Die alte Dame macht sich hübsch und blickt „aus Tradition in die Zukunft“

05.11.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

(Quelle: © iStockphoto.com/Dinamir Predov)
(Quelle: © iStockphoto.com/Dinamir Predov)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg: Selbstbewusst war sie schon immer, die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, kurz auch Ruperto Carola genannt. Immerhin hat Deutschland älteste Universität auch schon gut über 600 Jahre auf dem Buckel und sucht damit im Land altersmäßig Ihresgleichen.

RUPRECHT-KARLS-UNIVERSITÄT HEIDELBERG 

Die Lehranstalt schmückt sich gerne mit Lorbeeren und Superlativen: in Zeiten von Exzellenzinitiativen und Elitediskussionen kein Wunder, denn nur Dabeisein reicht nicht, Gewinnen ist alles.

Heidelberg/Berlin – Das internationale QS World University Ranking wusste es schon länger. Seit mehreren Jahren platziert sich die Ruprecht-Karls-Universität dort als beste deutsche Universität unter den Top 200, zuletzt auf Rang 57. Auch andere Untersuchungen, wie das deutsche CHE-Ranking bestätigten den Badenern stets höchste Forschungsreputation in verschiedensten Disziplinen. Aber was zählt eine Auflistung, wenn es einen Wettbewerb gibt, bei dem man sich für das Prädikat Elite offiziell bewerben muss? Seit Ende 2007 weiß nun ganz Deutschland: Heidelberg ist herausragend, ist visionär, ist endlich auch Eliteuni. In der zweiten Bewerbungsrunde hat es für die Ruperta Carola schließlich gereicht. Während die Hochschule im ersten Durchlauf noch das Nachsehen hatte und sich nur die Münchner LMU und TU und die Karlsruher als exzellent rühmen durften, gewannen die Heidelberger in der zweiten Bewerbungsrunde das Exzellenzprädikat. Fortan nennt sich die Uni aber nicht Eliteuniversität, sondern Exzellenzuniversität. Soviel Schrulligkeit muss man einer alten Dame lassen.

Zukunftskonzept: neue Formen interdisziplinärer Arbeit und Karriereperspektiven für den Nachwuchs

Das Zukunftskonzept, das den Sieg im Elitekampf schließlich sicherte, nennt sich „Heidelberg: Realising the Potential of a Comprehensive University“ (Heidelberg: Zukunft einer Volluniversität). Das heißt zunächst einmal, dass die Hochschule eine umfassende Anzahl von Studiengängen anbietet, von A wie Archäologie bis Z wie Zoologie, und diese kontinuierlich stärkt. Es bedeutet aber auch, dass Lehre und Forschung möglichst nah beieinander liegen und transdisziplinär gestaltet werden. Beispielsweise durch die Gründung des Marsilius-Kollegs, das das Zusammenwirken unterschiedlicher Wissenschaftsfelder wie Natur- und Geisteswissenschaften in Diskussionen einen will. Das Heidelberger Center for Advanced Study für interdisziplinäre Grundlagenforschung, wie sich das Kolleg auch nennt, läutet diesen Herbst ihrer nächste Fellow-Klasse ein. Wissenschaftler der Uni und der nahen außeruniversitären Einrichtungen können sich für einen Platz vorschlagen lassen oder auch selbst bewerben. Auch die Präsenz in nationalen und internationalen Netzwerken soll im Rahmen Exzellenzinitiative gefestigt und erweitert werden. Als Lösung steht dabei u.a. die strategische Allianz zwischen dem Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg und dem Deutschen Krebsforschungszentrum im Raume. 

Studium generale: fachliche und soziale Kompetenzen

Vom Zukunftskonzept soll besonders der wissenschaftliche Nachwuchs profitieren. Fünf Exzellenzeinrichtungen unterstreichen die Wissenschaftskraft und prophezeien gerade für  Naturwissenschaftler in Heidelberg rosige Zeiten: Zum einen gibt es für Lebenswissenschaftler den Exzellenzcluster „Cellular Networks: From Molecular Mechanisms to a Quantitive Understanding of Complex Functions“, der Verhalten und dynamische Veränderungen biologischer Netzwerke beschreiben und ihre Regulationsmechanismen verstehen will. Zum anderen die Hartmut Hoffmann-Berlin International Graduate School of Molecular and Cellular Biology als Hochburg für Doktoranden. Hier stellen die Nachwuchswissenschaftlicher ihre Module selbst zusammen und müssen aus Kernkursen wie „Yeast as a model“ (Hefe als Modell), „Modeling cellular fiber dynamics and organization“ (Die Dynamiken und Organisation zellularer Ballaststoffe entwickeln), aber auch „Project Management and Communication Skills“ (Projektmanagement und Kommunikationsfähigkeiten) und „Scientific Writing“ (Wissenschaftliches Schreiben) für ihr Curriculum auswählen. Abseits des Exzellenztrubels gehen Lehre wie Forschung weiter ihren Gang. Auch an der Fakultät für Biowissenschaften. 

Breitgefächerte Auswahl für die Wissenschaftler

Im Jahr 2002 ging die Fakultät aus einer Fusion der Bereiche Biologie und Pharmazie hervor und beinhaltet heute die Institute für Zoologie, Neurobiologie, Pharmazie, Molekulare Biotechnologie und das Heidelberger Institut für Pflanzenwissenschaften. (HIP). Das 2001 gegründete HIP vereint alle Aspekte der Wissenschaft von Biodiversität und Zellbiologie über Physiologie und Biotechnologie unter einem Dach. Und konnte sich schnell einen guten Ruf erarbeiten. Die Möglichkeiten an den sieben Abteilungen dieser Fakultät sind für Pflanzenwissenschaftler sehr breitgefächert. Das Motto zum 600jährigen Bestehen aus dem Jahr 1986 „Aus Tradition in die Zukunft“ gewinnt besondere Anschaulichkeit am Beispiel des Botanischen Gartens, der in das HIP intergiert ist. Bereits 1593 wurde er gegründet und beherbergt mehr als 14000 Pflanzenarten. Heute leistet er noch immer Zukunftsarbeit in der Abteilung Biodiversität und Pflanzensystematik, der er angegliedert ist. 

James Bond wäre neidisch: Goldmedaille dank der „Ecolicence to Kill“

In der Abteilung Molekulare Biologie der Pflanzen werden Regulationsmechanismen des Primärstoffwechsels untersucht. Schwerpunktmäßig geht es um den Schwefelmetabolismus, der hauptsächlich an der Ackerschmalwand und Tabakpflanzen beobachtet wird. Themenfelder, die auch von den 39 Doktoranden der hauseigenen Heidelberg Plant and Fungal Biology Graduate School bearbeitet werden. Wer die Wahl hat, hat die Qual: An die biowissenschaftliche Fakultät sind zudem vier Zentren angegliedert, wie z.B. das Biochemie Zentrum Heidelberg. Bestehende Kooperationen mit dem nahe gelegenen European Molecular Biology Laboratory und dem Deutschen Krebsforschungszentrum weiten die Palette der Möglichkeiten für Wissenschaftler noch aus. Und auch hier geht es exzellent zu. Beispielsweise im Feld synthetische Biologie. Im Herbst 2008 traten 15 Heidelberger Studenten beim internationalen iGEM-Wettbewerb des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston erstmals an und konnten gleich drei Spezialpreise und eine Goldmedaille gewinnen. Ihr Projekt „Ecolicence to Kill“ überzeugte. Ziel war das Erbgut von Bakterien so umzubauen, dass sie gezielt andere Keime oder Tumorzellen aufspüren und abtöten können. 

Immer offen für Neues

Gegründet wurde die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg noch im damaligen Deutschen Reich 1386 und lehrte über vier Jahrhunderte hinweg an den Fakultäten Medizin, Theologie, Recht und Philosophie. Die heute vom CHE-Ranking  so hochgelobte Fakultät für Naturwissenschaften kam erst 1890 dazu. Getreu dem Motto „Semper apertus“ (immer offen) kamen noch weitere hinzu, so dass es seit 2002 nun 12 Fakultäten gibt. Insgesamt waren im Wintersemester 2008/09 27602 Studierende in den 184 Fächern in Heidelberg eingeschrieben. 1039 erhielten 2008 ihren Doktortitel, 85 ihre Habilitation. Dr. rer. nat. Dr. rer. nat. habil. Bernhard Günter Heinrich Eitel steht der Hochschule als Rektor vor und sorgt dafür, dass die Volluniversität ihren Traditionen treu bleibt, aber visionär in die Zukunft blickt. Denn schließlich gibt es jedes Jahr aufs Neue Goldmedaillen zu gewinnen und Rankings zu toppen. 

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