Ich war erstaunt, wie viele Kartoffeln ein Deutscher isst.

Kolumbien ein Land der kulinarischen Vielfalt

Fernando Arana Ceballos / Kolumbien

21.04.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Landschaft Kolumbiens ist so vielfältig wie seine Pflanzenwelt. (Quelle: © iStock.com/ DC_Colombia)
Die Landschaft Kolumbiens ist so vielfältig wie seine Pflanzenwelt. (Quelle: © iStock.com/ DC_Colombia)

Gespräch

Fernando Arana Ceballos / Kolumbien

Die Nachrichten über Kolumbien sind meist düster, Bürgerkrieg und Drogenanbau dominieren die Berichterstattung. Dabei hat das Land noch viel mehr zu bieten: Eine reiche und vielfältige Natur, die von den Anden über den Amazonas bis an die Küste von Karibik und Pazifik reicht.

Kolumbien ist seit jeher stark von der Landwirtschaft geprägt, rund 20 Prozent der Bevölkerung arbeiten gegenwärtig in diesem Wirtschaftszweig und 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden durch die Landwirtschaft erzeugt. Bereits vor rund 7.000 Jahren betrieben indianische Ur-Einwohner Kolumbiens Landwirtschaft. Auf terrassenartigen Feldern bauten sie vor allem Mais an. Heute dominieren Kaffee, Bananen und Zuckerrohr, die auch die Hauptexportgüter Kolumbiens in die Europäische Union sind.

Das faszinierende Universum der Biologie

Fernando Alberto Arana Ceballos lebt und forscht seit knapp 13 Jahren in Deutschland, zuerst in Potsdam und später in Gatersleben am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK). Ursprünglich stammt Fernando aus Buga, einer kleinen Stadt im Südwesten Kolumbiens. Studiert hat er an der Universidade del Valle in Cali und seine Diplomarbeit über die Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) am Internationalen Zentrum für Tropische Landwirtschaft (CIAT) geschrieben: „Das Studium hat mir ein neues und faszinierendes Universum eröffnet“, meint er rückblickend. Momentan arbeitet er am Forschungsprojekt FroWheat, das sich mit Winterweizen beschäftigt und seit 2011 vom BMBF gefördert wird.

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Die Frucht der Lulo-Pflanze wird in Kolumbien zur Herstellung von Säften verwendet.

Die Frucht der Lulo-Pflanze wird in Kolumbien zur Herstellung von Säften verwendet.

Bildquelle: iStock.com/rafcha

Säfte, die nach Heimat schmecken

Außer des feucht-kalten Winters überraschte ihn sein Gastland vor allem in Sachen Ernährung: „Ich war erstaunt darüber, wie viele Kartoffeln ein durchschnittlicher Deutscher isst“, benennt er sofort den größten kulinarischen Unterschied zwischen seiner kolumbianischen Heimat und Deutschland. Außerdem fehlen ihm Guave und Lulo, zwei exotische Früchte. „Aus denen werden bei uns in Kolumbien Säfte hergestellt. Diese beiden Früchte und ihren Geschmack verbinde ich am meisten mit meiner Heimat.“ Wenn Fernando von der Natur Kolumbiens erzählt, kommt er ins Schwärmen. Er liebt die Pflanzenvielfalt, die Farben, Gerüche und die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen.

Schweres Essen für echte Vallunos

Es gibt eine kulinarische Spezialität aus seiner Region, die Fernando auch in Deutschland gerne mit Freunden kocht: Sancocho de Gallina, eine Hühnersuppe, deren Hauptbestandteile aber Pflanzen sind. Neben einer Geflügel- oder Fleischbeilage verlangt das Rezept nach Kochbananen, Kartoffeln, Maniok, wahlweise auch Arrakacha und verschiedenen Gewürze, vor allem Korianderkraut. Das alles lässt man kochen und püriert es am Ende. Das Ergebnis ist eine dunkelgrüne und sehr dickflüssige Suppe. „Es ist ein schweres Essen, wenn man es isst, schwitzt man“, merkt Fernando lachend an.

Natürlich hat jeder in Fernandos Region, dem Valle del Cauca eine eigene Interpretation des Gerichts und jeder behauptet von sich, das beste Sancocho zubereiten zu können. „In meiner Heimat sagt man, wer nicht weiß, wie man ein Sancocho kocht, ist kein echter ‚Valluno‘ [Bewohner des Valle del Cauca, Anmerk. d. Red.].“

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In Kolumbien ist der Anbau von Koka für die Drogenproduktion ein großes Problem, weil er armen Bauern kurzfristig hohe Gewinne verspricht.

In Kolumbien ist der Anbau von Koka für die Drogenproduktion ein großes Problem, weil er armen Bauern kurzfristig hohe Gewinne verspricht.

Bildquelle: © RioPatuca Images - Fotolia.com

Ein Land, viele Herausforderungen

Während Fernando die Gewöhnung an die deutsche Küche auch nach mehr als einem Jahrzehnt noch schwerfällt, schätzt er die exzellenten Forschungsbedingungen. Hier zeigt sich für ihn auch die größte Herausforderung für die Landwirtschaft in seiner Heimat: „Wir leben seit fast 60 Jahren im Krieg, zuerst mit der Guerilla, dann auch mit den paramilitärischen Gruppen. Viele Ressourcen, die wir für die Weiterentwicklung unseres Landes, die Bildung und Forschung bräuchten, sind deshalb nicht da.“

Zwar gebe es einige gute private Forschungsinstitute wie das CENICAÑA, das vom Verband der Zuckerbauern finanziert wird, oder CENICAFÉ, das vom Verband der Kaffeebauern initiierte Forschungszentrum für Kaffeeforschung. Diese konzentrieren ihre Forschung jedoch auf Zuckerrohr oder Kaffee. Eine breite Grundlagenforschung fehle, denn das staatliche Institut für Landwirtschaft und Tierhaltung ICA habe keine ausreichenden finanziellen Mittel, so Fernando.

Auch der Anbau der Koka-Pflanze zur Herstellung von Kokain ist ein Problem. Viele Arbeiter bevorzugen diese illegale Tätigkeit gegenüber normaler Landwirtschaft, da die Gewinnspanne viel größer ist. Eine weitere Herausforderung sieht der Biologe im zunehmenden Anbau von Monokultur. „Das führt zu vielen ökologischen wie wirtschaftlichen Problemen. Da der Weltmarktpreis für Kaffee seit Jahren stagniert, haben viele Bauern, die ausschließlich Kaffee angebaut haben, ihre Existenz verloren. Sie sind pleite.“

Große Chancen sieht Fernando in der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Vielfalt Kolumbiens. Der Anbau von Pflanzen für medizinische oder kosmetische Anwendungen könnte den Bauern langfristig neue Einkommensquellen erschließen.


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