Die GATC Biotech AG, eine Firma in Privatbesitz mit über 100 Mitarbeitern und Hauptsitz in Konstanz am Bodensee, bietet ihren Kunden drei verschiedene DNA-Sequenziermethoden mit der passenden Bioinformatik an.
Pflanzenforschung.de: Zwischen welchen DNA-Sequenziermethoden können Ihren Kunden wählen?
Dr. Stangier: Je nach Bedarf bieten wir die klassische Sanger-Sequenzierung mit Readlängen von über 1000 Basenpaaren (bp), die Sequenzierung auf dem GS FLX von Roche mit Reads von durchschnittlich 400 bp und auf dem HiSeq2000 und dem Genome Analyzer, beide von Illumina, mit über 100 bp-Reads an. Die Technologien werden auch kombiniert, so dass alles - von kurzen PCR-Produkten bis hin zu ganzen Transkriptomen und Genomen - sequenziert werden kann.
Pflanzenforschung.de: Wer zählt zu Ihren Kunden?
Dr. Stangier: Unsere Kunden sind in allen akademischen Bereichen, z.B. aus Universitäten, MPIs und anderen Instituten, sowie der Industrie zu finden. Die Aufträge kommen aus den verschiedensten Forschungsgebieten, wie z.B. der Medizin, aus dem Pharmabereich oder der Agrochemie.
Pflanzenforschung.de: Welche biologischen Fragestellungen möchten Ihre Kunden mit den sog. „Next-Generation-DNA-Sequenziergeräten“ beantwortet haben?
Dr. Stangier: Dieses Spektrum ist in den letzten Jahren mit den neuen Sequenziertechnologien sehr breit geworden. In der Pflanzenwelt ist eine Applikation der Vergleich von Transkriptomen. Man kann z.B. untersuchen, wie sich Transkripte sowohl quantitativ als auch qualitativ verändern, wenn man die Pflanze mit Lichtmangel, Sauerstoffmangel oder Chemikalien stresst. Oder genetisch aufklären, warum eine Weizensorte gegen bestimmte Schädlinge resistent ist und eine andere nicht. Es sind also durchaus ganz praxisnahe Fragen. Ähnliche Fragestellungen lassen sich natürlich auch bei Bakterien, Pilzen oder humanen Proben bearbeiten.

Pflanzenforschung.de: Nach welchen Kriterien suchen Sie das passende Gerät aus?
Dr. Stangier: Dies hängt von der Fragestellung selbst und von den bereits vorhandenen Informationen ab. Wenn die Genomsequenz schon bekannt ist, wie bei Mais oder beim Menschen, kann man eine Resequenzierung vornehmen. Handelt es sich um einen Organismus, von dem keine Angaben zur Genomsequenz existieren, muss das Projekt als de novo-Sequenzierung betrachtet werden. Letztendlich ist die bioinformatische Auswertung das entscheidende Kriterium. Bei einer Resequenzierung, egal ob auf Transkriptom- oder Genomebene, kann man die einzelnen Reads – wir reden hier von einigen Millionen - auf die vorhandene Sequenz mappen. Man setzt sozusagen ein Puzzle nach einer Vorlage zusammen. Bei einer de novo-Sequenzierung fehlt diese Vorlage. Je größer die Puzzlestücke, also je länger die Reads, desto eindeutiger kann man die Zusammensetzung auch ohne Vorlage machen. Außerdem werden bei vielen Projekten mehrere Technologien kombiniert, um ein optimales Ergebnis aus langen Reads und hoher Coverage (Abdeckung) zu erhalten.
Pflanzenforschung.de: Was können die neuen „Next-Generation-DNA-Sequenziergeräte“, was mit Sanger nicht möglich war?
Dr. Stangier: Da der Output um ein Vielfaches höher ist und die Kosten per Base deutlich niedriger, lassen sich mit diesen Maschinen Projekte verwirklichen, die früher einfach nicht finanzierbar waren. Man kann z.B. viele Produktionsstämme von Bakterien sequenzieren und vergleichen, entweder in der Qualitätssicherung oder aber auch für die Optimierung der Stämme.
Die de novo-Sequenzierung von großen und komplizierten Pflanzengenomen wird nicht nur finanzierbar, sondern auch in einem kurzen Zeitrahmen möglich. Besonders in der Krebsforschung lässt sich die Entstehung von Tumoren analysieren. Damit lassen sich bessere und effizientere Behandlungsmethoden entwickeln.
Es sind also in vielen Bereichen neue Möglichkeiten entstanden, die unseren Alltag beeinflussen werden.