Die Wiege der Gartenbohne

08.03.2012 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Mexikanische Wildbohnen haben den besseren Genpool, als ihre Verwandten aus den Anden. (Quelle: © Mario Heinemann/ pixelio.de)
Mexikanische Wildbohnen haben den besseren Genpool, als ihre Verwandten aus den Anden. (Quelle: © Mario Heinemann/ pixelio.de)

Die Gartenbohne stammt aus Mexiko und nicht wie bisher angenommen aus den südamerikanischen Anden. Wissenschaftler empfehlen daher, die Zuchtstrategie für die grüne Hülsenfrucht zu ändern und verstärkt auf die mittelamerikanischen Vorfahren zu setzen.

In Deutschland kommt sie häufig als grüne Prinzessbohne auf den Tisch, die Gartenbohne Phaseolus vulgaris. Sie gehört zu den wichtigsten Kulturbohnen in Europa und Amerika. Ihre nierenförmigen Samen, die wir als Kidneybohnen kennen, sind für Menschen und Tiere eine wichtige Quelle für pflanzliches Eiweiß, Eisen und Vitamine. In vielen Ländern Süd- und Mittelamerikas ist die Hülsenfrucht sogar eines der Hauptnahrungsmittel. Darüber hinaus werden Bohnenpflanzen gezielt eingesetzt, um Ackerböden verloren gegangenen Nährstoffe wieder zu zuführen. Im Gegensatz zu anderen Pflanzen können Bohnenpflanzen als Leguminosen durch Symbiose mit Mikroorganismen Stickstoff aus der Luft fixieren und ersetzen in vielen Fällen den Kunstdünger. Aus diesen Gründen  werden derzeit in Europa Strategien entwickelt, um den Anbau von Leguminosen zu fördern und ertragreichere Sorten zu züchten.

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Machu Picchu in den Anden Perus. Bisher dachten Wissenschaftler, dass die Kulturbohne Phaseolus vulgaris aus diesem Gebiet Südamerikas stammt. Neuen Ergebnissen zufolge ging die grüne Hülsenfrucht jedoch aus mexikanischen Wildpflanzen hervor. (Quelle: © Claudia Kaufmann/ pixelio.de)

Machu Picchu in den Anden Perus. Bisher dachten Wissenschaftler, dass die Kulturbohne Phaseolus vulgaris aus diesem Gebiet Südamerikas stammt. Neuen Ergebnissen zufolge ging die grüne Hülsenfrucht jedoch aus mexikanischen Wildpflanzen hervor. (Quelle: © Claudia Kaufmann/ pixelio.de)

Vor etwa 500 Jahren kam Phaseolus vulgaris aus Amerika nach Europa. Dort liegt die Wiege der Phaseolus-Bohnen und bis heute findet man Wildformen der Gartenbohne zwischen Argentinien und Mexiko. Für die Bohnenzucht liefern diese ursprünglichen Wildpflanzen wichtige genetische Ressourcen. Ihre Herkunft ist daher auch für Wissenschaftler interessant. Bisher glaubte man, dass die domestizierte Gartenbohne aus Wildpflanzen der Anden hervorging. Laut der  sogenannten Northern Peru-Ecuador Hypothese breitete sich die grüne Bohne dann in den Norden Ecuadors aus und gelangte schließlich über Kolumbien nach Zentral- und Mittelamerika. Wilde Bohnenpflanzen aus den Anden galten daher bislang als besonders ursprünglich und wurden in viele heutige Bohnensorten eingekreuzt, um diese zu verbessern.

Diese Zuchtstrategie könnte sich jetzt ändern. Neue Ergebnisse geben ein anderes Bild von der Entstehungsgeschichte der gemeinen Gartenbohne, die der Northern Peru-Equador Hypothese widersprechen. In der Studie untersuchten Wissenschaftler, woher die zwei unterschiedlichen Genpools stammen, die Wildbohnen aus den Anden von denen der Siedlungsgebiete Mittelamerikas unterscheiden. Sie untersuchten dazu die genetische Variabilität in über 100 Pflanzenpopulationen aus den Anden Perus bis in den Norden Mexikos. Fünf Gene verglichen die Wissenschaftler, aus denen sie Stammbäume errechneten. Demnach entstanden die Kulturpflanze Gartenbohne nicht aus den Wildformen der Anden, sondern in Mexiko und breiteten sich von dort in die anderen Regionen und die Anden aus.

Die Wildbohnen Mittelamerikas besitzen laut der Studie auch den vielfältigeren Genpool im Vergleich zu ihren Verwandten aus den Bergen. Den Verlust der genetischen Variabilität der Anden-Wildpflanzen erklären die Wissenschaftler mit einem sogenannten genetischen Flaschenhals, dass schon vor der Domestizierung der Gartenbohne stattgefunden haben muss. Bei diesem Ereignis pflanzen sich nur noch wenige Individuen einer Population fort und der Genpool und seine Variabilität schrumpfen.

Die Wissenschaftler empfehlen daher, zukünftig nicht mehr die Wildpflanzen der Anden für die Bohnenzucht zu nutzen. Stattdessen sollten Pflanzenzüchter lieber die Wildformen des mittelamerikanischen Genpools in Kulturpflanzen einkreuzen, um deren Erträge und andere Eigenschaften zu verbessern.
 

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