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TAB zur Welternährung

Welternährung als Heraus- forderung für die Menschheit (Quelle: iStockphoto®)

Welche Beiträge kann die Forschung zur Sicherung der Welternährung leisten? Dies war Thema einer Veranstaltung des TAB Mitte Juni in Berlin. TAB steht für das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Das TAB ist eine politikberatende Einrichtung und hilft, politische Entscheidungen in den Fraktionen vorzubereiten.

 

Das Thema der globalen Unter- und Mangelernährung ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Politiker und der Öffentlichkeit gerückt. Höhepunkt war sicherlich das Jahr 2008 mit Unruhen in weiten Teilen der Welt auf Grund explodierender Nahrungsmittepreise. Neben den Fragen zur Energiesicherheit oder dem Klimawandel ist die Welternährung ein zentrales Thema der Weltgemeinschaft. Ungefähr 1/5-tel der Weltbevölkerung gelten als mangelernährt. Das Millenniumziel, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Hungernden um 50 % zu reduzieren, rückt momentan in weitere Ferne. Noch nie zuvor hungerten so viele Menschen wie heute, insgesamt einer Milliarde. Nach Hochrechnung der Vereinten Nationen wird sich durch das Bevölkerungswachstum bis zum Jahr 2050 der Bedarf an Nahrungsmitteln erneut verdoppeln. Damit nicht neue Flächen in Produktion genommen und dafür Ressourcen, wie Wälder und Weiden, vernichtet werden, ist die Steigerung der Produktion auf den vorhandenen Flächen eine wichtige Voraussetzung. Ob dies jedoch die einzige Möglichkeit ist, dieser Frage gingen die Teilnehmer des Forums nach. 

Mehr als 100 Vertreter aus Forschung, Wirtschaft, Verbänden und anderen NGO’s aber auch Journalisten und Politiker folgten der Einladung des TAB in das Jacob-Kaiser-Haus des Deutschen Bundestages. Im Vorfeld der Veranstaltung hatte das TAB zahlreiche Gutachten an externe Experten vergeben. Diese waren das Fundament von drei Diskussionsrunden und widmeten sich den Themenfeldern Produktion und Verbrauch, Steigerung der Produktion und Fragen der Transferproblematik sowie der Forschungspolitik. Vor allem sollten bisher vernachlässigte Ansatzpunkte für Forschung und Entwicklung aufgezeigt und zu einer Verstärkung der internationalen und interdisziplinären Kooperationen ermutigt werden. Grundtenor der Veranstaltung war, dass die Wissenschaft und Technik sowie verstärkt auch die Wirtschaft eine bedeutende Rolle bei der Lösung des Ernährungsproblems leisten müssen. Intelligente und flexiblere Rahmenbedingungen sind nötig, um notwendige, integrative Ansätze zu ermöglichen. Hier ist die Politik gefordert.


Um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, sind verbesserte Produktionsverfahren oder mehr Anbauflächen nötig (Quelle: iStockphoto®)

Produktion versus Verteilung – wo liegt das Hautproblem der Hungerbekämpfung?

Die Experten diskutierten darüber, ob das Welternährungsproblem primär noch ein Verteilungs- oder bereits ein Produktionsproblem geworden ist. Die Meinungen hierzu gingen auseinander. Einig waren sich die Experten jedoch in einem Punkt: derzeit gelingt es nicht, die verfügbare Nahrung verlustfrei an den Ort ihrer Bestimmung zu bringen. Neben den Vorernteverlusten, also dem was durch schlechtes Management oder durch Schädlinge noch auf dem Feld vernichtet wird, sind es vor allem die Nachernteverluste, denen eine gesteigerte Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Damit wird bereits deutlich, dass sich neben der Produktionsseite auch die technischen oder kulturellen Aspekte beim Umgang mit Lebensmitteln und zwar bis zum Endkonsumenten hin verändern müssen. 

Das interdisziplinäre Forschungsfeld der Nachernteverlustreduzierung gilt es stärker als bisher zu beforschen. Insgesamt, so Schätzungen, gehen 25-50% der Ernte verloren. Gelänge es diese Verluste zu beseitigen, würden bereits heute 50% mehr Nahrung zur Verfügung stehen. Technische und logistische Lösungen für die Reduzierung der Nachernteverluste gibt es. Durch Armut wird deren Implementierung jedoch verhindert. Armutsbekämpfung ist also ein wichtiger Ansatz, um das Welternährungsproblem zu lösen. Allerdings wissen wir auch, dass in unseren technologisch gut ausgestatteten Regionen immer noch ein Großteil der Nahrungsmittel verdirbt. Neuere Studien aus Österreich oder den USA zeichnen ein sehr ernüchterndes Bild mit über 10 bzw. knapp 40% Verlusten. Um jedoch das Technologieproblem in den Entwicklungsländern zu lösen, ist die Schaffung von Marktzugängen eine wichtige Voraussetzung. Alle möglichen und nötigen Ansätze sind wissenschaftlich zu begleiten und zu unterstützen. Eine integrative Forschung mit vielfältigen Facetten gilt es zu entwickeln, so das Fazit der Experten.

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