Lebensmittelpreise und die Insekten

07.05.2012 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Viele Nutzpflanzen sind auf Tierbestäubung angewiesen. (Quelle: © Fanghong / Wikipedia.de)
Viele Nutzpflanzen sind auf Tierbestäubung angewiesen. (Quelle: © Fanghong / Wikipedia.de)

Die Erzeugerpreise von Nutzpflanzen, die auf Insektenbestäubung, z.B. durch Bienen, angewiesen sind, stiegen in den letzten Jahren im globalen Mittel an. Damit erhöhte sich einer neuen Studie zufolge der ökonomische Wert der Bestäubungsleistung von 1993 bis 2009 um 75% auf ca. 350 Milliarden US-Dollar. Der Rückgang von Bestäubern wirkt sich nicht nur negativ auf die biologische Vielfalt aus, sondern könnte auch die Lebensmittelpreise nach oben treiben.

Viele unserer Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch Tiere – auch Zoophilie genannt – angewiesen, oder profitieren von der Fremdbestäubung. Bestäuber sind meist Insekten, wie z.B. Wild- und Honigbienen, Hummeln oder Schmetterlinge. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der TU Dresden und der Universität Freiburg untersuchten die Beziehung von Landwirtschaft und Bestäubung, um die Bestäubungsleistung in ökonomischen Werten abbilden zu können.

Der ökonomische Wert der Bestäubung

Die neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der ökonomische Wert der Tierbestäubung von ca. 200 Milliarden US-Dollar im Jahr 1993 auf ca. 350 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 stieg. Dies geht einerseits auf eine kontinuierlich gestiegene Produktionsmenge zurück. Seit 2001 stiegen zudem auch die Erzeugerpreise von bestäubungsabhängigen Nutzpflanzen. Diese stiegen im Mittel deutlich stärker als die Preise nicht durch Tiere bestäubter Pflanzen, wie z.B. Reis und Mais.

Die Ergebnisse basieren auf einer Analyse von länderspezifischen Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Dabei betrachteten sie die Erträge und Erzeugerpreise (in US Dollar) von 60 Nutzpflanzen über den Zeitraum von 16 Jahren (1993 bis 2009). Zu den untersuchten Pflanzen gehörten unter anderem Äpfel, Birnen, Kaffee, Kakao und Sojabohnen.

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Die Forscher untersuchten 60 Nutzpflanzen, darunter auch Sojabohnen.

Die Forscher untersuchten 60 Nutzpflanzen, darunter auch Sojabohnen.

Bildquelle: © iStockphoto.com/li jingwang

Globale Abhängigkeit von Bestäubern

Zudem erstellten die Wissenschaftler eine globale Landkarte der Abhängigkeit landwirtschaftlicher Erträge von der Bestäubungsleistung. Anhand der Karte können die Unterschiede zwischen Ländern, aber auch die auf regionaler Ebene abgelesen werden. So können nun erstmals die Regionen der Erde identifiziert werden, in denen der Wert der Bestäubung besonders hoch ist. Den größten Nutzen von bestäubungsabhängigen Pflanzen haben der Studie zufolge China, Indien, USA, Brasilien, Japan und die Türkei. Außerdem kann festgestellt werden, in welchen Ländern die Landwirtschaft stark von Bestäubern abhängig ist. Zu diesen Ländern zählen z.B. Argentinien, Aserbaidschan, China, die Elfenbeinküste oder Ghana.

Tierbestäubung ist eine bedrohte Ökosystemleistung, die jedoch für Wildpflanzen, aber auch landwirtschaftliche Ökosysteme wichtig ist. Obwohl die Nutzpflanzen mit der höchsten Produktionsmenge weltweit (Reis, Mais und Weizen) nicht auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen sind, sind immerhin ein Drittel der angebauten Nutzpflanzen von der Bestäubungsleistung abhängig. Allgemein profitieren 75% aller Nutzpflanzenarten von tierischer Bestäubung. Dies betrifft die meisten Gemüse, Früchte und Gewürze.

Weniger Bestäuber = höhere Preise?

Die Studie verdeutlicht, welche hohe Bedeutung Bestäubungsleistungen haben und wie wichtig der Schutz von Bestäubern, auch in Hinblick auf unsere Wirtschaft, ist. Der Rückgang von Bestäubern kann sich u.a. auf die Wildpflanzendiversität negativ auswirken. Die Verringerung von Bestäubungsdienstleistungen wird auch direkte und indirekte Effekte auf die Landwirtschaft haben. Die Preise für einige begehrte Produkte, wie beispielsweise Kaffee, könnten dadurch in Zukunft ansteigen. Länder, in denen die Landwirtschaft einen hohen Anteil am Bruttoinlandsprodukt ausmacht, sind stärker von Bestäubung abhängig. Daraus leitet sich ab, dass ein Rückgang an Bestäubern vor allem für die Länder verheerend wäre, deren Landwirtschaft zum großen Teil durch den Anbau bestäubungsabhängiger Nutzpflanzen geprägt ist. 

Durch anthropogene Störungen der natürlichen Lebensräume sind einige Bestäuber in ihren Populationen bereits beträchtlich geschrumpft. Der erhöhte Einsatz von Pestiziden und die veränderten Landnutzungen tragen, den Forschern zufolge, ebenso zu diesem Rückgang bei. Weniger Bestäuber führen zu geringeren Bestäubungsleistungen. Dies dürfte einen Anstieg der Erzeugerpreise nach sich ziehen. Der Preisanstieg ist für die Wissenschaftler eine Art Warnsignal: „Wir werten diesen Preisanstieg als ein erstes Warnsignal, dass es zu Konflikten zwischen der Dienstleistung der Insektenbestäubung und anderen Landnutzungen kommen könnte“, sagt Hauptautor Dr. Sven Lautenbach, Wissenschaftler am UFZ-Department für Landschaftsökologie.

Als Erklärung für die überdurchschnittlich gestiegenen Preise für die insektenbestäubten Nutzpflanzen, scheinen eine erhöhte Nachfrage nach diesen bei gleichzeitig überproportional gestiegenen Produktionskosten als plausibel. Diese liegen im Mittel über denen der nicht durch Insekten bestäubten Nutzpflanzen, wie z.B. Getreide.  

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