Schneller als gedacht

Der Klimawandel wird die Landwirtschaft deutlich früher treffen, als bisher befürchtet – auch bei uns

24.03.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Große Ernteverluste durch extreme Wetterereignisse gibt es vielleicht bald auch bei uns. (Bildquelle:© iStock.com/ befehr)
Große Ernteverluste durch extreme Wetterereignisse gibt es vielleicht bald auch bei uns. (Bildquelle:© iStock.com/ befehr)

Forscher berechnen, dass Ernteeinbußen durch den Klimawandel schon ab den 2030er Jahren zu erwarten sind. Auch die heimische Landwirtschaft, bisher als Profiteur des Klimawandels vermutet, wird betroffen sein.

Kommt er oder kommt er nicht – der Klimawandel – ist heute kein Streitpunkt mehr. Darin sind sich die Wissenschaftler heute einig. Gestritten wird über den menschlichen Einfluss und der Größe der zu erwartenden Veränderungen. Die industrielle Revolution, massive Landnutzungsänderungen durch die Landwirtschaft und massenhafte Tierhaltung weltweit werden neben den natürlichen Faktoren für den massenhaften Anstieg der Treibhausgasemissionen verantwortlich gemacht. An diesen Diskussionen scheiden sich nach wie vor die Geister. Vor allem aber wird er als ein Phänomen wahrgenommen, das in der Regel andere betrifft, nur nicht einen selbst. Auch die Möglichkeit einer Nahrungsmittelknappheit durch den Klimawandel war bisher nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Um so beunruhigender sind die Ergebnisse, die Wissenschaftler jetzt in einer Meta-Analyse gewonnen haben: Hohe Ernteausfälle werden ab den 2030er Jahren auch bei uns wesentlich wahrscheinlicher.

Daten über Daten

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Um die Erträge für die Zukunft zu sichern, müssen klimabedingte Anpassungen in der Landwirtschaft vorangetrieben werden.

Um die Erträge für die Zukunft zu sichern, müssen klimabedingte Anpassungen in der Landwirtschaft vorangetrieben werden.

Bildquelle: © iStock.com / SteeveMcSweeny

Immer mehr Wissenschaftler, beschäftigen sich intensiv mit den möglichen Auswirkungen und den Maßnahmen, die nötig sind, um das Schlimmste abzuwenden. Besonders wichtig ist dabei die Sicherstellung der Nahrungsmittelproduktion für eine stetig wachsende Weltbevölkerung. In der aktuellen Studie werteten die Forscher jetzt die Daten von 1.700 wissenschaftlichen Berechnungen aus, die den Einfluss des Klimawandels auf die Ernten von Reis, Mais und Weizen abschätzen. Den Forschern standen dabei mehr als doppelt so viele Datensätze zur Verfügung, als für den vierten Bewertungsbericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) von 2007. Die Fülle an Daten ermöglichte es, die Ernteentwicklung in den nächsten Jahrzehnten viel genauer unter die Lupe zu nehmen, als es bisher möglich war. Ihre Ergebnisse flossen direkt in den fünften IPCC-Report ein, der Ende März 2014 vorgestellt wird.

Große Schwankungen bei den Ernten

Als wichtigstes Ergebnis stellten die Forscher fest, dass in der Gemäßigten Zone, in der auch Mitteleuropa liegt, die Ernteerträge in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts ohne geeignete Maßnahmen um über 25 Prozent schrumpfen werden. Dabei gingen die Forscher von einer durchschnittlichen Erwärmung von 2 Grad Celsius aus, die auch vom Kyoto-Protokoll als obere Grenze der Erwärmung angestrebt wird. Im vorherigen IPCC-Report war man noch zu dem Schluss gelangt, dass die Gemäßigte Zone mit Europa und großen Teilen Nordamerikas mehrere Grad Erwärmung ohne größere Probleme aushalten könnte und die Landwirtschaft unter Umständen sogar von den wärmeren Temperaturen profitieren würde.

Ein weiteres Problem ist die im Zuge des Klimawandels erwartete Zunahme von extremen Ereignissen. Das heißt, es wird vermehrt zu Wetterextremen wie sehr trockenen und sehr nassen Jahren kommen, die beide die Ernteergebnisse verschlechtern können. Dazwischen wird es natürlich auch bessere Jahre geben, so dass die Forscher allgemein auch von großen Schwankungen bei den Erntemengen ausgehen. So könnte ein Land in einem Jahr als Gewinner, im nächsten aber schon als Verlierer dastehen. Allerdings, so betonen sie, geht der Trend immer weiter ins Negative, je weiter das Jahrhundert fortschreitet. Durch erhöhte Durchschnittstemperaturen werden aber auch andere Schädlinge und Krankheiten, welche die Pflanzen befallen eine Rolle spielen. Erreger die bisher vor allem in tropischen oder subtropischen Klimaten beheimatet sind, können sich ausbreiten und überwintern. Neue Strategien im Pflanzenschutz müssen entwickelt werden, denn diese verändern unsere bisher als vergleichsweise privilegiert geltende Anbausituation.

Klimagerechte Anpassungen können den Effekt lindern

In ihren Berechnungen haben die Wissenschaftler bereits kleine Anpassungen der Landwirtschaft wie veränderte Aussaatzeitpunkte und verbesserte Bewässerungssysteme berücksichtigt. Um den großen Herausforderungen gerecht zu werden, müssen deutlich  größere Anpassungen umgesetzt werden, fordern sie, wie zum Beispiel das Pflanzen von  geeigneten Sorten, der Wechsel in zukünftig klimatisch günstigere Anbauregionen oder der Umbau von bewässerten Systemen hin zum Trockenfeldbau. Mit entsprechenden Maßnahmen könnten vor allem bei Weizen und Reis der Trend zu geringeren Ernten um bis zu 15 Prozent gebremst werden. Besonders vor dem Hintergrund, dass das „Zwei-Grad-Ziel“ womöglich nicht mehr erreicht werden kann, muss daher weiter intensiv geforscht werden, um die Landwirtschaft möglichst effektiv zu unterstützen.

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