Bye Bye Erdöl

Gibt es bald nachhaltigen Nachschub?

09.12.2013 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Auch wenn uns das Erdöl noch viele Jahre als Energiequelle und Rohstoff begleiten wird, forscht man weltweit daran, Wege zu finden, die das Erdöl Schritt für Schritt ablösen können. (Quelle: © iStockphoto.com/ImagineGolf)
Auch wenn uns das Erdöl noch viele Jahre als Energiequelle und Rohstoff begleiten wird, forscht man weltweit daran, Wege zu finden, die das Erdöl Schritt für Schritt ablösen können. (Quelle: © iStockphoto.com/ImagineGolf)

Ohne Erdöl geht in unserer industriellen Welt nichts! Vor allem der Verkehrssektor ist auf Erdöl angewiesen. Wir nutzen Erdöl nicht nur in Form von Benzin, Diesel oder Schmierstoff, sondern auch als Ausgangsstoff für viele Autoteile. Aber das „schwarze Gold“ ist eine Ressource, die uns nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Ein Umdenken hat begonnen…

Erdöl schlummert tief unter der Erde. Ein Schatz, der in Jahrmillionen aus Kleinstlebewesen - auch Pflanzen - entstanden ist. Algen und Co., so die Vermutung, sanken nach ihrem Ableben auf den Meeresboden. Dort bildete sich Faulschlamm, der nach und nach von Tier- und Pflanzenresten und Gesteinspartikeln verdeckt wurde. Mit Hilfe von Bakterien, starkem Druck, Hitze und vor allem viel Zeit entstand letztlich Erdöl - ein Gemisch, das fast ausschließlich aus Kohlenwasserstoffen besteht.

Wer mobil sein will, braucht Erdöl

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Bildquelle: © Pflanzenforschung.de

Vor allem der Verkehrssektor ist ein durstiger Abnehmer, auf den mehr als die Hälfte des weltweiten Erdölverbrauchs entfällt (World Energy Outlook 2012). Wir benötigen Erdöl jedoch nicht nur, um es in unseren Tank zu füllen. Heute ist das „schwarze Gold“ einer der wichtigsten Rohstoffe, Grundbaustein der chemischen Industrie und Ausgangsstoff für viele Produkte. Während 86 Prozent der Gesamtproduktion der Erdölraffinerien in Verkehr, Energiegewinnung und die Heizung wandert, werden nur 7 Prozent als Rohstoffe für die Chemie und damit für die stoffliche Verwertung genutzt.  

Wo steckt überall Erdöl drin?

Offensichtliche Verwendungszwecke für Erdöl sind Schmierstoffe für Autogetriebe oder Diesel und Benzin für Verbrennungsmotoren. Es gibt jedoch noch viele weitere Teile und Materialien unseres fahrbaren Untersatzes, die direkt oder indirekt aus Erdöl gewonnen werden. Angefangen vom Autolack über weite Teile des Interieurs, elektronische Bauteile bis hin zu Displays.

In fast allen Teilen des Autos steckt Erdöl oder einer seiner fossilen Brüder. Der Anteil von Plastik, Kunstfasern und Schaumstoffen aus Erdöl in unseren Autos ist kontinuierlich gestiegen. Dies liegt vor allem daran, dass diese leicht, gut formbar und eine gute Wärme- und Geräuschdämmung aufweisen. Aber auch Hybridteile, die z.B. aus Metall und Kunststoff zusammengesetzt sind, kommen zum Einsatz. Einige Kunststoffe sind sogar so robust, dass sie als Ersatz für Metall eingesetzt werden.

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Wir schleudern bei jeder Autofahrt Abgase in die Luft.

Wir schleudern bei jeder Autofahrt Abgase in die Luft.

Bildquelle: © iStockphoto.com/ yocamon

Auch Gummi, welches sich in Autoreifen, Fußmatten oder Dichtungen wiederfindet, wird auf Erdölbasis produziert. Obwohl Kautschuk eigentlich ein Naturprodukt ist, das man aus dem Milchsaft des Kautschukbaums gewinnt, werden unsere Alltagsgegenstände größtenteils aus synthetischem Gummi produziert.

Und beim Auto hört es nicht auf. Sogar der Asphalt, auf dem wir fahren, enthält einen Stoff, der aus Erdöl gewonnen wird: Das Bindemittel Bitumen. Doch auch indirekt wird Erdöl benötigt. Denn für die Herstellung und den Transport von Autoteilen nutzen wir in der Regel fossile Energie und Rohstoffe. Zum Beispiel wenn unser neues Auto aus einem anderen Land eingeschifft wird. Denn das Schiff benötigt Schweröl. Die Liste ist lang und ließe sich beliebig fortsetzen.

Der Druck steigt – wir brauchen Alternativen

Doch die Erdölvorkommen unserer Erde sind begrenzt, wie auch die Vorräte anderer fossiler Brennstoffe (beispielsweise Kohle oder Erdgas). Das macht sich durch steigende Preise bemerkbar. Während unser Verbrauch stetig steigt, glauben andere Experten, dass der „Peak Oil“ naht. Unter dem Begriff versteht man den Zeitpunkt an dem die maximale Erdöl-Förderung in der Welt erreicht wird. Danach fallen die Fördermengen kontinuierlich ab, was wiederum die Förderkosten und damit den Ölpreis weiter nach oben treibt. Heute noch unbezahlbare Alternativen werden lukrativer, müssen jedoch langfristig vorbereitet werden.

Auch wenn neue Lagerstätten entdeckt und neue Fördertechnologien entwickelt werden, ist es somit an der Zeit, umzudenken. Denn aus unserem enormen Erdölverbrauch ergibt sich noch ein weiteres und deutlich gravierenderes Problem: Wenn wir Erdöl in unseren Motoren verbrennen oder mit Hilfe der Chemie umwandeln, setzten wir dabei auch klimaschädliche Gase frei. Bei jeder Autofahrt entsteht Kohlendioxid (CO2), welches sich in der Atmosphäre anreichert. Dadurch treiben wir den Klimawandel noch mehr voran und schaden unserer Umwelt. Es gibt also viele Gründe, warum wir von fossilen auf nachhaltige Rohstoffe umsatteln müssen, wenn wir mobil bleiben wollen.

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Zur Herstellung vieler Autoteile wird vor allem Erdöl als Rohstoff genutzt. Materialien wie Autolacke, -Kunststoffe und Autoreifen enthalten alle Erdöl. Sogar der Aspahlt auf dem wir fahren wird unter anderem aus Erdöl hergestellt.

Zur Herstellung vieler Autoteile wird vor allem Erdöl als Rohstoff genutzt. Materialien wie Autolacke, -Kunststoffe und Autoreifen enthalten alle Erdöl. Sogar der Aspahlt auf dem wir fahren wird unter anderem aus Erdöl hergestellt.

Bildquelle: © Industrieblick / Fotolia.com

Nachschub aus Pflanzen?

Erdöl entsteht zwar aus organischem Material und somit auch aus Pflanzen. Nur dauert es sehr lange bis das wertvolle Rohöl entsteht. Daher können wir nicht einfach warten, bis die Natur Nachschub liefert, sondern müssen nach nachhaltigen Alternativen suchen. Auch wenn uns das Erdöl noch viele Jahre als Energiequelle und Rohstoff begleiten wird, forscht man weltweit daran, Wege zu finden, die das Erdöl Schritt für Schritt ablösen können.

Weil Autohersteller auf Recyclefähigkeit, geringen Spritverbrauch und energieeffizientere Herstellungsprozesse setzen, erlebt auch der Einsatz nachwachsender Rohstoffe beim Auto eine Renaissance. Die Verwendung biogener Kraftstoffe ist bereits fest etabliert. Mittlerweile beschränkt sich der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen jedoch nicht nur auf den Tank. Auch in den neuen Leichtbaumodellen stecken pflanzenbasierte Verbundstoffe. Diese sollen nicht nur Sprit sparen, sondern liefern auch für die Entsorgung und Wiederverwertung wichtige Ansatzpunkte. Nicht nur die Mobilität, sondern die gesamte Wirtschaft und der Konsum müssen nachhaltiger werden.

Nicht für alle Autoteile wird ein pflanzenbasierter Ersatz möglich sein. Für viele gibt es bereits heute vielversprechende Ideen und Konzepte. Noch liegen große Herausforderungen vor den Wissenschaftlern und Ingenieuren. In den folgenden Kapiteln wollen wir einige dieser Ansätze vorstellen.  

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