Kürbisse

Nicht ausgestorben dank des Menschen

19.11.2015 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Eine neue Studie zeigt: Ohne den Menschen wäre der Kürbis eine bereits ausgestorbene Pflanzengattung. (Bildquelle: © w.r.wagner / pixelio.de)
Eine neue Studie zeigt: Ohne den Menschen wäre der Kürbis eine bereits ausgestorbene Pflanzengattung. (Bildquelle: © w.r.wagner / pixelio.de)

Dass Menschen Arten ausrotten, ist immer wieder traurige Gewissheit. Bei den Kürbissen scheint es jedoch genau andersherum zu sein: Ohne die menschliche Kultivierung gäbe es die vielfältig einsetzbaren Früchte schon lange nicht mehr. Eine aktuelle Studie zeigt, wie der Mensch dem Kürbis das Leben rettete.

Thanksgiving, das amerikanische Erntedankfest, wird von vielen Menschen mit einem Festmahl zelebriert. Neben dem traditionellen Truthahn dürfen meist auch Kürbisse beim Festmenü nicht fehlen. Einer aktuellen Studie zufolge sollten die Kürbisse jedoch viel eher dem Menschen danken, überhaupt noch am Leben zu sein.

Widerstandsfähige Samen überleben im Meer

Zur Gattung Cucurbita gehören auch Flaschen- und Speisekürbisse. Vor mehr als 10.000 Jahren zogen die extrem bitter schmeckenden wilden Vorfahren der Cucurbita Pflanzen zusammen mit großen Tieren wie Faultieren und Mammuts übers Land, die sich von ihnen ernährten. Auch über die Weltmeere verbreiteten sich die Samen der Gattung Cucurbita. Das Besondere daran: Die Keimfähigkeit der Cucurbita-Samen kann selbst im Salzwasser bis zu einem Jahr lang erhalten bleiben. Wissenschaftler gehen davon auch, dass Samen von Flaschenkürbissen in küstennahen Regionen Mittel- und Südamerikas über das Meer bis nach Afrika geschwemmt wurden.

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Der weit verbreitete Flaschenkürbis gehört zu den ältesten Kulturpflanzen auf der Erde. Die einjährige Kletterpflanze wurde in Amerika bereits 7000 v. Chr. genutzt.

Der weit verbreitete Flaschenkürbis gehört zu den ältesten Kulturpflanzen auf der Erde. Die einjährige Kletterpflanze wurde in Amerika bereits 7000 v. Chr. genutzt.

Bildquelle: © iStock.com/teptong

91 Cucurbita Arten genetisch analysiert

Die bitter schmeckenden Wildarten findet man heute kaum noch; umso häufiger jedoch die kultivierten süß-schmeckenden Arten. Doch was wäre aus den Kürbissen ohne menschliches Zutun geworden? Hätten sie überhaupt überlebt? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben Wissenschaftler 91 Cucurbita Arten genetisch analysiert. Als eigenständige, durchsetzungsfähige Pflanzen kommen die Kürbisse dabei nicht gerade weg. Die Daten zeigen, dass Cucurbita gleich mehrmals von den damaligen Ureinwohnern kultiviert wurden.

Samen, die im Zuge von archäologischen Ausgrabungen entdeckt wurden, deuten sogar auf eine zuvor unbekannte Kultivierung in Mexiko hin. Im Gegensatz zu heute gab es vor 10.000 Jahren auch jede Menge ursprüngliche Cucurbita-Varianten. Was ist mit ihnen geschehen?

Aussterben der großen Säugetiere verhängnisvoll

Zunächst verschwanden die großen Säugetiere, die sich von Cucurbita ernährt hatten, von der Erde. Sie hatten bisher dafür gesorgt, dass die Samen der wilden Kürbisvorfahren verbreitet wurden. Den kleineren Säugetieren schmeckten die bitteren Früchte jedoch nicht so gut. Das lassen die Rezeptoren für Bitterstoffe vermuten, die bei kleineren Säugetieren viel stärker ausgeprägt waren als bei den großen Tieren. Ohne die Verbreitung der Samen verschwanden auch die bitteren Kürbisvorfahren aus dem Landschaftsbild. Viele starben ganz aus, andere nahezu.

Rettung nicht ganz uneigennützig

Die Wissenschaftler sind sich sicher: Ohne den Menschen wäre der Kürbis eine bereits ausgestorbene Pflanzengattung, und zwar für immer. Sein Überleben zu sichern, war also ein wirklich feiner Zug des Menschen - jedoch nicht ohne Eigennutzen. Außer auf dem Teller und als Gruselobjekt an Halloween nutzt der Mensch Kürbisse auch zum Bau von Musikinstrumenten, als Heilmittel bei Verbrennungen, Gelbsucht und als Abführmittel. Auch als wasserdichte Gefäße zum Aufbewahren von Nahrung oder Flüssigkeiten eignen sich Kürbisse hervorragend. Am Ende gibt es keinen eindeutigen Gewinner dieser Rettungsgeschichte, denn beide Seiten scheinen gleichermaßen von der Kultivierung profitiert zu haben.

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