Chemie, Lebensmittelchemie

21.10.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

(Quelle: © iStockphoto.com/ Don Bayley)
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Woraus besteht die Welt? Der Chemiker versucht diese Frage zu beantworten. Er untersucht Stoffe und deren Eigenschaften, analysiert deren Auswirkungen und kreiert neue Stoffe für vielfältige Anwendungsfelder.

Steckbrief Chemie

Die Chemie erforscht den Aufbau, die Eigenschaften, die Zusammensetzung und die Umwandlung von Stoffen bzw. Elementen und Möglichkeiten zur Herstellung (Synthese) neuer, nicht natürlich vorkommender Stoffe. Die Grundlagen des Chemiestudiums bilden die anorganische Chemie (kohlenstofflose Verbindungen), die organische Chemie (Kohlenstoffverbindungen), die physikalische Chemie (physikalische und mathematische Grundlagen), die analytische Chemie (chemische Verbindungen, Verbindungsgemische) sowie die Biochemie (Chemie biologischer Organismen). Hinzu kommen Mathematik und Physik für Chemiker (z.B. Experimentalphysik) und die theoretische Chemie (Reaktionsvorgänge). Zunehmende Bedeutung gewinnt derzeit die makromolekulare Chemie (Polymer-Chemie), die sich mit der Synthese neuer Kunststoffe befasst. Die angewandte Chemie macht chemische Erkenntnisse durch die Entwicklung von Verfahren zur großtechnischen Herstellung von Kunststoffen, mineralischen Düngern oder Schädlingsbekämpfungsmitteln praktisch nutzbar. Zusätzlich können Veranstaltungen aus anderen Fachbereichen belegt werden, wie z.B. Materialforschung, Strukturbiologie oder Chemieinformation. Weitere Bestandteile des Studiums sind Toxikologie und Recht (z.B. Lebensmittelrecht, Patentrecht) sowie Fragestellungen aus den Bereichen Ethik, Fremdsprachen und Betriebswirtschaft.

Je nach Interesse und Studiengang können unterschiedliche Schwerpunktbereiche gewählt werden. darunter beispielsweise theoretische Chemie, Biochemie, Qualitätssicherung, Radiochemie, Umwelt- oder Wasserchemie und Lebensmittelchemie. 

Steckbrief Lebensmittelchemie

Die Lebensmittelchemie befasst sich mit der Chemie der Lebensmittel und ihrer Inhaltsstoffe. Sie untersucht die Zusammensetzung von Lebensmitteln, Veränderungen bei Lagerung und Verarbeitung und prüft die Reinheit und Qualität. Weiterhin befasst sie sich mit Zusatzstoffen, Tabakerzeugnissen, kosmetischen Mitteln und mit Bedarfsgegenständen wie Lebensmittelverpackungen, Reinigungs- und Pflegemitteln sowie Mitteln zur Geruchsverbesserung oder zur Insektenvertilgung in Wohnräumen. Damit unterscheidet sie sich von der Lebensmitteltechnologie (technische Verfahren der Herstellung, Verarbeitung von Lebensmitteln) ebenso wie von der Ernährungswissenschaft (Ernährung des Menschen). 

Das Studium der Lebensmittelchemie hat eine stark analytische Ausprägung und fokussiert auf biologische und mikrobiologische Methoden. Neben den Analysekompetenzen werden vor allem rechtliche Grundlagen des Lebensmittelrechts zur Einordnung der Analyseergebnisse vermittelt. Lebensmittelchemie kann als eigenständiger Studiengang oder als Schwerpunktfach im Rahmen der Studiengänge Chemie oder Pharmazie studiert werden.

Im Masterstudium können entweder die Kernfächer des Bachelorstudiums vertieft studiert werden oder man spezialisiert sich auf ein chemisches Fach, dass im Basisstudium nur am Rande gelehrt wurde. Spezialbereiche der Chemie im Grenzbereich zu anderen Naturwissenschaften sind beispielsweise Geochemie (Chemie des Bodens), Agrarchemie, Pharmazeutische/ Medizinische Chemie, Umweltchemie (Bestimmung von Umweltchemikalien), Bauchemie, Chemieingenieurwesen, Textil- oder Waschmittelchemie. Der interdisziplinäre Studiengang Wirtschaftschemie bietet eine Kombination aus naturwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnissen und befähigt die Studierenden, in unterschiedlichsten Berufsfeldern der chemischen und pharmazeutischen Industrie oder auch bei Beratungsfirmen tätig zu werden.

Im Universitätsstudium stehen die wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden der Chemie und ihrer Anwendungen in der chemischen Industrie im Vordergrund. An Fachhochschulen ist das Studium stärker technisch ausgerichtet und anwendungsbezogener. Das Studium soll hier in erster Linie zur eigenständigen Arbeit im Labor sowie im produktions- und betriebstechnischen Bereich befähigen.

Beschäftigungsmöglichkeiten

Chemiker/innen arbeiten in erster Linie in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, in der Kosmetikindustrie, bei Herstellern von Farben und Lacken sowie Firmen der Dünge- und Pflanzenschutzmittelindustrie. Weiterhin finden sie Beschäftigung bei Klebstoffherstellern, Herstellern von Wasch- und Reinigungsmitteln, in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, in der Baustoff- und Zementindustrie, bei Herstellern von Laborbedarfsartikeln und in Betrieben der Papier-, Glas-, Keramik- und Mineralölindustrie. Auch Hochschulen und Forschungsinstitute, chemische Untersuchungsämter und Umweltbehörden sind mögliche Arbeitsgeber. Chemiker/innen arbeiten auch freiberuflich als Gutachter, Sachverständige oder Berater.

Lebensmittelchemiker/innen arbeiten vor allem in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, der Kosmetikindustrie sowie in der Lebensmittelforschung und amtlichen Lebensmittelüberwachung. Ebenso finden sie Anstellung bei landwirtschaftlichen Forschungsanstalten und als vereidigte Sachverständige.

Fast 90% der Diplom-Chemiker/innen schließt unmittelbar an das Studium eine Promotion an, die vor allem bei einer Beschäftigung in Industrie und Forschung erwartet wird.

Studiengänge

  • Angewandte Chemie
  • Bioanalytik
  • Biochemie
  • Chemie
  • Chemie und Biotechnologie
  • Chemie und Bioingenieurwesen
  • Chemische Biologie
  • Chemical Engineering
  • Chemie und Umwelttechnik
  • Lebensmittelchemie
  • Pharmazeutische Chemie

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