Ich habe in Deutschland noch nie eine echte Zitrone gegessen.

Irans vielfältige Landwirtschaft leidet unter Trockenheit

Naser Poursarebani / Iran

21.04.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Getreideanbau im Iran. (Quelle: © iStock.com/ klaravlas)
Getreideanbau im Iran. (Quelle: © iStock.com/ klaravlas)

Gespräch

Naser Poursarebani / Iran

Im Iran hat es einmal angefangen mit der Landwirtschaft. Auf den fruchtbaren Böden am Fuße des Zagros-Gebirges wurden bereits vor 10.000 Jahren Getreide angebaut. Jetzt bringt die starke Trockenheit die Landwirtschaft in Bedrängnis.

Die Sommer in Hormozgan sind heiß. In der Provinz im äußersten Süden des Iran klettert das Thermometer in der warmen Jahreszeit regelmäßig über 40 Grad und wirklich kalt wird es auch im Winter nie. Naser Poursarebani hat vor sechs Jahren dem trockenen Wüstenklima seiner Heimat den Rücken gekehrt und forscht seitdem am IPK Gatersleben. 

Der Sechsunddreißigjährige hat sich mit dem deutschen Winter arrangiert. „Sie wissen, wie das bei Wissenschaftlern ist: Wenn wir in einem gut ausgestatteten Labor in Ruhe forschen können, sind wir zufrieden.“ Zurzeit arbeitet Naser in der Arbeitsgruppe von Thorsten Schnurbusch in zwei Projekte, die sich mit der Entschlüsselung des Weizengenoms und der Blütenstandsentwicklung bei Gerste befassen.

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Etwa die Hälfte der Landesfläche des Irans ist Wüste. Vor allem die Landwirtschaft leidet unter der Trockenheit.

Etwa die Hälfte der Landesfläche des Irans ist Wüste. Vor allem die Landwirtschaft leidet unter der Trockenheit.

Bildquelle: © iStock.com/ Abdolhamid Ebrahimi

Regen sehen die meisten Iraner nur selten

Weizen und Gerste sind neben Reis auch zwei der Hauptnahrungsmittel der iranischen Bevölkerung. Während Reis aufgrund seines hohen Wasserbedarfs nur in einem kleinen Gebiet im äußersten Norden des Landes kultiviert wird, sind Weizen und Gerste weit verbreitet. Aufgrund von Trockenheit kommt es jedoch immer wieder zu erheblichen Ernteverlusten. 90 Prozent des Landes gelten als arid oder semi-arid, es verdunstet also mehr Wasser aus dem Boden als mit dem Regen zur Erde fällt. Nur im Norden, an den Küsten und Gebirgshängen kommt es zu mehr Niederschlag, teilweise bis zu 2.000 Millimeter pro Jahr. So viel messen nicht einmal die deutschen Wetterstationen im Voralpenland.

Doch diese regenreichen Gebiete sind die Ausnahme. Der Iran ist in etwa zur Hälfte von Wüste bedeckt. Ein knappes Drittel dient als Viehweide und nur auf zehn Prozent oder 1,7 Millionen Hektar wird überhaupt Ackerbau betrieben. Das entspricht ziemlich genau der Fläche, die in Deutschland für Pflanzenanbau und Weiden zur Verfügung stehen.

Für die Bewässerung der iranischen Felder werden häufig das Grundwasser oder Flüsse angezapft. Inzwischen sind jedoch selbst die Becken an den großen Flussstaudämmen fast leer und das wenige noch verbleibende Wasser soll als letzte Trinkwasserreserve für die Bevölkerung dienen.

Auch die Qualität des Wassers ist nicht immer unproblematisch. Iranische Wissenschaftler haben zwischen 2008 und 2010 im Norden Irans 36 Wasserproben genommen und in allen erhöhte Konzentrationen von Quecksilber gefunden. Teilweise lagen auch die Aluminiumkonzentrationen über den zulässigen Grenzwerten. Wasser mit giftigen Metallionen sollte auf keinen Fall zur Bewässerung genutzt werden, aber die Überwachung ist noch mangelhaft.

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In Nasers Heimat wachsen Zitronen prächtig. Sie schmecken auch ganz anders, als die Zitronen, die man in Deutschland im Supermarkt kaufen kann.

In Nasers Heimat wachsen Zitronen prächtig. Sie schmecken auch ganz anders, als die Zitronen, die man in Deutschland im Supermarkt kaufen kann.

Bildquelle: © inacio pires - Fotolia.com

„Ich habe in Deutschland noch nie eine echte Zitrone gegessen.“

Auch in Hormozgan fällt das ganze Jahr über nur wenig Niederschlag. Hier dominieren statt Getreidefeldern ausgedehnte Plantagen das Land. Orangen, Zitronen und Mangos gefällt die Sonne und sie danken es mit einem Geschmack, den man von den Früchten in europäischen Supermärkten so nicht kennt. „Ich habe in Deutschland noch nie eine Zitrone gegessen, die diesen Namen verdient“, sagt Naser. Auch Tomaten, Gurken, Auberginen und Wassermelonen werden in Hormozgan angebaut. Die Region ist die Obst- und Gemüsetheke des Iran und seiner Nachbarländer. Bei Pistazien und Safran ist Iran sogar weltgrößter Exporteur, während viele Zitrusfrüchte lokal verkauft werden und sich in zahlreichen traditionellen Gerichten wiederfinden.

Doch mit den typischen getrockneten Zitronen, die den Speisen einen ganz besonderen Geschmack geben, könnte es bald vorbei sein, denn die Zitronenernte in Hormozgan ist in Gefahr. Das Bakterium Candidatus Phytoplasma aurantofolia infiziert die Zitronenbäume und löst die Hexenbesenkrankheit aus. Statt vieler Früchte bilden die Bäume dann nur nutzlose Zweige aus, die sich wie der Reisig eines Hexenbesens in den Himmel recken.

Neben dem Iran sind auch Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate betroffen. Die traditionellen Methoden zur Bekämpfung der Krankheit, wie das Vernichten infizierter Bäume oder die Bekämpfung der krankheitsübertragenden Zikaden, waren bisher wenig erfolgreich. Bereits 90 Prozent der Plantagen sind zerstört, eine schnelle Lösung des Problems noch nicht in Sicht. „Bisher wird hauptsächlich versucht, auf den befallenen Flächen für einige Jahre gar keine Zitronenbäume anzubauen um damit die Krankheit auszurotten“, so Naser. Er hofft, dass die Bemühungen bald Erfolg haben. Denn die Zitronen aus Hormozgan, die vermisst er dann doch.

Der Iran hat ein enormes landwirtschaftliches Potential. Das Land vereint so viele unterschiedliche Klimazonen, dass es für fast jede Pflanzen den richtigen Standort gibt. Allein das Wasser fehlt. Saatgut, das besser mit Trockenheit zurechtkommt, und moderne Bewässerungstechnik, könnten die Ernteerträge steigern.


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