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Nachhaltigkeit: Ursprung und Bedeutung für die Landwirtschaft

Das Ziel: Nachhaltige Landwirtschaft (Quelle: iStockphoto®)

"Nachhaltigkeit" ist ein gängiges Schlagwort, doch was ist darunter zu verstehen und welche Rolle spielt das Konzept in der Landwirtschaft und in der Pflanzenforschung?

 

Der Begriff der Nachhaltigkeit

Der Begriff der "Nachhaltigkeit" wird in vielen Zusammenhängen als Schlagwort benutzt – ob in Politik, Wirtschaft oder Forschung, als Begründung einer Forderung, als Rechtfertigung einer Maßnahme oder als Qualitätsmerkmal eines Produkts. Dabei verwenden jedoch viele Akteure "Nachhaltigkeit" in vielerlei Zusammenhängen – ob Umweltschutz, Ressourcenverbrauch, Landwirtschaft, Forschung, Wirtschaftswachstum, Globalisierung, Arbeitsplatzsicherung, Bildung, Konsumverhalten, Bevölkerungswachstum, Armutsbekämpfung, Verantwortungsbewusstsein, ... .

Was ist unter Nachhaltigkeit also zu verstehen, woher kommt der Begriff und welche Rolle spielt das Konzept in der Landwirtschaft und in der Pflanzenforschung? 

Ursprünge des Begriffs 

Während im internationalen Bereich die Ursprünge des Konzepts der Nachhaltigkeit in einem Bericht des "Club of Rome" aus dem Jahr 1972 und im "Brundtland-Bericht" der Vereinten Nationen gesehen werden, wird in deutschen Quellen darauf hingewiesen, dass der Begriff einer nachhaltenden Nutzung bereits 1713 in der Forstwirtschaft verwendet wurde. Holz war somit die erste Ressource bei der erkannt wurde, dass ihrer langfristigen Nutzung – als Baumaterial und Brennstoff – Grenzen gesetzt sind durch ihre Regenerierbarkeit. 

Die grundlegende Idee, dass es langfristig zu einem Konflikt zwischen gegenläufigen Entwicklungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt kommen kann, wurde also schon knapp 300 Jahren etabliert. Der Begriff der "nachhaltigen Entwicklung" hingegen erst vor gut 25 Jahren. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen berief 1983 eine Kommission ins Leben, deren Hauptaufgabe es war, langfristige Umweltstrategien vorzuschlagen, um nachhaltige Entwicklung zu verwirklichen. Diese "Weltkommission für Umwelt und Entwicklung" wurde nach ihrer Vorsitzenden, der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, gemeinhin als "Brundtland-Kommission" bekannt. Ihren Bericht stellte die Kommission 1987 vor. 


Der Begriff Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft (Quelle: © Bettina Stolze / PIXELIO www.pixelio.de)

Die „Erdgipfel“ von Rio und Johannesburg

Ausgehend vom Weckruf der Brundtland-Kommission entschied die UN-Generalversammlung, für 1992 eine "Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung" einzuberufen. Diese Konferenz, wegen ihrer noch nie dagewesenen Größe und Reichweite gemeinhin auch "Erdgipfel" genannt, fand in Rio de Janeiro (Brasilien) statt. Inhaltlich ging es darum, die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten der Staaten zu überdenken. Es sollten Wege gefunden werden, natürliche Ressourcen zu erhalten und die globale Umweltverschmutzung zu stoppen. Dabei sollten anstehende schwierige und unpopuläre politische Entscheidungen durch die UN Konferenz legitimiert und eine nachhaltige Entwicklung in allen Ländern sichergestellt werden. Die Verflechtung von Umweltschutz, wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlichem Wohlergehen wurden dabei ebenfalls unterstrichen. Der Erdgipfel von Rio mündete in der "Erklärung über Umwelt und Entwicklung“, sowie in der Annahme der "Agenda 21“. Als Nachfolger des Erdgipfels von Rio fand im Jahr 2002 der "Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung"  in Johannesburg (Südafrika) statt. Zehn Jahre nach Rio sollte dieser die vollständige Umsetzung der in Rio beschlossenen Agenda 21 voranbringen. In Südafrika wurden die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen definiert. In diesen kommt der Landwirtschaft bei der Bekämpfung von Hunger und Armut und bei der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung eine herausragende Bedeutung zu.

„Der  Landwirtschaft kommt eine entscheidende Rolle bei der Deckung des Bedarfs einer wachsenden Weltbevölkerung zu, und sie ist auf untrennbare Weise mit der Bekämpfung der Armut, insbesondere in den Entwicklungsländern, verbunden.“ (Johannesburg, 2002)

In Bezug auf Wissenschaft, Forschung und Technologie enthält der Bericht weitere Forderungen. So soll der Einsatz moderner Technologien unterstützt, der Technologietransfer gewährleistet, größere wissenschaftlich-technologische Kapazitäten zu Gunsten der nachhaltigen Entwicklung aufgebaut, wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologien stärker genutzt und sichergestellt werden, dass Wissenschaft, Technologieentwicklung und Ingenieurtechnik eine größere Bedeutung zukommen. 

Das Drei-Säulen-Modell 

Neben der wachsenden Wahrnehmung und Diskussion nachhaltiger Entwicklung in Politik und Gesellschaft wurde das Konzept der Nachhaltigkeit in den letzten Jahrzehnten auch theoretisch diskutiert und weiterentwickelt. Während zu Beginn der Nachhaltigkeitsdiskussion vor allem darauf hingewiesen wurde, dass ungebremstes Wirtschaftswachstum in die ökologische Katastrophe führt, hat sich inzwischen ein Konsens gebildet, dass Umweltschutz auch durch eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung unterstützt werden kann bzw. durch diese erst möglich wird. Es ist weitestgehend unstrittig, dass nachhaltige Entwicklung auf einem Ausgleich zwischen ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zielen beruht – selbst wenn offensichtlich ist, dass es hierbei zu Zielkonflikten kommen kann, z.B. zwischen industriellem Wachstum und dem Erhalt natürlicher Ressourcen. 

Das Spannungsfeld zwischen diesen drei Kategorien wird oftmals in Form des Dreiecks dargestellt. Das grundlegende Problem der nachhaltigen Entwicklung besteht daher weniger in der Frage welche Ziele verfolgt, sondern wie die Zielerreichung gemessen und einzelne Ziele gewichtet werden sollen.  Ein Zielkonflikt besteht z.B. wenn arme Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländer ihre Existenz "heute" auf Kosten der Umwelt "morgen" sichern. Zusätzlich stellen ein Systemdenken und eine Langzeitperspektive wesentliche Merkmale nachhaltiger Entwicklung dar. 

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