Kritik an GV-Pflanzen Bericht

16.02.2012 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

In Entwicklungsländern sind Gentech-Pflanzen auf dem Vormarsch. (Quelle: © Dieter Schütz/ pixelio.de)
In Entwicklungsländern sind Gentech-Pflanzen auf dem Vormarsch. (Quelle: © Dieter Schütz/ pixelio.de)

Laut Jahresbericht der ISAAA ist der Anbau von GV-Pflanzen 2011 weiterhin rasant gestiegen. Kritiker werfen der Agentur jedoch vor, ihre Statistiken zu beschönigen.

In der ganzen Welt werden bereits 160 Millionen Hektar Ackerboden mit gentechnisch veränderte (GV-) Pflanzen bebaut. Dies veröffentlichte die Agro-Biotechnologie-Agentur ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications), die von Vertretern der Biotech-Branche wie beispielsweise Monsanto und der Bayer Crop AG finanziert wird. Laut des aktuellen ISAAA Jahresberichtes ist der Trend zum Anbau von GV-Pflanzen in allen untersuchten Ländern steigend und entspricht einem weltweiten Zuwachs von 8% Anbaufläche im Vergleich zum Jahre 2010.

An der Spitze der Länder, die GV-Pflanzen anbauen, steht weiterhin die USA (69 Mio. Hektar), gefolgt von Brasilien (30,3), Argentinien (23,7), Indien (10,6) und Kanada (10,4). In diesen Ländern werden vor allem Bt-Mais, Bt-Baumwolle und herbizidtolerante Raps-  und Sojabohnen angepflanzt. In den USA sind mittlerweile auch gentechnisch veränderte Zuckerrüben, -Alfalfa (Luzerne) und virusresistente Papayas auf dem Vormarsch.

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160 Millionen Hektar GV-Pflanzen werden hauptsächlich in den USA, Lateinamerika und Asien angebaut. In Europa sind GV-Pflanzen dagegen kaum präsent. (Quelle: ISAAA Brief 43-2011).

Europa bildet mit 0,05% - 0.1% GV-Pflanzenanbaufläche das Schlusslicht der Länderliste. Der Trend in den europäischen Staaten ist allerdings widersprüchlichen. Während Deutschland und Frankreich  mit Ausnahme der Amflora-Kartoffel keine GV-Pflanzen mehr anbauen, steigt der Anbau von GV-Mais in Ländern wie beispielsweise Spanien und Portugal um 26%.

Besonders positiv bewertete die Studie, dass 19 der 29 Nationen mit GV-Nutzpflanzen zu den Entwicklungsländern zählen. 90% aller Landwirte, die Biotech-Nutzpflanzen anbauen sind der Studie zufolge chinesische und indische Kleinbauern. Bereits die Hälfte aller GV-Pflanzen werde in Schwellenländern angepflanzt und 2012 soll der GV-Pflanzenanbau der Entwicklungsländer die Industriestaaten sogar überholt haben prognostiziert die Studie.

Die Zahlen der ISAAA stoßen jedoch auch immer wieder auf Zweifel, denn in den Berichten erfährt man nur wenig darüber, wie die Statistiken der Agentur zustande kommen. Kritiker werfen der ISAAA beispielsweise vor, sie würde den positiven Trend hin zu GV-Pflanzen überzeichnen, indem die sogenannten „Trait-Acres“ mehrfach in die Statistik mit einfließen ließ. Gemeint sind Anbauflächen mit GV-Pflanzen, bei denen gleich zwei oder drei Eigenschaften gentechnisch verändert sind. Diese würden in der Studie doppelt und dreifach gezählt und machen laut ISAAA immerhin ein Viertel der 160 Millionen Hektar aus. In seinem Interview mit Pflanzenforschung.de, wies der Autor der Studie Clive James eine Beschönigung seiner Daten durch „Trait Acres“ jedoch von sich. Der Gründer und Vorstand der ISAAA sieht in der grünen Gentechnik die einzige Möglichkeit, die Nahrungsmittelversorgung in Entwicklungsländern zu sichern und fordert Gentechnik-Gegner mit provokanten Statements heraus: „Wem wollen Sie glauben?“, fragt Clive James. „Greenpeace, die behaupten diese Technologie nützt keinem etwas, oder Millionen von Kleinbauern, die mit Biotech-Pflanzen ihre Erträge verbessern konnten?“

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