Pflanzenforschung auf der Grünen Woche

Ein etwas anderer Messerundgang

30.01.2018 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Internationale Grüne Woche fand vom 19. bis zum 28. Januar 2018 auf dem Messegelände in Berlin statt. (Bildquelle: © Messe Berlin GmbH)
Die Internationale Grüne Woche fand vom 19. bis zum 28. Januar 2018 auf dem Messegelände in Berlin statt. (Bildquelle: © Messe Berlin GmbH)

Die Internationale Grüne Woche (IGW) in Berlin ist die weltweit bedeutendste Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Vom 19. bis zum 28. Januar 2018 strömten rund 400.000 Fach- und Privatbesucher auf die Messe, die auch als „Leistungsschau der Landwirtschaft“ gilt. Für viele gibt es daher einen klaren Fokus: Gaumenfreuden aus aller Welt kosten, denn über 1.600 Aussteller aus 66 Ländern sind hier vor Ort. Die Redaktion von Pflanzenforschung.de hat sich einmal auf dem Messegelände umgeschaut und neben den kulinarischen Attraktionen auch viel Wissenschaft entdeckt.

Wir beginnen unseren Rundgang am Eingang Nord und stoßen dabei gleich auf unser Highlight der Messe: Versteckt zwischen Essenständen und einem Meer von bunten Tulpen steht auf dem Stand der Niederlande die sogenannte „Gene Machine“. Sie wurde von der Designerin Mies Loogman entwickelt und bietet Informationen über moderne Pflanzenzüchtung - von klassischer Züchtung über das Züchterrecht bis hin zu gentechnischen Modifikationen.

Wie uns versichert wird, geht es hier nicht um „pro“ oder „kontra“ von Methoden, sondern um einen spielerischen Zugang zu dem Thema. Aufgebaut wie ein einarmiger Bandit, ein Glücksspielautomat wie in Spielhallen, kann der Besucher hier fröhlich daddeln. Erscheinen drei gleiche Bilder auf dem Bildschirm, erhält man weitere Informationen in Form von einem Informationsflyer zu dieser Kombination. Die ausgehändigten Informationen wurden in Zusammenarbeit mit der Wageningen University & Research gesammelt und geschrieben.

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So sieht beispielsweise ein Gewinn der "Gene Machine" aus. Hier findet man ein Video dazu: Gene Machine

Bildquelle: Pflanzenforschung.de

Ziel des selbsternannten Projektes „Chance for Information“ ist es, auf eine neue Art und Weise aufzuklären und die Diskrepanz zwischen den Realitäten der heutigen Pflanzenzüchtung und dem Bild, das die Menschen davon haben, zu überwinden.

Weiter geht’s zu nachwachsenden Rohstoffen

In der Halle 4.2 finden sich viele Themenbereiche wieder, die auch auf unser Interesse stoßen, denn sie heißt: „Lust aufs Land, Multitalent Holz, nachwachsende Rohstoffe, Wild Jagd Natur“. Unter dem Themenpunkt nachwachsende Rohstoffe steht 2018 alles im Zeichen der Bioökonomie. Hier begegnet uns am Stand der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. ein Auto mit einer Innenausstattung aus Bioverbundwerkstoffen.

Gleich daneben befindet sich der Messeauftritt der Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation e. V. (GFPi), einem Zusammenschluss forschungsinteressierter, mittelständischer Pflanzenzüchtungsunternehmen. Hier können Besucher auf einem Fahrrad durch das Treten der Pedale Rapssamen pressen und das gewonnene Öl als Andenken mit nach Hause nehmen. Nicht nur das Öl wird vom Raps genutzt, auch der Pressrückstand findet als Futtermittel in der Viehzucht Verwendung, wie die Mitarbeiter vor Ort den strampelnden Besuchern beim Blick auf die langsam länger werdende „Presswurst“ erklären. Der Hintergrund des Standes ist ebenso wichtig: Ohne Grundlagenforschung, Pflanzenzüchtung und neue angepasste Sorten ist eine Bioökonomie nicht umsetzbar.

Auch die Fraunhofer-Gesellschaft zeigt sich auf der Grünen Woche und präsentiert dort u. a. Produkte, die in den Pilotanlagen am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) und dem Chemisch-Biotechnologischen Prozesszentrum (CBP) am Standort Leuna aus Restbiomasse aus der Forst- und Landwirtschaft (Holzabfälle, Stroh) oder aus der Lebensmittelindustrie (Krabbenschalen, Molke) gewonnen werden können, wie beispielsweise Chemikalien oder Energieträger. Hochwertige Extraktstoffe aus biogenen Roh- und Reststoffen zu gewinnen oder der Aufschluss von Lignocellulose, die Trennung sowie stoffliche Nutzung der einzelnen Komponenten zählen hier zu den Forschungsschwerpunkten.

Auf dem Erlebnisbauernhof

Nun laufen wir eine Halle weiter zum sogenannten „Erlebnisbauernhof“, in dem Einblicke in die moderne Landwirtschaft geboten werden. Neben Traktoren und Nutztieren finden wir hier einen Stand von „BonaRes“, einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Förderinitiative. Deren Abkürzung steht für: „Boden als nachhaltige Ressource für die Bioökonomie“.

Hier werden Besucher darüber aufgeklärt, warum die Ressource Boden so wichtig ist und was unsere Böden alles leisten. An Infotafeln werden unterschiedliche Bodentypen vorgestellt, wie der Plaggenesch, die Rendzina oder die Schwarzerde. Ziel von BonaRes ist es, die Expertise deutscher Forscher zu bündeln, um die Wirkung der Landnutzung auf die vielfältigen Funktionen von Böden zu erforschen und um neue Strategien für eine nachhaltige Nutzung und Bewirtschaftung von Böden zu erarbeiten.

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Die Blumenhalle biete abschließend noch etwas fürs Auge und inspiriert dazu, sich seine Umwelt grüner zu gestalten.

Bildquelle: © Messe Berlin GmbH

In dieser Halle finden wir viele weitere Messestände, die ihre Forschungsergebnisse präsentieren und mit Wissen statt Schnittchen punkten, darunter: Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. (BDP), das BfN-Projekt „Lebendige Agrarlandschaften“, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und viele andere.

Hier können vor allem kleine Besucher die Nutzpflanzen hinter ihren alltäglichen Lebensmitteln einmal in live sehen und viel Wissenswertes über Essen und Pflanzen lernen. Zum Beispiel wie wichtig moderne Pflanzenforschung und eine nachhaltige Landwirtschaft ist, um uns auch noch in 50 Jahren ausreichend ernähren zu können. Aber auch welche Beiträge ein vielfältiges Leben auf den Äckern – Stichwort Biodiversität – leistet und unbedingt geschützt werden muss: Es erhält die Bodenfruchtbarkeit, macht Kulturpflanzen widerstandsfähiger gegen Krankheiten und sorgt für hohe Erträge, z. B. durch die Bestäubungsleistung der Insekten.

Blumenmeer als Abschluss eines gelungenen Tages

Am Ende des Rundgangs gibt es noch einmal etwas für die Augen: Die 6.000 Quadratmeter große Blumenhalle zeigt eine prachtvolle Schau von Zierpflanzen und stand passenderweise in diesem Jahr unter dem Motto „Quelle der Vielfalt“. Inmitten von schönen Blumen gibt es auch eine völlig neue Idee: die „Grüne Stadt“. Sie hebt sich durch transparente Gebäudefassaden optisch vom Rest der Blumenhalle ab. Hier wird das Thema Blumen und Pflanzen im urbanen Raum dargestellt. Die Halle ist ein im wahrsten Sinne des Wortes „schöner“ Ausklang und inspiriert dazu, die eigene Umgebung etwas grüner zu gestalten.

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