BioÖkonomie nimmt Fahrt auf

10.11.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Bioraffinerie als Titelbild der nationalen Strategie (Quelle: © BMBF)
Bioraffinerie als Titelbild der nationalen Strategie (Quelle: © BMBF)

Mit der "Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030" legt die Bundesregierung die Grundlagen für die Vision einer nachhaltigen bio-basierten Wirtschaft bis zum Jahr 2030.

Der Weg weg vom Öl ist der Weg hin zu einer Bioökonomie. Übergreifend beinhaltet die BioÖkonomie alle industriellen und wirtschaftlichen Sektoren und Dienstleistungen, die biologische Ressourcen produzieren, verarbeiten und bearbeiten oder diese nutzen. Europaweit erwirtschaften in den Branchen der Bioökonomie 22 Millionen Beschäftigte rund 1,7 Billionen Euro Jahresumsatz. In Deutschland sind es zwei Millionen Menschen, die zu einer Wertschöpfung von rund 300 Milliarden Euro beitragen. Damit ist die Bioökonomie bereits heute einer der bedeutsamsten Wirtschaftszweige überhaupt. Die technisch-wissenschaftliche Basis für eine BioÖkonomie ist somit in Deutschland vorhanden. Die noch junge Biotechnologiebranche, als wichtiger Bereich der Bioökonomie, verfügt über 650 innovative Unternehmen. Über 200 öffentliche Einrichtungen forschen intensiv auf dem Gebiet der Biotechnologie. Das sich Forschung lohnt, beweisen die aktuellen Entwicklungen in der chemischen Industrie. Beruhten im Jahr 2005 in der Chemie 7% aller Produkte auf nachwachsenden Rohstoffen, so sind es im Jahr 2010 bereits 10-12%. Ein Wachstum von 10% im Jahr bzw. eine Verdopplung alle 7-8 Jahre.

Signifikante Investition in die BioÖkonomie

Ausgestattet wird die „Nationale Forschungsstrategie Bioökonomie 2030“ in den kommenden sechs Jahren mit 2,4 Milliarden Euro. Davon entfallen 1,45 Mrd. Euro auf neue Projektförderungen durch die Bundesregierung. Von diesen Mitteln werden 46% dem Thema Biomasseerzeugung, 33% deren stofflicher und 21% der energetischen Verwertung gewidmet. Mit der heute veröffentlichten nationalen Strategie setzt sich Deutschland an die Spitze einer weltweiten Entwicklung. Eine Entwicklung deren Ziel es ist, nach Erdöl und Erdgas vermehrt auf regenerierbare und umweltverträgliche Ressourcen zu setzen. Das Ziel der Bundesregierung ist es, mit Forschung und Innovation diesen Strukturwandel hin zu einer biobasierten Industrie zu ermöglichen. Zugleich soll mit Forschung und Innovation auch international Verantwortung für die Welternährung, die Rohstoff- und Energieversorgung aus Biomasse sowie für den Klima- und Umweltschutz übernommen werden. Die nationale Strategie setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz. Dieser integriert neben Natur-, Technik- und Ingenieurwissenschaften verstärkt die Sozialwissenschaften und die ökonomische Forschung. 

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Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF und Dr. Robert Kloos, Staatssekretär im BMELV stellen gemeinsam die

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF und Dr. Robert Kloos, Staatssekretär im BMELV stellen gemeinsam die "Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030" vor.

Bildquelle: © Biotechnologie.de

Erste Initiative umrissen

Als erste Förderinitiative im Rahmen der nationalen Strategie BioÖkonomie wird eine Innovationsinitiative zur Industriellen Biotechnologie mit einem Fördervolumen von 100 Mio. Euro gestartet. Unter Industrieller (Weißer) Biotechnologie wird die Anwendung moderner biotechnologischer Verfahren für eine nachhaltige und ökoeffiziente industrielle Herstellung von Chemikalien, Materialien, Kraftstoffen und Energie verstanden. Dies beinhaltet den Einsatz von in der Natur vorkommenden Verfahren und Prozessen, die Nutzung von Enzymen, Biomasse und/oder biologischen Systemen. 

Für die weitere Entwicklung zu einer wissensbasierten, international wettbewerbsfähigen Bioökonomie werden fünf Handlungsfelder gesetzt. Die weltweite Ernährungssicherheit, eine nachhaltige Agrarproduktion, gesunde und sichere Lebensmittel, die industrielle Nutzung nachwachsender Rohstoffe sowie Energieträger auf Basis von Biomasse. Um Zielkonflikte zwischen diesen Handlungsfeldern aufzulösen, sind ganzheitliche Ansätze gefordert, die ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Belange gleichermaßen berücksichtigen und im Sinne nachhaltiger Lösungen integrieren.

Vernetzung und Dialog

Durch die „Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ soll eine Vernetzung aller Partner mit den potenziellen Anwenderbranchen gefördert werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der internationalen Kooperation. Diese soll in Europa, aber auch verstärkt mit anderen Regionen der Welt inklusive der Entwicklungsländer ausgebaut werden. Einen weiteren Schwerpunkt stellt der aktive Dialog mit der Gesellschaft dar. Die Vision einer BioÖkonomie gilt es durch diesen besser zu verankern. Auch kritische Stimmen und Befürchtungen müssen ernst genommen werden, um die Vision "weg vom Erdöl hin zu einer Kreislaufwirtschaft" Realität werden zu lassen.

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