Blumiger Betrug

Pflanze imitiert den Geruch angegriffener Bienen

14.10.2016 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Der Geruch lockt die Fliegen in die kesselförmigen Blüten, wo sie für etwa einen Tag eingeschlossen werden. (Bildquelle: © Wildfeuer/wikimedia.org; CC BY-SA 2.5)
Der Geruch lockt die Fliegen in die kesselförmigen Blüten, wo sie für etwa einen Tag eingeschlossen werden. (Bildquelle: © Wildfeuer/wikimedia.org; CC BY-SA 2.5)

Die kletternde Leuchterblume lockt Fliegen der Gattung Desmometopa in eine temporäre Falle. Wissenschaftler fanden nun heraus, dass die Pflanze den Geruch angegriffener Bienen nachahmt, um so attraktiv für die Bestäuber zu sein.

In den meisten Fällen ist es ein fairer Deal: Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co laben sich, angelockt durch grelle Farben, betörende Düfte und Ähnlichem, am süßen Nektar von Blüten und unterstützen im Gegenzug Pflanzen bei der Fortpflanzung. Dies geschieht, wenn das Insekt bei der Nektaraufnahme die Pollen von Blüte zu Blüte transportiert (Bestäubung) und so die geschlechtliche Fortpflanzung möglich macht. Solche Symbiosen zwischen Tieren und Pflanzen sind weit verbreitet.

Blender und Betrüger

Es gibt allerdings auch in der Pflanzenwelt Blender und Betrüger, die sich nicht an die Spielregeln des Mutualismus halten. Vier bis sechs Prozent der Pflanzen locken die Bestäuber mit leeren Versprechen an. Die kletternde Leuchterblume (Ceropegia sandersonii) entwickelte im Laufe der Evolution einen ganz speziellen Mechanismus.

Duft lockt Kleptoparasiten an

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Nistfliegen der Gattung Desmometopa (Milichiidae) ernähren sich von Honigbienen, die sie Spinnen streitig machen.

Nistfliegen der Gattung Desmometopa (Milichiidae) ernähren sich von Honigbienen, die sie Spinnen streitig machen.

Quelle: © JonRichfield/wikimedia.org; CC BY-SA 3.0

Die im südlichen Afrika heimische Pflanzenart aus der Gattung der Leuchterblumen (Ceropegia) sendet einen Geruch aus, der wie Honigbienen riecht, die sich in Gefahr befinden. Genau auf diesen Geruch reagieren Fliegen der Gattung Desmometopa (Milichiidae). Für sie bedeutet der Geruch Nahrung. Die zu den Nistfliegen gehörenden Desmometopa leben vergesellschaftet mit Wanzen, Raubfliegen und Spinnen. Den ins Netz der Spinnen gegangen Bienen machen den Fliegen die Beute streitig.

Über den Stachel geben die Bienen in solchen Stresssituationen einen Tropfen Bienengift ab. Neben den Toxinen enthält dieses Exkret auch Alarmpheromone. Das aus 33 verschiedenen Substanzen bestehende Gemisch soll andere Bienen vor der Gefahr warnen.

Der von der Leuchterblume nachgeahmte Geruch lockt die auf Nahrung hoffenden Fliegen in die kesselförmigen Blüten der Pflanze. Dort finden sie aber keine sterbende Biene vor, sondern werden für etwa einen Tag in die Blüte eingeschlossen. Die Pflanze geht so sicher, dass die Fliege in Kontakt mit ihrem Pollen kommt und diesen weitertransportieren kann.

Fliegen werden abermals getäuscht

Um den Bienen- und Blütenduft zu analysieren, setzte das internationale Team um die Wissenschaftlerin Annemarie Heiduk von der Universität Bayreuth die Gaschromatographie-Massenspektroskopie (GC-MS) ein. Beim Vergleich des Bienengifts mit den Duftstoffen der Leuchterblume wurde die Ähnlichkeit deutlich. 60 Prozent der chemischen Verbindungen stimmten überein. Die Leuchterblume imitiert den Geruch einer angegriffenen Honigbiene.

Per Elektroantennographie (GC-EAD) testeten die Wissenschaftler die Wirkung der einzelnen Substanzen auf die Fliegen. Es stellte sich heraus, dass die Desmometopa-Fliegen fast die Hälfte der in beiden Gemischen enthaltenen Substanzen über ihre Antennen wahrnehmen können.

Die Wissenschaftler stellten schließlich die vier Hauptkomponenten synthetisch her und ließen die Fliegen in einem Lockexperiment zwischen dieser Flüssigkeit und einer Kontrollflüssigkeit entscheiden. Die Fliegen zogen die Lockflüssigkeit in der Hoffnung vor, dort eine Mahlzeit zu finden, wurden aber abermals enttäuscht.

Mimikry von hoher Qualität

Täuschungsmanöver, wie das Vorgeben von Nahrungsquellen für Bestäuber, wurden bereits öfters beobachtet. Die Nachahmung des „Angstschweißes“ eines verängstigten Opfers, wie im Falle der kletternden Leuchterblume, ist allerdings eine Mimikry von besonders hoher Qualität.

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