Diese Darstellung fokussiert auf die ökologischen Lösungsansätze zur Steigerung der Lebensmittelproduktion. Links zu den Erläuterungen der sozial-ökonomischen und klimatischen Aspekte finden Sie hier.
Im Juni 2009 fand in Rom ein Expertentreffen unter dem Titel „How to feed the world in 2050“ („Wie kann die Weltbevölkerung im Jahr 2050 ernährt werden“) statt. Dort präsentierte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), vertreten durch Jelle Bruinsma, ihre Studie. Sie führt auf, um wie viel Anbauflächen, Wassermenge und Erntenerträge in den nächsten 40 Jahren wachsen müssen, um die Lebensmittelproduktion der stetig wachsenden Weltbevölkerung anzupassen.
Im September 2009 erschien eine Studie der Deutschen Bank Forschung mit dem Titel „Lebensmittel – eine Welt voller Spannung“. Die Autorin Claire Schaffnit-Chatterjee erläutert darin sowohl ökologische, ökonomische als auch klimatische Lösungsansätze zur Steigerung der Lebensmittelproduktion.
Bevölkerungswachstum bis zum Jahr 2050
Im Jahr 2005 zählte die Weltbevölkerung rund 6,5 Milliarden Menschen. In 40 Jahren, im Jahr 2050, werden es nach Schätzungen der FAO 9,1 Milliarden sein. Dabei wird das Bevölkerungswachstum fast ausschließlich in den Städten der Entwicklungsländer stattfinden. Das größte Wachstum wird mit 108 % für Afrika südlich der Sahara vorausgesagt. Ost- und Südostasien wird die geringste Wachstumsrate von 11 % prognostiziert.
Steigender Nahrungsmittelbedarf der Weltbevölkerung
Der Nahrungsmittelbedarf wird laut der FAO nicht nur wegen des Bevölkerungswachstums steigen. Die Urbanisierung und der damit oft verbesserte Lebensstandard der Menschen werden mit veränderten Ernährungsgewohnheiten in Schwellen- und Entwicklungsländern einhergehen. Die Nachfrage nach Getreide und anderen traditionellen Grundnahrungsmitteln wird sich hin zu tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten verschieben. Die Fleischproduktion verbraucht große Mengen an Getreide als Futtermittel. Außerdem erhöht die Produktion tierischer Nahrungsmittel den Wasserverbrauch erheblich: Die Herstellung von Rindfleisch z.B. verbraucht acht- bis zehnmal soviel Wasser wie die Produktion von Getreide (1). Die Welternährungsorganisation schätzt, dass die Menschen in den Entwicklungsländern 2050 72 % der produzierten Lebensmittel konsumieren werden. Heute sind es 58 %.
Bereits Ende 2009 rechnet die FAO als Folge der Finanzkrise mit einer Milliarde hungernder Menschen – das entspricht einem Sechstel der Weltbevölkerung. Als hungernd gelten Menschen nach einer Definition der FAO dann, wenn sie ihren Tagesbedarf an Kalorien nicht decken können. Einem Erwachsenen sollten pro Tag 1800 Kalorien zur Verfügung stehen.
Nahrungsmittelproduktion muss nahezu verdoppelt werden
Die Studie der Deutschen Bank („Lebensmittel – eine Welt voller Spannung“, 2009), die sich mit der Ernährungssituation der Weltbevölkerung im Jahr 2050 befasst, hält es unter bestimmten Bedingungen für möglich, alle 9,1 Milliarden Menschen im Jahr 2050 ausreichend zu ernähren. Laut der FAO müsste beispielsweise die Getreideproduktion von derzeit 2,1 Milliarden Tonnen bis 2050 um knapp eine Milliarde Tonnen gesteigert werden, die Fleischproduktion um gut 200 Millionen Tonnen auf 470 Millionen Tonnen.
Die Erzeugung von Lebensmitteln in verschiedenen Gebieten der Erde hängt von zahlreichen natürlichen und von Menschen verursachten Faktoren ab. Eine zentrale Rolle dabei spielen die Verfügbarkeit von Anbauflächen und Wasser, die Energieversorgung, der Klimawandel, neue agrarwissenschaftliche und technologische Entwicklungen und der Zugang zu Finanzmitteln. In dieser Zusammenfassung werden nur die ökologischen Aspekte der Studie näher betrachtet.
Um die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, reicht es laut FAO nicht aus, den Ernteertrag dank effektiverer Anbaumethoden zu erhöhen. In den Entwicklungsländern müssten die Ackerflächen um etwa 120 Millionen Hektar wachsen. Dies sei vor allem in Afrika südlich der Sahara und in Lateinamerika möglich.
Maßnahmen zur Ernteertragssteigerung
In vielen Gebieten der Erde sind z.B. die Versorgung der Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen nicht ideal. Die Pflanzen sind nur unzureichend an ihr lokales Umfeld angepasst. Außerdem werden die Ernteerträge durch Schädlinge, Krankheiten oder Unkraut verringert. Ein Patentrezept für die Ernährung der Weltbevölkerung gibt es laut der Studie der Deutschen Bank Forschung nicht. Die Steigerung der Lebensmittelproduktion müsse an die speziellen Bedürfnisse der jeweiligen Region angepasst werden. Grundsätzlich kommen dafür laut der Deutschen Bank Forschung drei Ansätze in Frage: Ein biotechnologischer, ein gentechnischer und ein ökologisch integrierter Ansatz.