen

„Die Landwirtschaft ist nicht alleine schuld an der Misere. Jeder kann dazu beitragen, das Klima zu schützen“, so Bajzelj. Die Studienautoren mahnen nicht nur, Fleisch in einem vernünftigen Maß zu konsumieren, sondern auch weniger Lebensmittel wegzuwerfen. In den westlichen Ländern gingen die Menschen viel zu verschwenderisch mit Nahrungsmitteln um, in den Entwicklungsländern verderbe zu viel Nahrung auf unausgereiften Transportwegen.

Die Welternährung müsse gesichert werden, ohne gleichzeitig die landwirtschaftlich genutzten Flächen auszudehnen und damit große Teile naturbelassener Ökosysteme wie der Regenwälder zu opfern. Vor allem in den Entwicklungsländern müssten die Bauern unterstützt werden, um ihre Felder effizienter nutzen und so mehr Menschen mit Lebensmitteln versorgen zu können. Damit könnten die Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft gegenüber 2009 fast halbiert werden, so die Studie.

Drei-Punkte-Plan geht auf

Die gute Nachricht: Die Berechnungen der Wissenschaftler ergaben, dass eine Kombination der drei Maßnahmen maßgeblich zum Schutz des Klimas beitragen könnte. Wenn die Menschen weniger Fleisch essen, die Felder effizienter bewirtschaftet werden und weniger Nahrungsmittel auf Transportwegen verderben oder weggeworfen werden, könnte der Ausstoß von Treibhausgasen um 48 Prozent gegenüber den Werten aus dem Jahr 2009 gesenkt werden. Dazu würde es ausreichen, wenn sich jeder Mensch auf zwei Portionen à 86 Gramm rotes Fleisch, fünf Eier und sieben Portionen Geflügelfleisch beschränkt. Auf diese Weise ließen sich sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: „Wer weniger Fleisch ist, ernährt sich nachweislich gesünder und schont auch noch das Klima“, schreiben die Forscher.

Im Grunde haben wir keine Wahl, so Co-Autor Pete Smith. Er ist sich sicher, dass die Viehwirtschaft ein wesentlicher „Klimakiller“ ist: „Wenn wir unseren Ernährungsstil nicht ändern, müssen wir unsere Energieversorgung und unsere Industrie komplett von Kohlenstoffquellen loslösen, um einen Klimawandel mit fatalen Auswirkungen abzuwenden. Und das ist praktisch unmöglich.“

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