Ring frei!

Pflanzen wissen sich zu verteidigen

01.07.2015 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Pflanzen-Bodygard: Angelockt von den Hilferufen der Pflanze mittels Duftstoffen wartet die Schlupfwespe auf die Feinde der Pflanze, um sich diese zur Beute zu machen. (Bildquelle: © Bernard DUPONT/ wikimedia.org/ CC BY-SA 2.0)
Pflanzen-Bodygard: Angelockt von den Hilferufen der Pflanze mittels Duftstoffen wartet die Schlupfwespe auf die Feinde der Pflanze, um sich diese zur Beute zu machen. (Bildquelle: © Bernard DUPONT/ wikimedia.org/ CC BY-SA 2.0)

Eindrucksvoll und raffiniert, furchterregend und tödlich. Pflanzen sind weder wehrlos noch zimperlich. Sie greifen auf ein breites Arsenal von Verteidigungswaffen zurück, um sich gegen Angriffe zur Wehr zu setzen, und scheuen dabei nicht einmal eigene Verluste. Das Plantainment „Waffen der Pflanzen“ zeigt, wie Pflanzen es schaffen, sich im Alltag gegen ihre Feinde behaupten können. Einige Verteidigungswaffen der Pflanzen, die im Verlauf der Evolution entstanden sind, stellen wir im Plantainment vor.

Zwei Dinge würden Pflanzen im Leben nicht tun: Anzunehmen, dass Angriff die beste Verteidigung sei, und mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Eigenschaften, die den ein oder anderen Menschen zugeschrieben werden, Pflanzen jedoch in ernsthafte Schwierigkeiten bringen würden. Schließlich sind sie sesshaft. Sie müssen mit ihren Ressourcen sparsam umgehen, weil diese begrenzt sind. Einmal eingesetzt, fehlen diese an anderer Stelle. Im Kampf gegen ihre Feinde stehen Pflanzen also mit dem Rücken zur Wand. Und zwar genau dort, wo sie das Licht der Welt erblickt haben. Von einem Heimvorteil kann also nicht die Rede sein und trotzdem gelang es ihnen, in 400 Millionen Jahren Evolution fast jeden Erdteil zu besiedeln, sich durchzusetzen und zu behaupten.

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Rubus Sumatranus, ein Verwandter der Himbeere, lässt eindrucksvoll die

Rubus Sumatranus, ein Verwandter der Himbeere, lässt eindrucksvoll die "Muskeln spielen". Das Rot der Stacheln und Drüsenhaare verstärkt den Warn- und Einschüchterungseffekt gegenüber nahenden Feinden.

Bildquelle: © Alpsdake/ wikimedia.org / CC BY-SA 3.0

Pflanzen sind effiziente Kämpfer

Dass sich Pflanzen nicht von vornherein im Angriffsmodus befinden und im Verteidigungsfall keine Kanonen auf Spatzen abfeuern hat einen einfachen Grund: Effizienz.

Wenn Pflanzen Gifte produzieren, die Arsen oder Rattengift in nichts nachstehen, Verstärkung zu Hilfe rufen, Dornen und Stacheln bilden oder Bereiche gezielt absterben lassen, wenn sie Brennhaare sprießen lassen oder messerscharfe Kanten bilden, sich tarnen oder einen Befall vortäuschen, um unappetitlich oder unattraktiv für ihre Feinde auszusehen und manchmal auch so schmecken, dann tun sie es mit Kalkül. Schließlich kostet jede Verteidigungsmaßnahme wertvolle Energie. Und die gilt es, sparsam zu dosieren. Denn anders als ihre Feinde, können Pflanzen nicht auf Raubzug gehen, wenn die Nahrung in ihrem Revier knapp wird. Die Strategie lautet daher: Mit dem geringsten Aufwand die größtmögliche Wirkung erzielen. Selbst oder gerade dann, wenn auf Kosten einiger Blättchen, der Sieg auf ganzer Linie winkt.

Meister der Verteidigung

Pflanzen müssen also für den Ernstfall gewappnet sein, um in den Verteidigungsmodus zu schalten, sobald sich Insekten auf ihnen niederlassen und ihre Blätter anknabbern, wenn sich ein Pilz ausbreitet oder sie von ihren Artgenossen gewarnt werden, weil diese gerade selbst von Schädlingen befallen werden. Obwohl man es ihnen nicht ansieht, Pflanzen sind permanent wachsam und bereit zum Handeln. Vorräte für Gift- und Bitterstoffe sind stets griff- und einsatzbereit. Schließlich kündigen sich Überfälle von Feinden nicht an. Zur Grundausstattung hingegen gehören Stacheln und Dornen oder eine dicke Haut, die den Feinden das Leben schwer machen sollen.

Ein permanentes Wettrüsten

Im Laufe der Evolution haben Pflanzen ein breites Repertoire an Verteidigungsmaßnahmen entwickelt. Dieses wird weiterhin laufend optimiert und erweitert. In einem 400 Millionen Jahren andauernden Kampf blieben nämlich auch die Pflanzenfeinde nicht untätig. Sie schmiedeten neue Angriffspläne und Strategien, auf die Pflanzen ihrerseits mit neuen Konzepten oder einer Erhöhung der Schlagkraft antworteten. Koevolution wird diese stetige und von einander abhängige Veränderung, gemeinsame und wechselseitige Entwicklung genannt.

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Die gefräßigen Raupen des Tabakschwärmers sind immun gegen das tödliche Nervengift Nikotin, das die Tabakpflanze produziert. Um sich zur Wehr zu setzen, rufen befallene Tabakpflanzen unscheinbare Weichwanzen zu Hilfe, die die kleinen Raupen zum Fressen gern haben.

Die gefräßigen Raupen des Tabakschwärmers sind immun gegen das tödliche Nervengift Nikotin, das die Tabakpflanze produziert. Um sich zur Wehr zu setzen, rufen befallene Tabakpflanzen unscheinbare Weichwanzen zu Hilfe, die die kleinen Raupen zum Fressen gern haben.

Bildquelle: © Dave Pape/ wikimedia.org / CC0

Vom Feind lernen

Neue Schwachstellen, Einfallstore und Sicherheitslücken wurden von Pflanzenfeinden immer wieder identifiziert und schamlos ausgenutzt. Deshalb sind Pflanzen permanent dabei, die Umgebung zu überwachen, Einfallstore aufzuspüren und mit ausgefeilten Methoden zu schließen.

Einige Pflanzen lernten daraufhin, sich auf das Beuteschema ihrer Feinde einzustellen und sich diesem gezielt zu entziehen, indem sie zum Beispiel den Befall von Schädlingen vorgaukeln. Wirkt nicht auch auf uns ein frisch gedeckter Esstisch viel einladender, als ein bereits geplündertes Buffet? Dagegen zogen es andere Pflanzen wiederum vor, unerkannt zu bleiben und sich den Blicken ihrer Feinde zu entziehen. Sie werden eins mit ihrer Umgebung, verschmelzen regelrecht mit ihr.

Das Plantainment zeigt, dass Pflanzen keineswegs wehrlose Geschöpfe sind, wie häufig angenommen wird. Es unterstreicht, zu welch raffinierten und faszinierenden Verteidigungsstrategien Pflanzen greifen, und lässt die grünen Geschöpfe im ungewohnten Licht erstrahlen.  

Ring frei und eine spannende Lektüre!

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26 Bewertungen

Bewertung

2324 angesehen

Kommentare

1 07.08.2015
Martin Turk
  Superkräfte super gemacht.

Glückwünsch,
Plaintainment wirklich super gemacht, tolle Bilder und moderne Formulierungen.

Macht mal Werbung, damit der Respekt vor Pflanzen wächst.
Schließlich benutzen wir täglich Teile, deren Gestalt wir uns bei Pflanzen abgekuckt haben.

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