Asynchronität ist Trumpf

Zeitliche Anbauvielfalt stabilisiert die Erträge

13.01.2021 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Eine von vielen landwirtschaftlichen Kulturen geprägte Landschaft in Australien. (Bildquelle: © water.alternatives)

Eine von vielen landwirtschaftlichen Kulturen geprägte Landschaft in Australien. (Bildquelle: © water.alternatives)

Werden möglichst viele Feldfruchtarten zeitlich versetzt angebaut, erhöht das die Ernährungssicherheit eines Landes.

Klimawandel und wachsende Weltbevölkerung stellen große Anforderungen an die Landwirtschaft. Das Zauberwort für mehr Nachhaltigkeit lautet Diversität, also weniger Monokulturen und hin zu einem Mischanbau mit größerer Sortenvielfalt. Aber es gibt noch einen zweiten Faktor, der oftmals übersehen wird: eine stärkere Diversifizierung der Anbauzeitpunkte. Diesem Thema haben sich jetzt Forscher von verschiedenen Instituten aus Deutschland unter der Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig angenähert.

Zeitliche Anbauvielfalt und Diversität der Feldfrüchte

Seit langen ist bekannt, dass die Vielfalt der in einem Gebiet angebauten Feldfrüchte die Erträge erhöht und auch längerfristig sicherstellt. Die einzelnen Feldfrüchte haben verschiedene Ansprüche an Boden und Klima, sind unterschiedlich widerstandsfähig gegen Dürren und Starkregen und werden von unterschiedlichen Schädlingen befallen.

Werden nur wenige Sorten angebaut, steigt die Gefahr eines Totalausfalls der Ernte. Aber nicht nur die Kulturartenvielfalt fördert die Erträge, sondern auch eine Variation der Anbauzeiten, die sogenannte zeitliche Abbauvielfalt (Asynchronität). Werden Feldfrüchte zu unterschiedlichen Zeiten gesät und geerntet oder Pflanzen mit unterschiedlichen Reifezeiten angebaut, verringert sich dadurch die Wahrscheinlichkeit massiver Ernteverluste, fanden die Forscher heraus.

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Abwechslung: Viele verschiedene Feldfrüchte, die zu unterschiedlichen Zeiten reif sind, erhöhen die Ernährungssicherheit eines Landes.

Abwechslung: Viele verschiedene Feldfrüchte, die zu unterschiedlichen Zeiten reif sind, erhöhen die Ernährungssicherheit eines Landes.

Bildquelle: © iStock.com/Bilanol

Verbesserte Ernährungssicherheit

Um die Auswirkungen der zeitliche Anbauvielfalt auf die Produktionsstabilität zu berechnen, verwendeten die Forscher Daten der Welternährungsorganisation (FAO), etwa zu Pflanzen- und Kalorienproduktion, genutzte Fläche, Anbauzeiten, Stickstoffverbrauch, Beregnung, Temperatur, Niederschläge sowie sozioökonomische Faktoren wie bewaffnete Konflikte. Diese Daten haben die ForscherInnen in fünf Zehnjahres-Intervallen (1961 - 2010) erhoben. Dabei zeigte sich, dass eine Asynchronität im Anbau beispielsweise die Stabilität der Kalorienproduktion um mehr als das Dreifache erhöhen kann. Damit ist sie ein wichtiger Faktor für die Ernährungssicherheit.

In vielen Ländern angewendet

Länder mit einer hohen zeitlichen Anbauvielfalt liegen laut der Berechnungen in Süd- und Südostasien, China, Teilen Mittelamerikas sowie Teilen Afrikas, wie Indien, Mexiko und China. Länder mit einer mittleren zeitlichen Anbauvielfalt und trotzdem hoher Produktionsstabilität lagen in Nord- und Südamerika. Länder mit geringer zeitlicher Anbauvielfalt und geringer Produktionsstabilität waren beispielsweise Russland, Australien und Argentinien. Deutschland hat nach diesen Berechnungen eine mittlere Produktionsstabilität bei geringer Asynchronität.

Trotz der positiven Ergebnisse ist noch einiges unklar, betonen die Forscher. So müsste der Anbau zu unterschiedlichen Jahreszeiten noch mehr erforscht werden, ebenso wann genau die gewünschte Asynchronität die besten Effekte auf die Ernährungssicherheit hat. So hat Spanien eine mittlere Asynchronität beim Anbau, aber nur eine geringe Produktionsstabilität, während es in Deutschland genau anders herum ist.

Unabhängiger vom Weltmarktgeschehen

Um den größten Nutzen aus diesen Erkenntnissen zu ziehen, ist der Anbau eines möglichst breiten Kulturpflanzenspektrums eine wichtige Grundvoraussetzung. Die Tendenz geht in letzter Zeit aber eher in die andere Richtung, also zu einer Homogenisierung des Nahrungsangebotes und damit zu abnehmender Ernährungssicherheit, betonen die Forscher. Ernteausfälle könnten zwar bis zu einem gewissen Grad vom Weltmarkt ausgeglichen werden. Gleichzeitig macht das aber auch abhängiger vom globalen Handelsgeschehen.

Die Forscher fordern daher, dass gerade die Länder mit einer geringen Produktionsstabilität (zum Beispiel Malawi) durch beide Faktoren – sowohl Diversität der Feldfrüchte als auch Asynchronität – ihre Nahrungsmittelproduktion und damit die Versorgung ihrer Bevölkerung gerade auch im Hinblick auf den Klimawandel verbessern sollten.


Quelle:

Egli, L. et al. (2020): Crop asynchrony stabilizes food production. In: Nature, Vol 588, (10. Dezember 2020), doi: 10.1038/s41586-020-2965-6.

Zum Weiterlesen:

Titelbild: Eine von vielen landwirtschaftlichen Kulturen geprägte Landschaft in Australien. (Bildquelle: © water.alternatives)