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Pflanzenforschung.de - Das Webportal zur deutschen Pflanzenforschung




Der Wert der Vielfalt

Welchen Wert hat die biologische Vielfalt (Quelle: © Oliver Mohr / PIXELIO www.pixelio.de)

In Natur- wie in Agrarlandschaften schwindet die Biodiversität. Nicht nur für die Nahrungssicherheit könnte das gravierende Folgen haben. Pflanzenforschung.de versucht einen Gesamtüberblick zu geben.

 

Etwa 380.000 Pflanzenarten gibt es auf der Welt, schätzt die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources. Das „Lehrbuch der Botanik an Hochschulen“ spricht sogar von einer halben Million beschriebener Pflanzenarten und geht von einer großen Zahl nicht erfasster Arten aus. Neuere Schätzungen sprechen zum Beispiel von 300.000 Samenpflanzen, die unsere Welt begrünen. Wie auch immer die tatsächliche Anzahl aussieht, sicher ist, dass aufgrund gefährdeter Lebensräume ein Fünftel aller Pflanzenarten vor dem Aussterben steht. Ursächlich für diese Bedrohung sind vor allem die Abholzung von Wäldern, die Trockenlegung von Feuchtgebieten sowie sich ausdehnende landwirtschaftliche Nutzflächen und Städte.

„Was soll's?“, wird sich mancher fragen, viele der bedrohten Arten kennen wir gar nicht, wie sollen wir sie da vermissen? Überhaupt seien das Aussterben und die Neuentstehung von Arten feste Bestandteile der Erdgeschichte. Nicht zuletzt um solche irreführenden Einwände auszuräumen, bemühen sich Forscher seit Jahren, das Ausmaß der Artenvielfalt zu erfassen und ihren Wert zu quantifizieren.


Insekten übernehmen eine wichtige Aufgabe in der Natur: sie bestäuben Blüten (Quelle: iStockphoto®).

Artenvielfalt ist Billionen Euro Wert

In einer riesigen Studie, dem „The Economics of Ecosystems and Biodiversity“-Bericht, kamen rund 500 Wissenschaftler zu dem Ergebnis, die Kosten der Naturzerstörung und der damit verbundene Artenschwund könnten schon bald in die Billionen gehen.

Allein der jährliche Wert der Bestäubung durch Insekten betrage 153 Milliarden US-Dollar, rechnen die Forscher vor. Das entspreche einem Zehntel der Weltargrarleistung. 

Insbesondere ärmere Menschen profitierten besonders von den Leistungen der Natur: Während beispielsweise in Brasilien nur sechs Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts auf das Ökosystem zurückgingen, seien es eingegrenzt auf den einkommensschwachen Teil der dortigen Bevölkerung 89 Prozent.

Doch wer den ökonomischen Nutzen der Biodiversität ermittelt, stößt auf zwei Probleme: Zum einen gehen die Schätzungen weit auseinander, wie viele Arten es gibt. Die Hälfte aller Pflanzenarten lebt auf nur 2,3 Prozent der globalen Landfläche. Verändern sich diese sogenannten Hotspots der Biodiversität, wandelt sich auch die Zahl der Arten oft dramatisch. Zum anderen gibt es sehr viele Wirtschaftsbereiche, in die die Artenvielfalt hinein spielt. Längst weiß man, dass aus fernen Regionen eingeführte Arten ganze Ökosysteme durcheinander bringen können. Das gleiche könnte auch durch den Verlust einer Schlüsselart geschehen. Doch für verlässliche Prognosen sind die meisten Ökosysteme zu komplex.

Quelle für Heilmittel gegen Krebs

Offensichtlicher ist die Bedeutung der Artenvielfalt, wenn man das genetische Potenzial betrachtet, dass der Menschheit nutzen könnte. Die Pharmaindustrie hat Pflanzen längst als potente Quelle für medizinisch wirksame Substanzen entdeckt. Zugespitzt formuliert bedeutet daher jede Art, die verloren geht, eine Chance auf ein Heilmittel gegen Krebs weniger.


Viele Pflanzen sind für die Arzneimittelindustrie interessant (Quelle: iStockphoto®).

Es ist jedoch nicht nur die unergründete Vielfalt in der wilden Natur, von der der Mensch profitieren kann. Auch in der Landwirtschaft versprechen sich viele Forscher von der unerschlossenen genetischen Vielfalt großen Nutzen. Resistenzen gegen Schädlinge und Toleranzen gegen harsche Umweltbedingungen – all das findet sich in wilden Verwandten heutiger Agrarpflanzen; Potenzial, das nur darauf wartet, identifiziert und in Hochleistungssorten eingebracht zu werden.

Für das Auffinden potenziell interessanter Pflanzen gibt es seit einigen Jahren eine neue Methode: das an das Tilling angelehnte Ecotilling. Anstatt wie beim Tilling mittels Chemikalien Mutationen in Hochleistungslinien zu erzeugen und attraktive Mutationen zurückzukreuzen, durchsucht das Ecotilling die natürliche Vielfalt einer Art nach Variationen.

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