Verbesserter Rapsschrot soll der Sojapflanze Konkurrenz machen

08.03.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Forscher des GABI-Projekt „YelLowSin“ fanden heraus, dass auch braun- und sogar schwarzsamiger Raps ebenfalls dünne Schalen besitzen kann. (Quelle: © Verena N. / pixelio.de)
Forscher des GABI-Projekt „YelLowSin“ fanden heraus, dass auch braun- und sogar schwarzsamiger Raps ebenfalls dünne Schalen besitzen kann. (Quelle: © Verena N. / pixelio.de)

Dr. Rod Snowdon vom Lehrstuhl für Pflanzenzüchtung an der Justus-Liebig-Universität in Gießen ist wissenschaftlicher Koordinator des GABI-Projektes YelLowSin. Er erklärte Pflanzenforschung.de, warum das YelLowSin-Projekt so erfolgreich war:

Das GABI-Projekt „YelLowSin“  erforscht einen dünnschaligen, gelbsamigen Raps, um die Qualität des Rapsschrotes zu verbessern. Eine Vorstellung des Projektes finden Sie hier

#####1#####
Dr. Rod Snowdon

Dr. Rod Snowdon

Bildquelle: © Dr. Snowdon

Pflanzenforschung.de: Der Großteil des YelLowSin-Projekts lief nach fast vierjähriger Forschungsarbeit im letzten Jahr aus. Waren Sie erfolgreich? Was haben Sie herausgefunden?

Dr. Snowdon: Wir waren in der Tat sehr erfolgreich. Unser Ziel war es, die Qualität des Rapsschrotes für die tierische und menschliche Ernährung zu verbessern. Auf dem Weltmarkt konkurriert Rapsschrot mit Soja, einer wichtigen Eiweißquelle in der Ernährung von Mensch und Tier. Der Rapsschrot enthält aber noch zu viele unverdaubare Faserkomponenten und phenolische Substanzen, die in der Tierfütterung nicht erwünscht sind. Sie liefern nämlich kaum Energie und schmecken oft auch nicht gut. Wir wollten also den Anteil an energieneutralen bzw. anti-nutritiven Substanzen im Rapsschrot reduzieren, indem wir deren Schalenanteil reduzieren.

Pflanzenforschung.de: Ist Ihnen das gelungen?

Dr. Snowdon: Wir haben sogar eine Überraschung erlebt! Zu Beginn des Projektes war die Dünnschaligkeit von Rapssamen nur von gelbsamigem Raps bekannt, der in der Regel den schwarzsamigen Sorten im Ertrag unterlegen ist. Während unserer Untersuchungen fanden wir aber heraus, dass auch braun- und sogar schwarzsamiger Raps ebenfalls dünne Schalen besitzen kann. Dunkelsamige Typen mit dünnen Schalen konnten wir aber bisher nicht selektieren, da das nur über die Samenfarbe möglich war.

Pflanzenforschung.de: Wie können diese Samen denn heute selektiert werden?

Dr. Snowdon: Wir haben eine neue Selektionsmethode für den Faseranteil im Samen etabliert. Sie basiert auf Infrarotstrahlung (NIRS = Nahinfrarotspektroskopie) und war bisher für die Samenfaser nicht anwendbar. Die Züchter können nun diese Technik nutzen, um ihre Pflanzen auf niedrigfaserige Samen zu selektieren.

Um die Züchtung noch weiter zu verbessern, haben wir zusätzlich mit Hilfe der RNAi-Technik sowie der genetischen Kartierung interessante Kandidatengene identifiziert, bei deren Ausschalten bestimmte phenolische Substanzen im Samen verringert werden. Die Züchter nutzen diese Erkenntnisse und greifen mit unserer Hilfe auf die Tilling-Methode zurück, um passende Knock-Out Mutanten für die Züchtung auszuwählen. Die Sequenzen von wichtigen Genen können uns auch helfen, mit Hilfe von "Smart Breeding" den Selektionsprozess noch effektiver und schneller zu gestalten.

Pflanzenforschung.de: Bleibt die Rapszüchtung in Deutschland denn konventionell oder planen Sie die Pflanzen auch gentechnisch zu verändern?

Dr. Snowdon: In Deutschland wird die Rapszüchtung zumindest in absehbarer Zeit auf jeden Fall konventionell weiter betrieben werden. Mit unseren Erkenntnissen können wir aber die Selektion geeigneter Zuchtpflanzen vereinfachen und beschleunigen. Bei unseren kanadischen Partnern hingegen gibt es fast ausschließlich gentechnisch veränderte Raps-Pflanzen. Das liegt hauptsächlich an den Anbaubedingungen in Kanada. Da der dort angebaute Sommerraps sich gegen zahlreiche Unkräuter durchsetzen muss, verwenden die kanadischen Bauern fast ausschließlich herbizidtolerante Sorten. Dieses Problem haben wir beim deutschen Winterraps nicht. 

Pflanzenforschung.de: Werden Ihre Forschungsergebnisse in Deutschland bereits angewandt?

Dr. Snowdon: Ja, unsere industriellen Partner haben uns während unserer Arbeit immer begeistert unterstützt und wenden unsere Ergebnisse jetzt schon in ihren Züchtungen an. So problemlos funktioniert der Schritt von universitärer Forschung zu industrieller Anwendung ja nicht immer. 

Pflanzenforschung.de: Vielen Dank für das Gespräch!

43 Bewertungen

Bewertung

857 angesehen ()

Kommentare

Kommentiere diesen Beitrag

Bitte geben Sie die Zeichen im Bild unten ein. (Dies dient ausschließlich dem Schutz vor Spam.)


Captcha Code

Click the image to see another captcha.