Wie beeinflusst die Erderwärmung unsere Pflanzenwelt?

30.03.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Biologische
Biologische "Globalisierung" entlang der Autobahn. (Quelle: © Professor Dr. W. Barthlott, Universität Bonn)

Verlierer des weltweiten Klimawandels scheinen die warmen Tropen und Subtropen zu sein, deren Pflanzenwelt heute noch eine besonders große Artenvielfalt aufweist. Kühle und feuchte Gebiete könnten dagegen in Zukunft mehr Arten einen Lebensraum bieten. Ob das ein uneingeschränkter Gewinn ist, wird allerdings bezweifelt.

Ein Forschteam der Universitäten Bonn, Göttingen und Yale wollte mit einer aktuellen Studie darstellen, wie sich der Klimawandel auf die Artenvielfalt in den verschiedenen Klimazonen der Erde auswirken könnte. Sie kamen zu dem Schluss, dass die bestehende Verteilung der Artenvielfalt bedeutenden Veränderungen unterliegen wird.

Zunächst haben die Forscher 1032 repräsentative geografische Regionen ausgewählt, deren Pflanzenarten unter den heutigen Klimabedingungen bekannt sind. Auf diese Regionen haben sie 18 verschiedene, von der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) festgelegte, durch die Emission von Treibhausgasen verursachte Klimaszenarien für das Jahr 2100 übertragen. Die Ergebnisse liefern wichtige Indizien darüber, in welchen Gebieten eine Zuwanderung oder ein Verlust von Arten zu erwarten ist. So vermuten die Forscher, dass die Artenzahlen der Pflanzen in den tropischen Amazonas-Regenwäldern Südamerikas am dramatischsten sinken könnten. In Deutschland erwarten sie dagegen Klimabedingungen, die zusätzlichen Arten Lebensraum bieten würden. Als Gewinn werten die Forscher diese mögliche Veränderungen jedoch nicht. Denn eine verstärkte Umverteilung der Pflanzenarten könne zu einer vereinheitlichten Zusammensetzung der Arten in verschiedenen Regionen der Welt führen. An besondere Standortbedingungen angepasste Arten würden dadurch mehr und mehr verdrängt. Zudem könnten neue Arten einheimische Arten vertreiben. Alles in allem bedeutet es den Verlust von biologischer Vielfalt im globalen Maßstab.

Auswirkung des Klimawandels auf die weltweite Pflanzenvielfalt - Universität Bonn

Der größte Anteil klimaschädlicher Emissionen wird von Industrienationen verursacht, die weitgehend in begünstigten Klimazonen liegen. Diese Länder werden in Zukunft voraussichtlich weit weniger unter den Folgen des Klimawandels leiden als ärmere Länder, deren klimatischen Bedingungen sich für die Artenvielfalt wahrscheinlich deutlich verschlechtern werden. Würde der globale Temperaturanstieg bei 1,8 °C liegen, würden die Forscher eine ausgeglichene Zahl von Regionen mit reduzierter Artenvielfalt und solchen mit wachsender Artenanzahl vermuten. Werden jedoch nur die in Kopenhagen vereinbarten Klimaziele eingehalten, gehen sie eher von einem Temperaturanstieg von bis zu vier Grad aus. Dann werde nach Meinung der Forscher durchschnittlich mehr Lebensraum für Pflanzenarten verloren gehen als an anderer Stelle neuer entsteht.

Exakte Vorhersagen über die zukünftige Artenvielfalt lassen sich nach Aussage der Forscher jedoch nicht treffen. Niemand könne genau vorhersehen, ob tatsächlich zusätzliche Arten in begünstigte Gebiete einwandern oder ob benachteiligte Gebiete wirklich in hohem Maße Arten verlieren werden. Denn noch wissen die Forscher zu wenig darüber, wie anpassungsfähig Pflanzenarten sein können und wie sie im Ökosystem zusammenwirken. Auch der Einfluss der menschlichen Landnutzung auf die Umverteilung der Arten kann erheblich sein, ist jedoch nicht vorhersehbar. Jedoch können Entscheidungsprozesse für ein ressourcenschonenderes Wirtschaften und eine verstärkte Nutzung von nachhaltig erzeugter Energie und Rohstoffen durch die Modelle trotz der Ungenauigkeiten der Vorhersagen bereits heute untermauert werden. 

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