Artenreichtum zahlt sich aus

Biomasseproduktion wächst mit Anzahl der Baumarten

21.10.2016 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Waldökosysteme sind wichtige Dienstleister für den Menschen. Je mehr Baumarten sie enthalten, desto produktiver sind sie. (Bildquelle: © Rainer Sturm/pixelio.de)

Waldökosysteme sind wichtige Dienstleister für den Menschen. Je mehr Baumarten sie enthalten, desto produktiver sind sie. (Bildquelle: © Rainer Sturm/pixelio.de)

Forscher untersuchen weltweit den Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Produktivität von Wäldern sowie den wirtschaftlichen Nutzen. Je mehr Baumarten in einem Wald existieren, desto mehr Biomasse wird produziert, so ein wichtiges Fazit der Studie.

Wälder sind die artenreichsten Landökosysteme der Erde. Der zunehmende Verlust der Biodiversität in Wäldern weltweit wird seit Jahrzehnten diskutiert. Maßnahmen werden getroffen, um wieder mehr Mischwälder statt Monokulturen zu bekommen. Trotzdem geht der Artenverlust in den Wäldern immer weiter. Denn neben Monokulturen sind es vor allem Rodungen und mittlerweile auch der Klimawandel, die den Wäldern zu schaffen machen. In einer internationalen Studie, an der auch der Lehrstuhl für Waldwachstumskunde der TU München und das Institut für Biologie II der Universität Freiburg beteiligt waren, konnten Forscher zeigen, dass die Vielfalt an Baumarten die Produktivität eines Waldökosystems steigert.

Artenvielfalt als Wachstumsmotor

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Fichtenwald: Mittlerweile findet ein Umdenken statt - weg von Monokulturen mit Nadelbäumen und hin zu Mischwäldern.

Fichtenwald: Mittlerweile findet ein Umdenken statt - weg von Monokulturen mit Nadelbäumen und hin zu Mischwäldern.

Bildquelle: © Heinrich Linse / pixelio.de

Artenvielfalt als Teil der Biodiversität ist eine wichtige Grundlage für den Erhalt von funktionierenden, vitalen Ökosystemen, die mit ihren Dienstleistungen unsere Lebensgrundlage bilden. Die stetige Abnahme der Artenvielfalt und die damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf Ökosysteme und letztlich auf den Menschen, sind seit Jahrzehnten Gegenstand der Forschung. Bekannt ist: Je höher die Artenvielfalt, desto stabiler das Ökosystem und – zumindest in krautigen Pflanzengemeinschaften wie etwa Wiesen – desto produktiver das Ökosystem, was sich letztlich auch im Geldbeutel des Bewirtschafters bemerkbar macht. Diese Zusammenhänge werden auch mit dem Begriff Biodiversitäts-/Produktivitäts-Beziehung (engl. Biodiversity-productivity-relationship, BPR) zusammengefasst. Diese Beziehung besagt, dass ein Ökosystem mit der Zunahme von Arten im Allgemeinen produktiver wird, wobei allerdings auch die Artenzusammensetzung eine Rolle spielt.

Wissen über Wälder noch unzureichend

Was für Wiesen bekannt ist, wurde für Wälder, trotz ihrer ökologischen und ökonomischen Bedeutung, bisher nur unzureichend untersucht. Dabei sind gerade Waldökosysteme sehr wichtig, da sie neben einer hohen Artenvielfalt auch frische Luft, sauberes Wasser und Rohstoffe liefern. Aus diesem Grund haben sich Forscher in einem internationalen Team zusammengetan, um diese Zusammenhänge für die globalen Wälder zu untersuchen.

Ausgewertet wurden Daten von 777.126 dauerhaften Versuchsflächen in 44 Ländern weltweit – von naturnahen, nahezu unbeeinflussten Wäldern, extensiv und intensiv bewirtschafteten Forsten, von Regenerationsflächen bis hin zum Altholz. Als intensiv genutzt galten Wälder mit mehr als 50 Prozent Einschlag pro Ernte. In der Sstudie erfasst wurden mehr als 30 Millionen Bäume aus 13 Ökoregionen – vom borealen Nadelwald über Laubwälder der gemäßigten Zonen und mediterrane Wälder bis hin zu tropischem Regenwald und Mangroven – und von 8.737 verschiedenen Baumarten. Mit diesen Daten konnten die Forscher die Entwicklung von Wäldern über die letzten 150 Jahre beobachten.

Artenreich ist besser

Für die Auswertung verglichen die Forscher die vorgefundene Anzahl an Baumarten mit dem Biomassezuwachs in dem jeweiligen Waldökosystem. Es zeigte sich, dass eine hohe Vielfalt an Baumarten sich generell positiv auf die Produktivität auswirkte.

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Die kommerzielle Holzproduktion kann der Studie zufolge von Artenreichtum in Forsten profitieren.

Die kommerzielle Holzproduktion kann der Studie zufolge von Artenreichtum in Forsten profitieren.

Bildquelle: © Rainer Sturm / pixelio.de

Auf dieser Grundlage berechneten die Forscher den Wert der Artenvielfalt: Sinkt die Anzahl der Baumarten beispielsweise global um 10 Prozent, würde die Produktivität der Wälder um bis zu drei Prozent verringern, das wären nach Berechnungen der Forscher etwa 13 bis 23 Milliarden US-Dollar Verlust pro Jahr. Sinkt die Artenanzahl um 99 Prozent (also auf nur noch eine Baumart), bräche die Produktivität um 26 bis 66 Prozent ein, auch wenn immer noch die gleiche Anzahl von Bäumen vorhanden wäre. Das ergäbe einen Verlust von 166 bis zu 490 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Forscher betonen, dass diese Verluste sich nur auf die Reduktion von Baumarten beziehen und nicht auf die damit zwangsweise einhergehenden Verluste in der gesamten Biodiversität. Diese Kosten würden vermutlich deutlich höher ausfallen.

Ende der Monokultur?

Ausgehend von diesen Berechnungen schätzen die Forscher den wirtschaftlichen Wert der Baumartenvielfalt in den Wäldern für die kommerzielle Holzproduktion auf 166 bis 490 Milliarden US-Dollar jährlich. Sie weisen darauf hin, dass diese Werte zwei bis sechsmal höher liegen als die jährlichen Aufwendungen, die benötigt würden, um einen effektiven globalen Schutz der Biodiversität zu erreichen. Die Ergebnisse dieser Studie können als weiterer Anstoß genutzt werden, die Artenvielfalt in Wäldern wieder ansteigen zu lassen – weg von Monokulturen und hin zu artenreicheren Wäldern, wie es mittlerweile in vielen Ländern in den Waldbaurichtlinien festgelegt ist.


Quelle:
Liang, J. et al. (2016): Positive biodiversity-productivity relationship predominant in global forests. In: Science, Vol 354, Iss 6309, (14. Oktober 2016), DOI: 10.1126/science.aaf8957.

Zum Weiterlesen:

Titelbild: Waldökosysteme sind wichtige Dienstleister für den Menschen. Je mehr Baumarten sie enthalten, desto produktiver sind sie. (Bildquelle: © Rainer Sturm/pixelio.de)