Vegetationskunde 2.0

VegetWeb 2.0 möchte als neues Portal für Vegetationsaufnahmen Zugang und Nutzung erleichtern

10.03.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Vegetationsaufnahmen liefern standortbezogene Informationen über Pflanzengesellschaften und deren Zusammensetzung. (Bildquelle: © Jürgen Acker / pixelio.de)
Vegetationsaufnahmen liefern standortbezogene Informationen über Pflanzengesellschaften und deren Zusammensetzung. (Bildquelle: © Jürgen Acker / pixelio.de)

Vegetationsaufnahmen stellen, anders als der Name vermuten lässt, weder Landschaftsbilder noch Naturfotografien dar. Vegetationsaufnahmen sind Tabellen oder Listen, die Pflanzengesellschaften an einem bestimmten Standort und zu einem bestimmten Zeitpunkt erfassen.

Es existiert ein großer Bestand an Vegetationsaufnahmen.

Das Ziel von VegetWeb 2.0 besteht darin, ein zentrales Online-Portal zu entwickeln, das den Zugriff auf Vegetationsaufnahmen ermöglicht. Dabei handelt es sich um einen großen Bestand mit tausenden von Aufnahmen und Beschreibungen, die in den vergangenen Jahrzehnten angefertigt worden sind und auf viele regionale Archive verteilt sind. Einige von ihnen müssen erst noch digitalisiert werden, da sie nach wie vor nur auf dem Papier existieren. Die Umsetzung des Projekts findet unter der Federführung des Instituts für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald statt.

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Um zum Beispiel Moose und Flechten korrekt erkennen und benennen zu können, benötigt der Beobachter ein geschultes Auge. Vegetationsaufnahmen müssen daher von Wissenschaftlern angefertigt werden.

Um zum Beispiel Moose und Flechten korrekt erkennen und benennen zu können, benötigt der Beobachter ein geschultes Auge. Vegetationsaufnahmen müssen daher von Wissenschaftlern angefertigt werden.

Bildquelle: © magicpen / pixelio.de

Pflanzengesellschaften im Fokus

Vegetationsaufnahmen liefern standortbezogene Informationen über Pflanzengesellschaften und deren Zusammensetzung. Sie bilden die empirische Grundlage der Pflanzensoziologie. Zur Bestimmung der „Artmächtigkeit“ der Pflanzenarten werden zum Beispiel Deckungsgrad und Soziabilität erfasst, also der Flächenanteil, den eine Pflanzenart innerhalb der Fläche (zwischen

Das Erstellen von Vegetationsaufnahmen erfordert Fachwissen

Vorgehen und Methodik, nach der hierzulande Vegetationsaufnahmen angefertigt werden, gehen auf den Schweizer Botaniker Josias Braun-Blanquet zurück und schreiben neben der Dokumentation der Pflanzenarten auch die Erfassung geologischer Informationen vor. Für die Erstellung von brauchbaren Vegetationsaufnahmen ist daher Fachwissen wichtig, denn um Pflanzenarten erkennen und unterscheiden zu können, benötigt der Beobachter ein geschultes Auge. Je nach Art der Fläche kann die Anfertigung einer Vegetationsaufnahme bis zu einem Tag dauern, wenn es sich bei dem zu untersuchenden Areal um einen natürlichen Waldboden handelt, auf dem viele Pflanzenarten heimisch sind.

Pflanzenwissen ist wertvoll

Kenntnisse über Pflanzengesellschaften sind nicht nur unter Naturwissenschaftlern gefragt. Planungsbüros, die zum Beispiel mit Bauprojekten in ländlichen Gebieten beauftrag sind, können dank Vegetationsaufnahmen ökologische und naturschutzrelevante Aspekte stärker berücksichtigen. Satellitengestützte Kartendienste profitieren ebenfalls von der Arbeit der Beobachter, indem sie ihre Karten mit Vegetationsinformationen ergänzen. Trotz des technischen Fortschritts, entziehen sich kleine Pflanzen, wie Moose oder Flechten, der Erfassung durch hochauflösende Objektive.

Vegetationskunde im 21. Jahrhundert

Vegetationsaufnahmen werden seit ungefähr 100 Jahren angefertigt. Im selben Zeitraum hat sich die Naturwissenschaft stark verändert. Das Wissensspektrum hat sich stark vergrößert, neue Zweige und Wissenschaftsbereiche, wie zum Beispiel die Molekular- und Mikrobiologie sind entstanden. Nichtsdestotrotz sind Vegetationsaufnahmen nach wie vor wichtig für die Naturwissenschaft. Indem VegetWeb 2.0 den Zugang und die Nutzung von Vegetationsaufnahmen erleichtert und optimiert, wird die Tradition in das 21. Jahrhundert gehoben und fördert den interdisziplinären Austausch – auch über die Wissenschaft hinaus. Gleichzeitig bleibt sich die Tradition im Hinblick auf das Selbstverständnis und die Methodik treu, die das Anfertigen von Vegetationsaufnahmen als eine wissenschaftliche Aufgabe betrachtet, die auch im 21. Jahrhundert Fachwissen, Sorgfalt und Einsatzbereitschaft erfordert.

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