Plant Adaption Research

Fitte Pflanzen für unsere Enkel

06.07.2016 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Pflanzen sind wahre Anpassungskünstler. Von ihnen zu lernen ist Aufgabe und Ziel der Plant Adaption Research. (Bildquelle:© iStock/ andreusK)
Pflanzen sind wahre Anpassungskünstler. Von ihnen zu lernen ist Aufgabe und Ziel der Plant Adaption Research. (Bildquelle:© iStock/ andreusK)

Pflanzen sind die Erfolgsmodelle der Evolution. Es gibt nur wenige Lebensräume auf der Erde, die nicht von Pflanzen besiedelt sind. Sind Licht, Wasser, Nährstoffe und Wärme vorhanden, sind sie zur Stelle. Ihre fast universelle Anpassungsfähigkeit machte dies möglich. Damit steht außer Frage: Solange die Erde existiert und Leben ermöglicht, werden Pflanzen Mittel und Wege finden, sich an neue Gegebenheiten anzupassen, zu wachsen und sich zu vermehren. Das Beispiel unserer Kulturpflanzen zeigt, über welche Plastizität und Anpassungsmöglichkeiten Pflanzen verfügen.

Wer zu den Anfängen unserer Kulturpflanzen zurückgehen möchten, die wir aus dem Supermarkt kennen, muss kein Zeitreisender sein. Viele ihrer wilden Verwandten sind noch heute in der Natur anzutreffen. Doch dürften nur wenige sie aus dem Stehgreif erkennen. Wer würde auch vermuten, dass in einer runzeligen Schrumpelmöhre das Potenzial schlummert, sich zu einer regelrechten Zuckerbombe zu entwickeln? Gewiss waren hierfür lange Zeiträume nötig, um aus Wildpflanzen unsere heutigen Kulturpflanzen zu formen. Doch sind die wilden Verwandten noch heute eine wichtige Informationsquelle, wenn es darum geht, Getreide, Rübe & Co. resistenter, größer, gesünder, ertragreicher oder stärker zu machen.

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Es gibt nur wenige Orte dieser Erde, die nicht von Pflanzen besiedelt sind. Die Entschlüsselung ihrer Anpassungsstrategien ist eines der Hauptziele der Forschung.

Es gibt nur wenige Orte dieser Erde, die nicht von Pflanzen besiedelt sind. Die Entschlüsselung ihrer Anpassungsstrategien ist eines der Hauptziele der Forschung.

Bildquelle: © CSIRO/ CC BY 3.0

Wenn der Zufall seine Finger im Spiel hat

Höchstwahrscheinlich wird auch der Zufall eine Rolle gespielt haben, als aus ein paar unscheinbaren Gräsern kräftige und ertragreiche Getreidepflanzen wurden. Weizen zum Beispiel lässt Pflanzenforscher stauen und mit Ehrfurcht auf die Natur blicken. Denn kaum einem Wissenschaftler würde es in den Sinn kommen, drei Genome miteinander zu verschmelzen.

Zurück und in die Zukunft?

Der historische Blick auf die Wildformen unserer heutigen Nutzpflanzen, ist nicht nur ein Blick in die Vergangenheit. Er ist zugleich ein Blick in die Zukunft und ermöglicht die Pflanzenanpassungsforschung („Plant Adaption Research“). Ein Begriff, der im Englischen seit langem etabliert ist, im Deutschen jedoch nur selten benutzt wird, obwohl er die Sache auf den Punkt bringt: Pflanzen fit für neue Habitate, für neue Nutzungsansprüche und sich verändernde Bedürfnisse machen.

Eine Aufgabe, der sich mehr oder weniger fast ausnahmslos jede Pflanzenforscherin und jeder Pflanzenforscher verpflichtet fühlt, egal ob sie aus der Biologie oder der Botanik, aus der Züchtung, der Molekularbiologie, der Biochemie oder Bioinformatik kommen. Sie alle haben das Ziel, Pflanzen in ihrer Anpassungsfähigkeit zu unterstützen, was in einer Zeit der steigenden Nachfrage nach pflanzlichen Rohstoffen und einer sich schnell wandelnden Welt von enormer Bedeutung ist.

Pflanzenforschung für die Zukunft

Die Pflanzenanpassungsforschung will dabei nicht nur etablierte Kulturpflanzen verbessern, indem Eigenschaften und Merkmale von wilden Verwandten auf sie übertragen werden. Es geht auch darum, völlig neue Kulturpflanzen zu entwickeln. Das Potenzial, das in einem Kraut, einem Gras oder einer Blume steckt, zu erfassen, zu verstehen und nutzbar zu machen, dies sind Aufgaben denen sich Forscher annehmen. Durch die methodische Vielfalt und das Wissen, dass vom Gesamtsystem "Erde" bis in die einzelne Zelle hineinreicht, ist es möglich, neue Kulturpflanzen und Produktionssysteme zu entwickeln. So wie wir heute von dem profitieren, was Generationen vor uns geschaffen haben, ist es unsere Aufgabe, für zukünftige Generationen vorzusorgen.  

Wir hoffen, mit dem Plantaiment „Wilde Verwandte“ Interesse geweckt und für Aha-Erlebnisse gesorgt zu haben. Über Anregungen und Meinung unserer Leser freut sich die Redaktion von Pflanzenforschung.de.

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