Blutdrucksenker aus dem Kräutergarten

Aloperin aus Sophora flavescens aktiviert selektiv den Kaliumkanal KCNQ5

16.10.2019 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Sophora flavescens: In der traditionellen chinesischen Medizin ist die blutdrucksenkende Wirkung ihrer Wurzeln gut bekannt. (Bildequelle: © photocreate – stock.adobe.com)
Sophora flavescens: In der traditionellen chinesischen Medizin ist die blutdrucksenkende Wirkung ihrer Wurzeln gut bekannt. (Bildequelle: © photocreate – stock.adobe.com)

Pflanzen dienen dem Menschen nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Heilkräuter. Die molekularen Mechanismen dahinter sind oft unbekannt. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass das Alkaloid Aloperin aus dem Schnurbaum (Sophora flavescens) selektiv den Kaliumkanal KCNQ5 öffnet und dadurch eine blutdrucksende Wirkung ausübt.

Lange bevor es Apotheken gab, wussten die Menschen um die Heilkräfte der Natur. Aus archäologischen Funden weiß man, dass vermutlich schon unsere steinzeitlichen Vorfahren vor 800.000 Jahren Pflanzen wie Fenchel, Kamille und Weide als Heilmittel nutzten. Die ersten Hochkulturen in Mesopotamien, Ägypten und China hinterließen sogar schriftliche Nachweise darüber, welchen Pflanzen sie heilende Wirkung zuschrieben.

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Auch Lavendel kann selektiv den Kanal KCNQ5 öffnen. Er ist sogar einer der wirksamsten KCNQ5-Kaliumkanalaktivatoren.

Auch Lavendel kann selektiv den Kanal KCNQ5 öffnen. Er ist sogar einer der wirksamsten KCNQ5-Kaliumkanalaktivatoren.

Quelle: © Hans Braxmeier/Pixabay/CC0

Oft ist noch heute unbekannt, welche Moleküle in den Pflanzen für deren gesundmachende Eigenschaften verantwortlich sind. Wissenschaftler von der University of California haben jetzt entdeckt, dass das Alkaloid Aloperin aus der Wurzel des Schnurbaums (Sophora flavescens) selektiv den Kaliumkanal KCNQ5 aktiviert und dadurch eine blutdrucksenkende Wirkung ausübt. Aloperin ist damit das erste überhaupt bekannte Molekül, das selektiv diesen Kanal öffnen kann.

Blockieren ist leicht, aktivieren schwer

Moleküle, die Ionenkanäle aktivieren, sind besonders schwierig zu finden. „Nur weil ein potenzieller Aktivator an den Kanal bindet, heißt das noch nicht, dass er ihn auch öffnen kann“, erklärt Rían Manville, der an den Experimenten beteiligt war. Aloperin bindet zum Beispiel auch an die Kaliumkanäle KCNQ2, 3 und 4 – öffnet sie aber nicht.

Das Team analysierte insgesamt 15 verschiedene Pflanzen. Darunter zehn, denen eine blutdrucksenkende Wirkung nachgesagt wird, wie Lavendelblätter, Fenchelsamen und Ingwerwurzel. Außerdem testeten sie auch Kräuter wie Grüne Minze, Estragon und glatte Petersilie, für die sie in historischen und aktuellen Quellen keinerlei Hinweise auf eine blutdrucksenkende Wirkung finden konnten. Tatsächlich zeigten ihre Untersuchungen, dass nur die als blutdrucksenkend beschriebenen Pflanzen selektiv den Kanal KCNQ5 öffnen können.

Aloperin als Vorlage für die Wirkstoffentwicklung

Für die weiteren Analysen beschränkten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf die Wurzeln der Pflanze Sophora flavescens, auch bekannt als Schnurbaum oder Ku Shen. In der traditionellen chinesischen Medizin ist ihre blutdrucksenkende Wirkung gut bekannt. Und das zu Recht, wie die Ergebnisse aus Kalifornien zeigen.

„Wir sehen Aloperin als Vorlage für die Entwicklung von neuen Wirkstoffen für die Behandlung von Bluthochdruck“, erklärt Rían Manville, der inzwischen an der University of Brighton eine eigene Arbeitsgruppe leitet. Er geht davon aus, dass die anderen blutdrucksenkenden Pflanzen über eine ganze Schatzkiste an Molekülen verfügen, mit denen sich selektiv der Kanal KCNQ5 öffnen lässt. Weitere Studien sollen jetzt zeigen, welche Moleküle das sind und ob sie sich für klinische Anwendungen noch weiter verbessern lassen.

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