Die Uni der Möglichkeiten: Moderne Forschungseinrichtungen Leistungsprinzip = Elite?

10.11.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Zentralinstitut für Ernährungs- & Lebensmittelforschung. (Quelle: © Uli Benz)
Zentralinstitut für Ernährungs- & Lebensmittelforschung. (Quelle: © Uli Benz)

Technische Universität München: An der TU München stehen die Zeichen auf Zukunft, nicht nur, aber besonders seit der Adelung zur Eliteuniversität im Jahr 2006. Als eine der größten technischen Hochschulen Deutschlands mit über 24.000 Studierenden, will die TUM als „Leuchtturm der Wissenschaft“ nun in die ganze Welt strahlen, obwohl sie im internationalen Vergleich bislang chancenlos war.

TECHNISCHE UNIVERSITÄT MÜNCHEN (TUM)

München/Berlin – Spitze, elitär, exzellent – welche Hochschule würde sich nicht gerne mit diesen Attributen schmücken?  Seitdem die TU München als eine der ersten Universitäten Deutschlands das Exzellenzprädikat erhielt, darf sie sich offiziell Eliteuniversität nennen. Für die Lehranstalt, die 13 Fakultäten und 133 Studiengängen vereint, ein Segen, aber auch die Herausforderung, international besser wahrgenommen zu werden.

Deutschlandweit genießt die ehemalige Königlich-bayerische polytechnische Schule schon länger ein hohes Renommee. Auf der universitären Weltkarte spielte sie bislang jedoch keine bedeutende Rolle. Doch immerhin, ein Hochschulranking der Humboldt-Stiftung vom Juni 2009 schließt positiv für die Münchner: wenn ausländische Naturwissenschaftler nach Deutschland zum Studieren kommen, so führt sie ihre Reise am häufigsten in die bayerische Hauptstadt, an die TU.

TU will Frauenanteil erhöhen

Mit den 30 Millionen Euro, die die Hochschule noch zwei weitere Jahre lang als Förderung im Rahmen der Exzellenzinitiative erhält, soll die Reputation weltweit noch verbessert werden. Die TUM will noch wettbewerbsfähiger werden, um so einmal ihren amerikanischen und britischen Kollegen Konkurrenz machen zu können. Ein besonderes Augenmerk liegt hier auch auf den Frauen. Während momentan gerade einmal 32% der Studierenden weiblich sind, hat es sich die technische Hochschule zum Ziel gesetzt, für Studentinnen und Wissenschaftlerinnen der Top Standort in Deutschland zu werden. Eine gute Vereinbarkeit von Beruf/Studium und Familie soll dafür sorgen.

Global Player durch gebündelte Kompetenzen

Die Bayern arbeiten daran, ihrem Motto „Die unternehmerische Universität“ gerecht zu werden, Wissenstransfer einfacher, die Lehre effizienter zu machen. Ein Netzwerk aus 151 Partneruniversitäten auf der ganzen Welt, 60 Studiengänge mit Masterabschlüssen (18 davon komplett auf Englisch) tragen schon jetzt zum Gelingen der global agierenden „Firma“ TU München bei. Die Gründung einer Niederlassung in Singapur, dem German Institute of Science and Technology (GIST) aus dem Jahr 2002 ist ein Statement für internationale Hochschulpolitik made in Germany.

Ein weiterer Schritt in diese Richtung bildet das Projekt TUM International Graduate School of Science and Engineering (IGSSE), eine große, fächerübergreifende Graduiertenschule. So sollen die Grenzen fließender und die Forschung noch interdisziplinärer werden. Tatsächlich taten sich die Münchner mit Verzahnung bislang schwer, wenigstens rein örtlich. Die Lehre findet hauptsächlich auf drei weit voneinander entfernten Gebieten statt. Bauingenieure, Elektrotechniker und Wirtschaftswissenschaftler lernen traditionell am Stammgelände in der Münchner Innenstadt, Physiker, Chemiker und Maschinenbauer in Garching, Biologen, Agrarwissenschaftler und Umweltwissenschaftler am Campus in Freising-Weihenstephan.

Von der Peripherie in die Welt

Gerade die 3000 Studierenden am 2000 gegründeten Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt, kurz WZW, sind besonders weit entfernt vom quirligen Leben im „Millionendorf“ München. Der Leitsatz der TU München „Zuhause in Bayern, erfolgreich in der Welt“ ist hier besonders wahr - in beiderlei Hinsicht. Ein moderner Standort mit sechs Forschungsdepartments und sechs Studienfakultäten, das 2003 eröffnete Zentralinstitut für Ernährungs- und Lebensmittelforschung (ZIEL) und der Bau eigener Studentenwohnheime trösten über die Randlage hinweg.

Das WZW entwickelt sich weiter von einer reinen Lehranstalt, hin zu einem progressiven Campus – im Münchner Universitätsbetrieb ein Novum. Zeitgemäß und fortschrittlich ist auch die Forschung, beispielsweise bei den Biologen. Während des Studiums absolvieren sie mehrere verpflichtende Praktika in universitätseigenen Labors. Laut Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) 2008 sind die Biologen der TU München im Vergleich mit 47 Hochschulen besonders forschungsstark. Zusammen mit der Universität Heidelberg erreicht die TUM sechs von sieben Spitzenplätzen. Nur die Tübinger forschen noch mehr.

Münchner Mekka für Pflanzenforscher: Weihenstephan

Das Life and Food Science Center, wie sich das WZW auf Englisch nennt, vereint die Fakultäten Agrar- und Gartenbauwissenschaften, Biowissenschaften, Brau- und Lebensmitteltechnologie, Ernährungswissenschaft, Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement und Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung unter einem Dach. Der Fokus in Lehre und Forschung liegt auf Biowissenschaften, Lebensmitteltechnologie/Ernährung, Landnutzung und Umwelt. Die Kombination dieser Schwerpunkte birgt Potenzial und veranschaulicht das Prinzip „university of opportunities“, Universität der Möglichkeiten, wie Wolfgang A. Hermann, Präsident der TU, die Hochschule nennt. Auch hier ist Interdisziplinarität das Schlüsselwort. Umgesetzt wird es bereits in den ersten zwei Semestern des Grundstudiums, das für Studierende aller Fächer weitestgehend gleich ist. Danach ist ein Wechsel in ein anderes Fach noch problemlos möglich.

Agrarnetzwetzwerk gegen den Ressourcenmangel

Pflanzenforscher erwartet in Weihenstephan ein eigenes Forschungsdepartment „Pflanzenwissenschaften“ und die Forschungseinrichtung „Gewächshauslaborzentrum Dürnast“, wo wissenschaftliche Experimente am Objekt Pflanze durchgeführt werden. Für einen kontinuierlich rasanten Fortschritt und die feste Verankerung exzellenter Bedingungen für die Pflanzenforscher setzt sich nun auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung  (BMBF) gezielt ein.

Im Rahmen der Maßnahme „Kompetenznetze in der Agrar- und Ernährungsforschung“ will das Ministerium die besten wissenschaftlichen Kompetenzen von deutschen Einrichtungen bündeln. Die Weihenstephaner gehören diesem Netzwerk an. In den nächsten fünf Jahren werden bis zu 12 Millionen Euro für den  fächerübergreifenden Innovationscluster „Synergistische Pflanzen- und Tierzüchtung“ (Synbreed) zur Verfügung gestellt. Unter der Führung des WZW forschen künftig sieben Forschungseinrichtungen und zwei Industriepartner an agrarwissenschaftlichen Schlüsseltechnologien. Die Gruppe wird sich hauptsächlich mit der genombasierten Züchtungsforschung bei Nutzpflanzen- und Tieren beschäftigen.

Gefahren wie Mangelernährung, der Rückgang biologischer Vielfalt und der globale Klimawandel stellen enorme Herausforderungen an moderne Züchtungsverfahren. Diesen Herausforderungen stellen sich erfahrene Forscher Seite an Seite mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs durch Projekte wie „Synbreed“. TUM-Präsident gerät bei soviel Unternehmergeist ins Schwärmen: „Synbreed unter TUM-Führung bestätigt abermals, dass wir mit der Struktur- und Berufungspolitik im Wissenschaftszentrum Weihenstephan auf dem richtigen Kurs sind.“

Eliteuni sucht Ihresgleichen

Um sich für ein Studium an der TUM zu qualifizieren, reichen gute Abiturnoten längst nicht mehr aus. Spitzenforschung soll betrieben werden in einem leistungsorientierten Umfeld. Daher müssen sich Interessierte der meisten Studiengänge für einen Studienplatz auch passend präsentieren können, in einem Eignungsfeststellungsverfahren. Im persönlichen Gespräch müssen die TU-Anwärter überzeugend darstellen, warum sie an der Eliteuni studieren wollen. Wer aufgenommen wird, sollte die TUM nach Möglichkeit auch schnell wieder verlassen: ein Auslandsaufenthalt ist zwar keine Pflicht, wird aber sehr gerne gesehen.

Die 2007 eingeführten Studiengebühren belaufen sich auf 500 € pro Semester. Hinzu kommt ein Studentenwerksbeitrag von 42 €. Doch es lohnt sich an einer großen, bekannten Eliteuni zu studieren. „Die unternehmerische Universität“ ist gut vernetzt. Schon während des Studiums können gute Kontakte in die Berufswelt geknüpft werden und auch danach hält die TUM ihre schützende Hand über die Absolventen. Dank Verbindungen zu privaten und industriellen Partnern.

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