Kein höheres Risiko

Ein Resümee nach 25 Jahren biologischer Sicherheitsforschung an gv-Pflanzen

28.11.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Biologische Sicherheitsforschung: Unter anderem wurde die Wirkung von gv-Pflanzen auf Nicht-Zielorganismen untersucht - zu denen auch Marienkäfer zählen. (Bildquelle: © Gerd Spelsberg / www.biosicherheit.de)
Biologische Sicherheitsforschung: Unter anderem wurde die Wirkung von gv-Pflanzen auf Nicht-Zielorganismen untersucht - zu denen auch Marienkäfer zählen. (Bildquelle: © Gerd Spelsberg / www.biosicherheit.de)

Seit 1987 wurden in Deutschland Forschungsvorhaben zur biologischen Sicherheitsforschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Dabei wurden mögliche Folgen von gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen für die Umwelt untersucht. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass keine Gentechnik-spezifischen negativen Auswirkungen von gv-Pflanzen ausgehen: Verglichen mit konventionell gezüchteten Kulturpflanzen gibt es kein höheres Risiko für Umweltbeeinträchtigungen. Nachdem die letzten Projekte beendet wurden, veröffentlichte das Ministerium nun eine Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse in Form einer Broschüre, die beispielhaft zeigt woran geforscht wurde.

Nutzpflanzen müssen nicht nur für uns Menschen und für Tiere sicher sein, sondern auch für die Umwelt. Das gilt sowohl für konventionell gezüchtete als auch für gentechnisch veränderte Pflanzen. Das Thema Gentechnik löst nach wie vor eine Verunsicherung in der Gesellschaft aus. Dabei kamen z. B. Fragen zur Sicherheit der Pflanzen außerhalb des Labors auf: Was passiert, wenn gentechnisch veränderte Organismen (GVO), speziell gv-Pflanzen, in landwirtschaftlich genutzten Räumen ausgebracht werden? Haben Sie ungewollte Folgen für andere Pflanzen oder Organismen?

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Die Broschüre „25 Jahre BMBF-Forschungsprogramme zur biologischen Sicherheitsforschung - Umweltwirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen“ fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

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Umweltwirkung von gentechnisch veränderten Pflanzen erforscht

Um eine breite Wissensbasis über die Umweltwirkungen von GVOs zu schaffen, förderte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit Ende der 80er Jahre Forschungsvorhaben zur biologischen Sicherheit. Dabei wurden mögliche Sicherheitsrisiken des Anbaus von gv-Pflanzen untersucht. Man betrachtete Auswirkungen der gv-Pflanzen auf die biologische Vielfalt in landwirtschaftlich genutzten Flächen und auf angrenzenden Naturräumen. Wo es möglich und relevant war, wurden in den Projekten gv-Pflanzen mit nicht gentechnisch veränderten Pflanzen und mit traditionellen landwirtschaftlichen Techniken verglichen.

Über 300 Projekte, davon 140 Projekte zur Sicherheitsbewertung gentechnisch veränderter Pflanzen, wurden im Rahmen der BMBF-Maßnahme mit einem Volumen von mehr als hundert Millionen Euro finanziert. Darüber hinaus wurden bereits während der Förderperiode die Forschungsvorhaben auf der Webseite www.biosicherheit.de anschaulich vorgestellt und die Ergebnisse kontinuierlich veröffentlicht.

Viele Themen und Pflanzen untersucht

Es gab viele verschiedene Themen und Pflanzen, an denen geforscht wurde, darunter Raps, Kartoffeln aber auch Gehölze. In den Forschungsprojekten ging es beispielsweise um Wechselwirkungen mit anderen Organismen, aber auch um die Verbesserung bestehender oder die Erarbeitung neuer Methoden. So z. B. von Monitoringprogrammen, der Optimierung von Gentransfermethoden oder der Entwicklung und Überprüfung von biologischen Maßnahmen zur Begrenzung der Ausbreitungsfähigkeit von gv-Pflanzen (Confinement). Einige der untersuchten transgenen Pflanzen wurden durch die gentechnischen Veränderungen toleranter gegenüber gewissen Umwelteinflüssen oder resistent gegenüber gewissen Schädlingen.

Einen Schwerpunkt bildete die Forschung an gentechnisch verändertem Mais, speziell insektenresistentem Bt-Mais. Grund für den Fokus war, dass nur Bt-Mais in größerem Umfang in Europa angebaut wurde. Derzeit ist die Maislinie MON810 die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die zum kommerziellen Anbau in der Europäischen Union zugelassen ist. In Deutschland ist der Anbau jedoch mittlerweile verboten.  

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MON810 ist ein insektenresistenter Mais, der ein Gen des weit verbreiteten Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis in sich trägt. Durch das Gen produziert der Mais ein Bt-Protein, das auf einen speziellen Maisschädling, den Maiszünsler, giftig wirkt. Der Mais produziert dadurch sein eigenes Insektizid – frisst ein Schädling an diesem Mais, dann nimmt er die toxischen Eiweiße zu sich und stirbt.

Es gibt auch andere Bt-Mais-Linien, die gegen den Maiswurzelbohrer oder beide Schädlinge resistent sind. Der Grundgedanke ist, dass durch Bt-Proteine, anders als durch den großflächigen Gebrauch von chemischen Pflanzenschutzmitteln, nur spezielle Schädlinge und auch nur die, die an den Pflanzen fressen, abgetötet werden. Andere, sogenannte Nicht-Zielorganismen sollen verschont werden.  

Forschung unter naturnahen Bedingungen

Um zu untersuchen, ob es zu Umweltbeeinträchtigungen durch Bt-Mais kommen kann, wurde dieser in Freisetzungsversuchen auf dem Feld angebaut. So konnten Interaktionen mit der umgebenden Umwelt unter realistischen Bedingungen untersucht werden, die man im Labor so nicht nachbilden kann. Im Feld wurden verschiedene Aspekte der ökologischen Auswirkungen in mehrjährigen Versuchsreihen analysiert. Eine wichtige Fragestellung für die Bewertung war, ob es Folgen für Nicht-Zielorganismen wie z. B. Bienen, Schmetterlinge, Käfer oder Bodenmikroorganismen gibt, die sich am und um den Mais auf dem Feld aufhalten. In ihren Untersuchungen kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass Bt-Mais auf diese keine negativen Auswirkungen unter Freilandbedingungen hatte.

Das Resümee der biologischen Sicherheitsforschung

Das generelle Fazit aus „25 Jahren BMBF-Forschungsprogramme zur biologischen Sicherheitsforschung – Umweltwirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen“ lautet: Es wurden keine wissenschaftlichen Belege gefunden, dass es Gentechnik-spezifische Gefahren für die Umwelt gibt. Gentechnisch veränderte Pflanzen zeigen - verglichen mit konventionell gezüchteten - kein höheres Risiko für die Umwelt, so die Forscher.

Durch die Projekte konnte die Wissensbasis über die Wirkung von gv-Pflanzen außerhalb des Labors, unter natürlicheren Bedingungen, vergrößert werden. Auch weiterhin wird man sich mit dem Thema befassen. Dabei wird die Gentechnik als ein Technologieansatz unter anderen betrachtet und in ganzheitlichere Ansätze eingebettet.

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Im Rahmen der Forschungsvorhaben zur biologischen Sicherheitsforschung wurden viele verschiedene Themen und Pflanzen untersucht. Hier zu sehen, ist ein Feldversuch mit Zierpflanzen: Gentechnisch veränderte lilafarbene Petunien wachsen in Reihen neben weißen konventionellen Petunien.

Im Rahmen der Forschungsvorhaben zur biologischen Sicherheitsforschung wurden viele verschiedene Themen und Pflanzen untersucht. Hier zu sehen, ist ein Feldversuch mit Zierpflanzen: Gentechnisch veränderte lilafarbene Petunien wachsen in Reihen neben weißen konventionellen Petunien.

Bildquelle: © Gabriele Völcker / www.biosicherheit.de

Mehr Wissen, doch die Kontroverse bleibt

Die Kontroverse zur Gentechnik ging auch am Forschungsprogramm zur biologischen Sicherheitsforschung nicht spurlos vorbei. Kritiker an den Forschungsprojekten betonen, dass die Forschungsprojekte nicht langfristig genug ausgerichtet waren. Sie sehen auch Methoden als nicht ausreichend an, bei denen „Stellvertreterorganismen“ ausgewählt werden, um die Effekte auf Nicht-Zielorganismen im Ökosystem umfassend zu testen. Sie fordern einen breiteren Ansatz und wünschen sich Forschungsmethoden, die das gesamte Ökosystem betrachten, d. h. die Auswirkungen auf alle Bereiche und Organismen im System ´Pflanze-Umwelt` einbeziehen.

Die öffentliche Diskussion um die Grüne Gentechnik wurde durch die Veröffentlichung der Ergebnisse der biologischen Sicherheitsforschung nicht verändert. Die Kontroverse bleibt bestehen. Es wurde klar, dass ein offener Dialog zur naturwissenschaftlichen Forschung notwendig ist. Aber auch, dass eine naturwissenschaftliche Betrachtung allein nicht ausreicht. Vielmehr müssten auch sozial- und  geisteswissenschaftliche sowie ökonomische und weltwirtschaftliche Überlegungen die Projekte begleiten.

Trotz bestehender Vorbehalte bleibt eine Tatsache: Es gibt große Regionen in der Welt, in denen die Ergebnisse der Grünen Gentechnik stark genutzt werden. Der weltweite Anbau von gv-Pflanzen erstreckte sich 2013 auf 175 Millionen Hektar. Zum Vergleich: Die komplette landwirtschaftliche Nutzfläche Deutschland liegt bei knapp 17 Millionen Hektar, wovon 12 Millionen für den Ackerbau genutzt werden. Die restlichen fünf Millionen Hektar sind Weide- oder Grünland.

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