Schwebende Fledermaushotels

Fleischfressende Pflanze bietet Schlafplatz gegen Kot

29.07.2015 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Kannenpflanzenart Nepenthes hemsleyana geht eine ungewöhnliche Symbiose mit der Hardwicke-Wollfledermaus ein. (Bildquelle: © BAZILE Vincent/wikimedia.org; CC BY-SA 3.0)
Die Kannenpflanzenart Nepenthes hemsleyana geht eine ungewöhnliche Symbiose mit der Hardwicke-Wollfledermaus ein. (Bildquelle: © BAZILE Vincent/wikimedia.org; CC BY-SA 3.0)

Kannenpflanzen der Art Nepenthes hemsleyana locken Fledermäuse an, indem sie die Ultraschallrufe der Tiere reflektieren und ihnen so, wie auf einer Landebahn den Weg weisen. Hat die Fledermaus erst einmal eine der Kannen gefunden, schlüpft sie hinein und hält ein kleines Schläfchen. Die fleischfressende Pflanze profitiert von der Gastfreundlichkeit: Während des Aufenthalts verrichtet das Tier seine Notdurft. Eine skurril anmutende Miete, aber der Kot ist für die Pflanzen ein extra Nährstoff-Kick.

Fleischfressende Pflanzen fangen mit ausgefeilten Tricks Insekten und andere kleine Tiere, um ihre Nährstoffversorgung sicherzustellen. Dadurch sind sie in der Lage auf extrem nährstoffarmen Böden zu wachsen. Auf der südostasiatischen Insel Borneo entdeckten Wissenschaftler eine zusätzliche Symbiose zwischen der Hardwicke-Wollfledermaus (Kerivoula hardwickii) und der Kannenpflanze Nepenthes hemsleyana. In diesem Wechselspiel ist nicht das Tier der extra Dünger, sondern dessen Kot.

Ein Geben und Nehmen

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Fledermaus beim Anflug an eine Kannenpflanze. Die auf Borneo vorkommende Kannenpflanzenart Nepenthes hemsleyana lockt Fledermäuse mit einem Echoreflektor an.

Bildquelle: © Ch'ien C. Lee / Rainforest Pictures of Tropical Asia

Die Fledermaus lässt ihr Geschäft quasi als Miete da, wenn sie sich tagsüber in den Kannen der Pflanze einquartiert, um sich von der Nacht zu erholen. Ihr Vorteil: Sie hat einen sicheren Schlafplatz, der groß genug ist für ein oder zwei Gäste, zudem frei ist von Parasiten und ein stabiles Mikroklima besitzt. Auch die Pflanze profitiert, indem sich ihre Stickstoffaufnahme durch den Fledermauskot um durchschnittlich 34 Prozent verbessert. Eine „Win-win-Situation“ (mutualistische Symbiose) für beide.

Diese Beziehung wurde in früheren Untersuchungen bereits aufgeklärt (vgl. Grafe, et al. 2011). „Völlig unklar blieb aber, wie es die Tiere schaffen, die seltenen und unscheinbaren Kannen in der extrem dichten Vegetation der Sumpfwälder Borneos zu finden“, erklärt Michael Schöner von der Universität Greifswald, der an beiden Studien beteiligt war. Ein Wissenschaftlerteam der Universitäten Greifswald, Brunei Darussalam und Erlangen-Nürnberg ging dieser Frage nach.

Wie die Fledermaus die Nadel im Heuhaufen findet

Oft locken Pflanzen ihr Gegenüber im Tierreich durch schillernde Farben oder Duftstoffe an. Doch Fledermäuse können keine Farben erkennen und orientieren sich überwiegend akustisch über Echoortung. Es gibt Pflanzen, die in der Lage sind, die Ultraschallrufe der Fledermäuse zu reflektieren, damit die Tiere sie besser finden. Allerdings kannte man dieses Phänomen bisher lediglich im Kontext der Bestäubung. Die Forscher vermuteten, dass die Suche nach einem geeigneten Quartier ebenfalls über akustische Reize erfolgt.

Um das zu überprüfen, testen die Wissenschaftler mit einem künstlichen biomimetischen Fledermauskopf - der Ultraschall aussenden und erfassen kann - wie das akustische Reflexionsvermögen der Kannen aus verschiedenen Positionen und Winkeln heraus ist. Die Forscher entdeckten, dass die Kannen der fleischfressenden Pflanze Nepenthes hemsleyana tatsächlich eine Struktur in der Rückwand aufweisen, die den Schall stark reflektiert. „Ähnliche Strukturen haben wir bereits an fledermausbestäubten Pflanzen in Mittelamerika gefunden, dass sich solche Reflektoren zur Anlockung von Fledermäusen, unabhängig voneinander auch in Asien entwickelt haben, erstaunte uns sehr“, betont Ralph Simon, beteiligter Forscher von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Ohne Werbung geht nichts

In mehreren Verhaltensexperimenten testen die Wissenschaftler anschließend, ob diese Strukturen bei der Ortung der Kannen für die Fledermäuse entscheidend sind. Dabei zeigte sich, dass die Fledermäuse Kannen, die nicht über solche schallreflektierenden Strukturen verfügten, einfach links liegen ließen. Die Echoreflektoren waren den Untersuchungen zufolge die entscheidende Hilfestellung bei der Quartiersuche. Sie machen die fliegenden Gästen auf die Schlafplätze aufmerksam und weisen ihnen den Weg zum Eingang der Kannen. Da nicht jede Kannenpflanze ein geeignetes Fledermaushotel ist, hat sich dieses System zur zielsicheren Auswahl geeigneter Kannen herausgebildet.

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