Höhere Biodiversität im Ökolandbau steigert Ernteerträge bei Erdbeeren

21.02.2012 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Bestäuber bei der Arbeit - Die Biene bestäubt gerade eine Erdbeerblüte. (Quelle © vladuzn - Fotolia.com)
Bestäuber bei der Arbeit - Die Biene bestäubt gerade eine Erdbeerblüte. (Quelle © vladuzn - Fotolia.com)

Biobetriebe produzieren, im Vergleich zu konventionell wirtschaftenden, mehr Erdbeeren bei gleichzeitig besserer Qualität. So eine aktuelle Studie. Grund dafür könnte die höhere Anzahl an Insekten sein, welche die Bestäubungsrate verbessern.

Ein Nebeneffekt einer hoch intensiven Landwirtschaft ist oft der Rückgang an biologischer Vielfalt. Intensiv genutzte Flächen schränken natürliche Lebensräume ein. Der Ökolandbau setzt auf weniger Intensität, was, so die landläufige Meinung, mit geringeren Flächenerträgen bezahlt wird. Mehr landwirtschaftliche Fläche muss für die gleiche Erntemenge bewirtschaftet werden. Global betrachtet wird mehr Fläche benötigt, wodurch wiederum auch Naturräume zerstört würden.

Durch das Verbot der meisten Pestizide und anorganischen Düngemittel erhöht sich jedoch die Artenvielfalt auf diesen nach ökologischen Gesichtspunkten bewirtschafteten Flächen. Die höhere Biodiversität führt dazu, dass sich dort mehr Insekten tummeln. Einige dieser Insekten sind wichtige Bestäuber. Bei Pflanzen die auf Insekten zur Bestäubung angewiesen sind, könnte dies einen positiven Effekt auf die Fruchtbildung haben. Denn mehr Bestäuber führen zu höheren Bestäubungsraten, die wiederum höhere Erträge generieren. Der Ökolandbau müsste demnach eine höhere Bestäubungsrate aufweisen und dadurch höhere Erträge ermöglichen. So die These der Forscher. Diese wurde am Beispiel des Anbaus einer Spezialkultur, den Erdbeeren (Fragaria ananassa), untersucht.

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Höhere Bestäubungsraten führen zu höheren Ernteerträgen bei Erdbeeren.

Höhere Bestäubungsraten führen zu höheren Ernteerträgen bei Erdbeeren.

Bildquelle: © Peter Smola / pixelio.de

Erdbeerblüten enthalten Pollen und leicht zugänglichen Nektar, der bestäubende Insekten anlockt. Grundsätzlich sind Erdbeeren fähig sich selbst zu befruchten. Allerdings steigert eine Fremdbestäubung den Ertrag, da sich mehr und besser ausgebildete Früchte entwickeln. Zu den Bestäubern zählen Fliegen, Schwebfliegen, aber auch Bienen.

Mehr bestäubte Blüten = höherer Ertrag

Für ihre Analysen untersuchten die Forscher die Bestäubungsleistung in etablierten Biobetriebe und Betrieben, die kürzlich auf Ökolandbau umgestellt hatten. Als Vergleich dienten konventionell bewirtschaftete Betriebe. Die Erdbeerpflanzen wurden in Töpfen an den Rändern von Feldern mit Gerste und Sommerweizen aufgestellt. Dadurch gewährleisteten die Forscher die Vergleichbarkeit der Daten. Etwaige „Störfaktoren“, wie beispielsweise Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit, wurden ausgeschaltet.    
Die Wissenschaftler konnten feststellen, dass der Bestäubungserfolg von Erdbeeren im Ökolandbau signifikant höher war, als bei Betrieben der konventionellen Landwirtschaft. Bei den Biobetrieben waren 45 % der Beeren voll bestäubt, bei den konventionell wirtschaftenden Betrieben nur 17%.

Der positive Ertragseffekt war bei etablierten Biobetrieben, wie auch den Betrieben die erst vor zwei bis vier Jahren auf Ökolandbau umgestellt hatten, messbar. Dies deutet darauf hin, dass es keine bedeutsame zeitliche Verzögerung zwischen der Umstellung und den daraus resultierenden Ertrags- und Qualitätssteigerungen gibt. Der positive Effekt auf die Biodiversität und diese auf den Ertrag einer Kultur, wie hier der Erdbeere, dokumentiert sich somit sehr schnell. Ob diese Ergebnisse auf andere Kulturpflanzen übertragen werden können oder nur für Pflanzen gelten, die auf eine Insektenbestäubung angewiesen sind, kann nicht pauschal abgeleitet werden.

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