Untreue Bienen und tödliche Gefahren

Bienensterben hat viele Ursachen und weitreichende Folgen

01.08.2013 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Honigbiene bei der Arbeit. Bei dem Wort
Honigbiene bei der Arbeit. Bei dem Wort "Biene" denken wir für gewöhnlich gleich an die Honigbiene, aber es gibt schätzungsweise 20.000 Bienenarten! (Quelle: © brischnitte / pixelio.de)

Fleißige Bienchen fliegen von Blüte zu Blüte, sammeln Nektar und bestäuben dabei Pflanzen. Ein stetiger Rückgang der Bienenpopulationen hat vielfältige Gründe und der Verlust an Arten beeinträchtigt das ganze Ökosystem. Dies belegen zwei neue Studien. Nicht nur Insektizide bedrohen die Bienen, auch Fungizide sind weitaus gefährlicher als bisher angenommen. Sie schwächen z.B. Honigbienen und machen sie dadurch anfälliger für Parasiten, die Krankheiten übertragen. Sind die Bienen erst einmal weg, dann fangen die Probleme erst richtig an: Eine Studie fand nun heraus, dass der Verlust einer einzigen Bienenart, einer Hummel, die Bestäuberleistung der restlichen Bestäuber negativ beeinflusst: Sie werden ihren Lieblingspflanzen untreu, wodurch die Pflanzen letztlich weniger Samen ausbilden.

Auf Bienen lauern viele Gefahren. Deshalb sinken ihre Populationen weltweit. Der Verlust von Bienen und ganzen Bienenarten hat vielfältige Ursachen: Sie können natürlichen Feinden und Parasiten zum Opfer fallen oder schaffen es nicht, sich an klimatische Veränderungen ihrer Umgebung anzupassen. Ein weiter Faktor ist die Landwirtschaft. Durch eine landwirtschaftliche Nutzung von Flächen greifen wir Menschen massiv in ein bestehendes Ökosystem ein. Agronomische Maßnahmen, wie das Ausbringen von Pestiziden, können sich auf die Bienengesundheit auswirken. 

Artverlust reduziert die Bestäuberleistung

Doch, welche Veränderungen treten bei einem Verlust von Bienenarten in einem Ökosystem ein? Haben diese Verluste auch Auswirkungen auf das Sammelverhalten der übrigen Bienen? Bisher ging man davon aus, dass andere Arten den Verlust bestimmter Bestäuber puffern können, solange noch ausreichend andere Bestäuber im Ökosystem vorhanden sind. Allerdings war das eine Theorie, die durch Computermodelle und nicht durch empirische Daten gestützt wurde. Es war, so eine aktuelle Feldstudie, eine zu optimistische Annahme (Brosi & Briggs, 2013). Diese kommt zu dem Ergebnis, dass bereits der Verlust einer einzigen Hummelart, weitreichende Folgen für das gesamte Ökosystem haben kann.

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Der Verlust einer einzigen Hummelart, hatte im Experiment nicht nur einen negativen Einfluss auf die restlichen Bestäuber, sondern auch für die Pflanzen im Ökosystem.

Der Verlust einer einzigen Hummelart, hatte im Experiment nicht nur einen negativen Einfluss auf die restlichen Bestäuber, sondern auch für die Pflanzen im Ökosystem.

Bildquelle: © Dieter Hopf / pixelio.de

Hummeln werden untreu

Bienen sind eine gewisse Zeit einer Pflanzenart treu. Sie warten bis diese blüht und ernähren sich dann exklusiv von ihr, wodurch sie fleißig Pollen sammeln und die Pflanzen in der Nachbarschaft bestäuben. Nach einer gewissen Zeit wandern sie zur nächsten Pflanzenart, um auch hier vorrübergehen „monogam“ zu sein. Dieses dynamische Verhalten wird allerdings durch die anderen Bienenarten in ihrem Ökosystem beeinflusst, dies belegten die Wissenschaftler in einem Experiment.

Dazu betrachteten die Forscher ein Ökosystem, in dem sie gezielt eine Bienenart entfernten und verglichen es mit einem intakten Kontroll-Ökosystem. In ihren Experimenten untersuchten sie den Wegfall einer Hummelart. Denn auch Hummeln sind Bienen. Sie gehören wie auch die allseits bekannten Honigbienen zur großen Gruppe der Bienen. Die Versuche fanden auf Wiesen statt, auf denen vor allem eine Wildblume, die Rittersporn-Art Delphinium barbeyi, wuchs, die von zehn der elf betrachteten Hummelarten als Nahrungsquelle genutzt wurde.

Fehlte eine Art, dann begannen die restlichen Hummelarten häufiger ihren temporär bevorzugten Pflanzen im übertragenen Sinne fremd zu gehen und flogen wild von einer Pflanzenart zur nächsten. Da nur Pollen der gleichen Art für eine Bestäubung taugt, hat die experimentell provozierte Untreue massive Auswirkungen. Der artfremde Pollen lässt die Pflanzen kalt. Diese ineffiziente Bestäubung hat negative Folgen für die Verbreitung der Pflanzen. Im Experiment bildete die betrachtete Rittersporn-Art Delphinium barbeyi daraufhin ein gutes Drittel weniger Samen aus, als im Kontroll-Ökosystem.  

Der Verlust einer Bestäuber-Art wirkte sich bei den Feldversuchen der Forscher also sowohl auf die restlichen Bestäuber als auch auf die umgebende Flora negativ aus. „Das ist alarmierend und legt nahe, dass der weltweite Rückgang der Bestäuber einen größeren Einfluss auf Blütenpflanzen und Nahrungspflanzen haben könnte, als wir bisher realisiert haben“, sagt einer der beiden Autoren Berry Brosi von der Emory University.

Pestizide und Parasiten können für Bienen tödlich enden

Bei der Frage, was zum Tod von Bienen führt, werden oft auch in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide diskutiert. Dass Pflanzenschutzmittel die Bienengesundheit gefährden können, hat nun eine neue Studie (Pettis et al., 2013) am Beispiel der Honigbiene untermauert. In einem Experiment wurde ein Zusammenhang deutlich zwischen einer Belastung von Pestiziden und der Anfälligkeit an der hochansteckenden und gefährlichen Bienenkrankheit Nosema zu erkranken.

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Das Bild zeigt die Forscher beim Sammeln des Pollen, den sie danach auf Pestizide untersuchten. Die Bienenstöcke der Honigbienen befinden sich auf landwirtschaftlich genutzten Flächen und wurden von den Landwirten absichtlich dort aufgestellt, um ihre Nutzpflanzen zu bestäuben. Daher fand die Studie unter realitätsnahen Bedingungen statt.

Das Bild zeigt die Forscher beim Sammeln des Pollen, den sie danach auf Pestizide untersuchten. Die Bienenstöcke der Honigbienen befinden sich auf landwirtschaftlich genutzten Flächen und wurden von den Landwirten absichtlich dort aufgestellt, um ihre Nutzpflanzen zu bestäuben. Daher fand die Studie unter realitätsnahen Bedingungen statt.

Bildquelle: © Michael Andree

Dabei wurden zunächst Pollenproben von Honigbienenvölkern analysiert, die gezielt zu Bestäubungszwecken auf den Feldern von wichtigen Nutzpflanzen aufgestellt wurden. Der Pollen aus den Bienenstöcken enthielt durchschnittlich neun unterschiedliche chemische Substanzen. Insgesamt fanden die Wissenschaftler in den Proben 35 verschiedene Pestizide, darunter signifikant hohe Wert an Fungiziden, die in jeder Probe enthalten waren.

Pestizide schwächen Bienen

In einem zweiten Schritt, gaben sie gesunden Honigbienen den mit Pestiziden belasteten Pollen zu essen, den sie zuvor in den Freilandversuchen gesammelt hatten. Danach brachten sie diese Bienen mit dem Darmparasit Nosema ceranae in Berührung, der die Krankheit Nosema verursacht. Pestizide bzw. Pestizid-Cocktails erhöhten die Anfälligkeit: Die Bienen waren nach dem Kontakt mit dem Erreger deutlich häufiger erkrankt, als die Kontrollgruppe, d.h. Bienen, die nicht mit Pestiziden in Berührung kamen. Besonders deutlich war dies bei Fungiziden. Bei dem Pilz-Mittel Chlorthalonil war die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung doppelt so hoch; bei dem Mittel Pyraclostrobin sogar fast dreimal so hoch.

Auch Akarizide – Anti-Milben-Mittel, die von Imkern zur Bekämpfung der schädlichen Varroamilbe in den Bienenstöcken eingesetzt werden – wirkten sich auf die Bienengesundheit negativ aus. Vergleichbar mit den Fungiziden, hatte z.B. das Milben-Mittel Fluvalinat doppelt so häufig eine Erkrankung bei den Honigbienen zur Folge. Die Forscher wiesen daher darauf hin, dass die Imker zwar die Bienen schützen wollen, sie jedoch dadurch neuen Gefahren aussetzen. Die Imker nehmen das Risiko in Kauf, das Immunsystem der Bienen zu schwächen, um sie vor der gefürchteten Varroamilbe zu schützen. Die Studie zeigt nun, dass dabei auch andere Feinde profitieren können.

Unterschätzte Gefahr

Die Studie wurde unter realitätsnahen Bedingungen durchgeführt, da die Proben direkt von Bienen auf landwirtschaftlich genutzten Feldern gesammelt wurden. Sie macht deutlich, dass vor allem die ökologische Gefährdung durch Fungizide größer ist als bisher angenommen. Da Fungizide Pilze und deren Sporen bekämpfen sollen, waren bisher eher Insektizide im Fokus der Forschung zur Bienengesundheit. Dies sollte nun überdacht werden, appellieren die Wissenschaftler. Zudem weisen sie darauf hin, dass landwirtschaftliche Praktiken zur Ausbringung von Fungiziden überprüft werden sollten, denn es bestehen keine Regularien über den Einsatz von Fungiziden in der Zeit, in der die Pflanzen Blüten ausbilden und Bienen verstärkt auf Nahrungssuche gehen.

Tödlicher Cocktail

Die vielen unterschiedlichen Pestizide, denen Bienen in einer landwirtschaftlichen Umgebung ausgesetzt sind, können jedoch auch in ihrer Mischung Auswirkungen auf die Bestäuber haben. Das wurde ebenfalls in dieser Studie deutlich. Daher bedarf es weiterer Forschung, um diese additiven oder synergetischen Effekte besser zu verstehen. Zum Schutz der nützlichen Bestäuber sollten zudem nicht nur die direkt tödlichen Wirkungen von Pestiziden, sondern auch schwere Beeinträchtigungen wie die Schwächung des Immunsystems bedacht werden. Denn auch dies kann indirekt letztlich zum Tod der Bestäuber führen.

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