Natürliches Schmerzmittel

Synthetischer Wirkstoff in einer afrikanischen Pflanze entdeckt

23.09.2013 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Nauclea latifolia Sm. ist eine Medizinpflanze, die in der Wurzelrinde den Wirkstoff Tramadol produziert. (Quelle: © Stefan Dressler / West African plants - A Photo Guide*)
Nauclea latifolia Sm. ist eine Medizinpflanze, die in der Wurzelrinde den Wirkstoff Tramadol produziert. (Quelle: © Stefan Dressler / West African plants - A Photo Guide*)

Forscher haben den bisher vollsynthetisch hergestellten Wirkstoff Tramadol nun in der Wurzelrinde einer afrikanischen Medizinpflanze (Nauclea latifolia Sm.) gefunden. Dies ist ein seltenes Beispiel dafür, dass ein synthetischer Wirkstoff auch in relevanten Konzentrationen in der Natur vorkommt.

Tramadol ist ein pharmazeutischer Wirkstoff, der vollsynthetisch hergestellt und zur Linderung mäßig starker bis starker Schmerzen angewendet wird. Er wurde erstmals von der Grünenthal GmbH in Deutschland produziert und ist seit den späten 1970er Jahren als Schmerzmittel auf dem Markt.  

Afrikanische Medizinpflanze als pflanzliche Quelle

Forscher entdeckten den Stoff nun jedoch auch in der Natur: In der in Afrika heimischen Pflanze Nauclea latifolia Sm. Diese zählt zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) und wächst in tropischem Klima. Die Pflanze gilt als Medizinpflanze und wird in Afrika beispielsweise als natürliches Schmerzmittel, gegen Fieber und auch Malaria eingesetzt.

Auf der Suche nach natürlichen Wirkstoffen zur Behandlung von Schmerzen untersuchte ein Forscherteam die Pflanze Nauclea latifolia Sm. genauer: Die Chemiker fanden den Wirkstoff Tramadol in der Wurzelrinde. Nach mehreren chemischen Untersuchungen konnte belegt werden, dass der Stoff tatsächlich in der Pflanze produziert wird und somit natürlichen Ursprungs ist. Die Ergebnisse waren für die Forscher so überraschend, dass sie drei weitere unabhängige Labore beauftragten, unterschiedliche Proben der Pflanze zu untersuchen. Auch diese bestätigten den Fund. In Versuchen mit Mäusen konnte darüber hinaus die schmerzlindernde Wirkung bestätigt werden. Die Forscher lieferten damit auch Beweise für die Wirkung der traditionell gegen Schmerzen genutzten Medizinpflanze.

Wirkstoff wird in hohen Konzentrationen, aber nur in der Wurzelrinde produziert

Tramadol konnte lediglich in der Wurzelrinde und in keinen anderen Pflanzenteilen, wie den Blättern oder den Zweigen, gefunden werden. In der Wurzelrinde wurden allerdings hohe Konzentrationen gefunden: Die getrockneten Wurzelrinden enthielten 0,4 Prozent des Wirkstoffs.

Die Forscher betonen, dass dies ein seltenes Beispiel dafür ist, dass ein synthetischer Wirkstoff auch in relevanten Konzentrationen in der Natur vorkommt. Zum dritten Mal konnte ein synthetisches und klinisch verwendetes Medikament in natürlichen Quellen identifiziert werden. Allerdings sei dies der erste natürliche Fund in medizinisch relevanten Konzentrationen, der jemals in einer Pflanze gemacht wurde, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Die Wissenschaftler sehen hier noch weiteren Forschungsbedarf. Da bis zu zehn Arten der Gattung Nauclea bekannt sind, sollten diese nun auch auf den Wirkstoff Tramadol hin gescreent werden. Aber auch ein anderer Aspekt wird durch diese Studie deutlich, wie wichtig es ist, die in der Natur vorkommende Vielfalt zu erhalten. Viele noch unbekannte Inhaltsstoffe, egal ob in Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen erzeugt, sind ein Beispiel für die Sinnhaftigkeit, Biodiversität zu erhalten, zu erforschen und zu nutzen. Dies gilt ungeachtet der Tatsache, dass in diesem Fall die Wirksubstanz unabhängig vom Vorbild der Natur durch eine rein chemische Synthese entwickelt wurde.  

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Kommentare

1 05.03.2015
ursula jaros
  

Leider doch nicht wahr, sondern synthetisches Tramadol aus Viehzucht, das sich in der Pflanze angereichert hat:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.201406639/full
(2013 veröffentlichten Wissenschaftler aus Frankreich, der Schweiz und Kamerun die Entdeckung, dass Tramadol in der Wurzelrinde der afrikanischen Arzneipflanze Nauclea latifolia enthalten ist.Weitere Untersuchungen im Jahr 2014 durch deutsche und kamerunische Wissenschaftler ergaben jedoch, dass das Vorkommen von Tramadol in Nauclea latifolia eine Folge davon ist, dass in der betreffenden Region Rinder regelmäßig mit dem Wirkstoff behandelt werden und es so zu einer Kreuzkontamination des Bodens durch Urin und Fäkalien der Tiere kommt, und die Pflanze das Tramadol hieraus aufnimmt und anreichert.)

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