Wegwerfgesellschaft - Fast 40 Prozent des Essens landet in der USA im Müll

10.12.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Viel zu viel Essen landet im Mülleimer. (Quelle: © MSchuppich/ Fotolia.com)
Viel zu viel Essen landet im Mülleimer. (Quelle: © MSchuppich/ Fotolia.com)

Eine Studie des National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases NIDDK in Bethesda, Maryland belegt es; der Anteil von vergeudeten Lebensmittel hat in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Ein neues Modell zur Datenerhebung liefert die Zahlen.

Bisher lässt sich die Menge von weggeworfenen Nahrungsmitteln nur relativ ungenau ermitteln. Interviews mit Verbrauchern und Inspektionen des Abfalls liefern keine exakten Daten. Ein neues Modell zur Datenerhebung der Studienautoren Kevin Hall und Carson Chow schafft Abhilfe.

Der Weg vom Esstisch in den Abfalleimer ist kurz

Das Durchschnittsgewicht der US-Amerikaner von 1974 bis 2003 wurde im Modell des „menschlichen Metabolismus“ analysiert. Analog hierzu wurde der Nahrungsverzehr unter der Annahme ermittelt, dass während der knapp 30 Jahre nicht mehr Kalorien verbraucht wurden. 

Die sogenannte „fehlende Menge von Essen“ (laut Mathematiker Chow) war immens. Die Forscher definierten das „Essen, das im Müll landet“, aus der Differenz zwischen den vorhandenen Kalorien und den tatsächlich konsumierten Kalorien. Diese Daten basieren auf Berichten der Regierung und der Welternährungsorganisation FAO. 

Das Ergebnis war überraschend und schockierend zugleich. Mit 39 Prozent der zur Verfügung stehenden Lebensmittel landete mehr Essen auf dem Müll, als angenommen. Das US Departement of Agriculture ging „lediglich“ von 27 Prozent aus. In Kalorienangaben ausgedrückt: Jedem US-Bürger standen im Jahr 2003 durchschnittlich 3.750 Kalorien täglich zur Verfügung. Konsumiert wurden lediglich 2.300, sodass 1.450 auf dem Müll landeten. 

Wer trägt die Schuld? Der Endverbraucher oder doch der niedrige Preis?

In vergangenen Tagen galt es als Sünde, Nahrungsmittel nicht zu verwerten, geschweige denn wegzuwerfen. Noch immer teilen breite Schichten der US-Bevölkerung diese Ansicht, wenngleich der Weg zum Mülleimer aufgrund der niedrigen Preise für Lebensmittel nichtmehr allzu beschwerlich wirkt. Was wenig kostet, scheint immer weniger wert zu sein. Nach einer Studie des Soziologen Jeffery Sobal gilt es als erwiesen, dass 60 Prozent der weggeschmissenen Lebensmittel die Konsumenten zu verantworten haben. 

Tristram Stuart, Buchautor und Lebensmittel-Analyst, treibt die bedenklichen Zahlen auf einen neuen, wenngleich auch plakativen Höhepunkt. In seinem Buch „Waste: Uncovering the Food Scandal“ kreidet er an, dass man mehr als sieben Mal alle Hungernden der Erde sättigen könnte, wenn man alle Nahrungsmittel verteilen würde, die sämtliche Europäer und Amerikaner wegwerfen.

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