Mehr Fläche als uns zusteht

Deutsche müssen Ernährungsweise umstellen

14.10.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Wir sollten weniger Fleisch und tierische Nahrungsmittel, dafür mehr pflanzliche Kost zu uns nehmen. (Bildquelle: © Dani Vincek - Fotolia.com)
Wir sollten weniger Fleisch und tierische Nahrungsmittel, dafür mehr pflanzliche Kost zu uns nehmen. (Bildquelle: © Dani Vincek - Fotolia.com)

Junge Männer und Männer mittleren Alters könnten die Landnutzungsbilanz Deutschlands retten. Bei ihnen liegt das größte Potential, weniger tierische Produkte zu verzehren und so dafür zu sorgen, dass Deutschland nur so viel Land für die Ernährung seiner Einwohner nutzt, wie tatsächlich vorhanden ist.

Die Weltbevölkerung wächst stetig. Ein Ende dieses Trends scheint in diesem Jahrhundert nicht in Sicht zu sein. Eine aktuelle Studie zeigt außerdem: Der Klimawandel könnte die landwirtschaftlich nutzbare Fläche bis zum Jahr 2100 um über 5 Millionen Quadratkilometer vergrößern. Gleichzeitig werden jedoch die Erträge sinken, wie auch die Qualität und Beschaffenheit der Böden. All diese Faktoren werden den globalen Konkurrenzkampf um die Ressource Boden verstärken.

Die Deutschen beanspruchen heute schon mehr Fläche für ihre Nahrungsmittelproduktion, als uns theoretisch zur Verfügung steht. Denn hierzulande führen die Menschen mehr Lebensmittel ein, als sie exportieren. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

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Deutsche Verbraucher beanspruchten 30 Prozent mehr Fläche für ihre Ernährung als in Deutschland zur Verfügung steht. Um die Landnutzungsbilanz wieder auszugleichen, ist eine Ernährungsumstellung notwendig, so die Forscher. Sie sehen bei jungen Männern und Männern mittleren Alters das höchste Einsparpotential, denn sie verzehren am meisten Fleisch und tierische Produkte. 

Deutsche Verbraucher beanspruchten 30 Prozent mehr Fläche für ihre Ernährung als in Deutschland zur Verfügung steht. Um die Landnutzungsbilanz wieder auszugleichen, ist eine Ernährungsumstellung notwendig, so die Forscher. Sie sehen bei jungen Männern und Männern mittleren Alters das höchste Einsparpotential, denn sie verzehren am meisten Fleisch und tierische Produkte. 

Bildquelle: © www.foto-fine-art.de / pixelio.de

Negative Landnutzungsbilanz

Für ihre Studie nutzten die Wissenschaftler offizielle Daten zu Produktion, Handel und Verbrauch von Lebensmitteln, sowie Daten zur Landnutzung. Auf dieser Basis simulierten sie, wie sich sechs verschiedene Ernährungsstile auf die Landnutzungsbilanz in Deutschland auswirken würden. Die Zahlen aus dem Jahr 2006 brachten ein klares Ergebnis: Deutsche Verbraucher beanspruchten 30 Prozent mehr Fläche für ihre Ernährung als in Deutschland zur Verfügung steht. Natürlich werden immer Nahrungsmittel importiert werden, weil die entsprechenden Pflanzen in Deutschland nicht gedeihen. Dazu gehören zum Beispiel Kaffee, Kakao und Tee. Doch um auf eine ausgewogene Landbilanz zu kommen, müsste Deutschland entsprechend dieser Landnutzung auch Lebensmittel exportieren. Doch dazu fehlt landwirtschaftliche Nutzfläche.

Beanspruchte Fläche pro Kopf muss sinken

Bezogen auf das Referenzjahr 2006 beanspruchte die Ernährung in Deutschland insgesamt eine Fläche von 194.600 Quadratkilometern. Davon lagen knapp 30 Prozent (58.200 Quadratkilometer) im Ausland und wurden somit virtuell importiert - vornehmlich für die Versorgung mit Sojaschrot als Tierfutter, Soja- und Palmöl, Obst, Gemüse, Kaffee, Kakao und Tee. Demgegenüber standen aber lediglich Flächen von 21.600 Quadratkilometern, die hauptsächlich in Form von tierischen Produkten und Futtermitteln aus Deutschland exportiert wurden. Der negative Flächensaldo belief sich somit auf 36.600 Quadratkilometer. Das entspricht der Fläche von Baden-Württemberg. Um den negativen Saldo auszugleichen, müsste rechnerisch die jährlich beanspruchte Fläche pro Kopf von derzeit ca. 2.350 Quadratmeter auf unter 1.850 Quadratmeter fallen. Was müsste sich dazu ändern?

Konsumverhalten muss sich ändern

Das Konsumverhalten der Verbraucher ist ein wichtiger Parameter, wenn es darum geht, die Landnutzungsbilanz der Deutschen wieder auszugleichen. Das zeigten die Berechnungen der Wissenschaftler. Dazu könnte die offizielle Ernährungsempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. beispielsweise den Konsum von Genussmitteln aus dem Ausland nur noch eingeschränkt befürworten. Kakao, Kaffee, Tee und auch Wein sollten dann im Alltag reduziert werden.

Der größte Teil der landwirtschaftlich benötigten Fläche wird für die Futtererzeugung für Tiere benötigt. Somit könnten die Menschen den größten Effekt erzielen, wenn sie auf Fleisch oder sogar auf alle tierischen Produkte verzichten würden, schreiben die Forscher. „Eine ovo-lakto-vegetarische oder sogar vegane Ernährungsweise würde die Landnutzungsbilanz in Deutschland sogar ins Positive umkehren“, so Studienleiter Dr. Toni Meier. Das gelte sogar, wenn die Menschen weiterhin Genussmittel aus anderen Ländern konsumieren würden.

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Der größte Teil der landwirtschaftlich benötigten Fläche wird für die Futtererzeugung für Tiere benötigt. Somit könnten die Menschen den größten Effekt erzielen, wenn sie auf Fleisch oder sogar auf alle tierischen Produkte verzichten würden, ermittelte die Studie.

Der größte Teil der landwirtschaftlich benötigten Fläche wird für die Futtererzeugung für Tiere benötigt. Somit könnten die Menschen den größten Effekt erzielen, wenn sie auf Fleisch oder sogar auf alle tierischen Produkte verzichten würden, ermittelte die Studie.

Bildquelle: © Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Ein Umdenken in der Ernährungsweise, also weniger Fleisch, Milchprodukte und Eier, würde auch dem Exportvermögen Deutschlands zugutekommen. Denn für die Viehzucht benötigen Landwirte viel mehr Ackerland als wenn die angebauten Pflanzen zur Fütterung der Tiere direkt in die Nahrungskette des Menschen eingebracht würden. "Allerdings ist eine ausgewogene Mischkost, inklusive des Verzehrs von Fleisch- und Milchprodukten, gesundheitlich am unbedenklichsten und bei uns kulturell am stärksten akzeptiert", merkt Meier an.

Verschärfend kommt hinzu, dass in Deutschland täglich etwa 90 Hektar an landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren gehen. Um diese Zahl vorstellbar zu machen: es sind 120 Fußballfelder täglich. Vor allem durch Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen werden Flächen versiegelt. Ob eine rückläufige Bevölkerungszahl in Deutschland diese Situation entspannen wird, bleibt fraglich. Denn noch werden selbst in Regionen mit einem Bevölkerungsrückgang mehr Flächen neu versiegelt als entsiegelt.

Weniger wegwerfen reicht nicht aus

Deutschland hat auch Nachholbedarf beim verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln. Doch auch wenn die Verschwendung von Lebensmitteln auf ein Minimum reduziert würde, wäre die Landnutzungsbilanz hierzulande immer noch negativ. Der Weg, nur so viel Land zu beanspruchen, wie tatsächlich verfügbar ist, geht den Berechnungen der Forscher zufolge nur über eine Ernährungsumstellung.

Die Wissenschaftler sind zuversichtlich: „Wenn wir uns die Entwicklung der Ernährungsgewohnheiten in den letzten 20 Jahren anschauen, ist eine ausgeglichene Landnutzungsbilanz machbar“, schreiben sie. Doch wer müsste sich dabei am meisten umgewöhnen? „Junge Männer und Männer mittleren Alters verzehren am meisten Fleisch und tierische Produkte. In dieser Bevölkerungsgruppe liegt das höchste Einsparpotential.“ Ob der Vorschlag dort Anklang finden wird?

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