Ein Tag für die Pflanzenwissenschaften

Interview mit dem Studenten Jan Fritz

09.06.2017 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Am 23. Mai 2017 fand der erste „Tag der Pflanzenwissenschaften“ an der Leibniz Universität Hannover statt. (Bildquelle: Fachrat Pflanzenwissenschaften)
Am 23. Mai 2017 fand der erste „Tag der Pflanzenwissenschaften“ an der Leibniz Universität Hannover statt. (Bildquelle: Fachrat Pflanzenwissenschaften)

Studierende der Fächer Gartenbauwissenschaften und Pflanzenbiotechnologie der Leibniz Universität Hannover haben sich zum Ziel gesetzte, auf ihre „grünen“ Studiengänge aufmerksam zu machen. Um zu verdeutlichen, wie wichtig der Erhalt dieser Studienrichtungen ist, haben sie kurzerhand den ersten „Tag der Pflanzenwissenschaften“ organisiert. Pflanzenforschung.de sprach mit Jan Fritz, dem Vorsitzenden des Fachrats Pflanzenwissenschaften, einem der Veranstalter des Aktionstags.

Pflanzenforschung.de: Am 23. Mai 2017 fand der erste „Tag der Pflanzenwissenschaften“ an der Leibniz Universität Hannover statt. Was wurde den Besuchern dort geboten? 

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Pflanzenforschung.de sprach mit Jan Fritz, dem Vorsitzenden des Fachrats Pflanzenwissenschaften - einem der Veranstalter des Aktionstags.

Pflanzenforschung.de sprach mit Jan Fritz, dem Vorsitzenden des Fachrats Pflanzenwissenschaften - einem der Veranstalter des Aktionstags.

Bildquelle: Fachrat Pflanzenwissenschaften

Fritz: Der Tag fand auf unserem Campus in Herrenhausen statt und war als Kontaktmesse geplant. In unserer Gewächshausanlage hatten einige Partner – darunter gartenbauliche Unternehmen, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Verbände und Forschungseinrichtungen – Stände aufgebaut. Dort präsentierten sie sich und aktuelle Forschungsfelder und waren offen für Gespräche mit den Besuchern.

Darüber hinaus wurde eine Reihe an Vorträgen gehalten, beginnend mit der Begrüßung durch Dekan Prof. Dr. Schmitz und einer Festrede vom Generalsekretär des Zentralverbands Gartenbau e. V. (ZVG), Bertram Fleischer. Wir hatten auch einige Schulklassen zu Gast, für die wir exklusive Führungen durch die Abteilungen organisierten. 

Pflanzenforschung.de: Wer steckt hinter dieser Initiative?

Fritz: Unser Fachrat Pflanzenwissenschaften hat den Aktionstag geplant und durchgeführt. Es war alles studentisch und auf freiwilliger Basis organisiert. Wir haben die Kontakte zu den Partnern hergestellt, das Programm gestaltet und die gesamte Vorbereitung und Organisation des Tages übernommen.

Pflanzenforschung.de: Dass Studenten solch einen Tag komplett autark auf die Beine stellen, ist außergewöhnlich! Wie kam es zu der Idee, einen solchen Tag zu organisieren? 

Fritz: Wir kamen im Herbst 2016 erstmals auf die Idee. Der Auslöser war, dass seit einigen Jahren deutschlandweit beim Gartenbau und den Pflanzenwissenschaften an Universitäten massive Stellenkürzungen zu beobachten sind. Sei es, dass Professuren nicht neu besetzt werden oder ganze Abteilungen schließen müssen. Darunter leidet die Lehre – Professoren und Dozenten müssen mehr übernehmen, Tutorien werden gestrichen und die Kapazitäten für experimentelle und praxisrelevante Arbeiten nehmen ab. Abschlussarbeiten brauchen nun einmal viel Betreuung.

Pflanzenforschung.de: Und Sie wollten auf diese Missstände aufmerksam machen?

Fritz: Genau. Wir wollten einerseits darauf hinweisen, dass die Pflanzenwissenschaften relevante und unterstützenswerte Studienrichtungen sind. Andererseits wollten wir die Kooperation zwischen potenziellen Arbeitgebern wie Unternehmen und den Studierenden sowie Forschenden fördern. Daher haben wir auch Partner eingeladen, zu uns zu kommen. Letztendlich sind elf Partner unserer Einladung gefolgt.

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In mehreren Vorträgen hatten Besucher die Möglichkeit, mehr über Berufsperspektiven und Forschungsaktivitäten in den Pflanzenwissenschaften zu erfahren.

In mehreren Vorträgen hatten Besucher die Möglichkeit, mehr über Berufsperspektiven und Forschungsaktivitäten in den Pflanzenwissenschaften zu erfahren.

Bildquelle: Fachrat Pflanzenwissenschaften

Pflanzenforschung.de: Welche Vorteile haben Studierende von den Kontakten zu beispielsweise Unternehmen und umgekehrt?

Fritz: Von Seiten der Industrie oder anderer potenzieller Arbeitgeber besteht Interesse an gut ausgebildeten Pflanzenwissenschaftlern. Und die Studierenden können sehen, welche beruflichen Karrieremöglichkeiten es mit ihrer Qualifikation gibt und schon erste Kontakte knüpfen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, Abschlussarbeiten in Kooperation mit solchen Partnern zu schreiben. Auch hierfür braucht man Kontakte. Und die Mitarbeiter in unseren Fachrichtungen haben durch solche Treffen die Chance, neue Forschungsprojekte anzustoßen.

Pflanzenforschung.de: Wie war die Resonanz auf euren „Tag der Pflanzenwissenschaften“?

Fritz: Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen! Es kamen mehr Besucher, als wir gedacht hatten. Schönes Beispiel: In unserem Vortragsraum hatten wir 70 Stühle aufgestellt und mussten gleich beim ersten Vortrag noch 20 zusätzliche Stühle hineinstellen, weil der Andrang so groß war – und es saßen immer noch rund 50 Gäste auf dem Boden.

Pflanzenforschung.de: Wie viele Besucher waren insgesamt vor Ort?

Fritz: Über den Tag verteilt waren etwa 300 Personen bei uns. Darunter waren nicht nur unsere Studierenden, Mitarbeiter und Lehrende, sondern auch externe Gäste, beispielsweise von anderen Hochschulen, wie Osnabrück, Berlin und sogar aus München kamen zwei Studis – was uns natürlich besonders gefreut hat, da sie lange Anfahrtswege in Kauf genommen haben. Leider vermissten wir regionale Politiker und Vertreter des Unipräsidiums, die wir eingeladen hatten.

Und die Rückmeldungen der Gäste waren durchweg positiv. Auch unsere Dozenten waren schwer begeistert von dem, was wir auf die Beine gestellt haben. Den Partnern werden wir im Nachgang auch noch einen kurzen Evaluationsbogen schicken, um ihre Eindrücke noch einmal gezielt abzufragen.

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Es fanden auch Führungen mit Schulklassen statt.

Es fanden auch Führungen mit Schulklassen statt.

Bildquelle: Fachrat Pflanzenwissenschaften

Pflanzenforschung.de: Euer Aktionstag fand im Rahmen des internationalen „Fascination of Plants Day“ 2017 statt. War das Zufall oder wurde der Tag für diesen Anlass kreiert?

Fritz: Das war wirklich Zufall. Es war nicht der Fascination of Plants Day, der die uns aktiviert hat. Vielmehr hatten wir unseren Aktionstag geplant und wurden erst während der Planung durch eine unserer Professorinnen, Prof. Dr. Winkelmann, darauf aufmerksam gemacht. Sie hat uns vorgeschlagen, dass wir unseren Tag auch im Rahmen des internationalen Aktionstags anmelden. Da dies thematisch sehr gut passte, haben wir das gern gemacht.

Pflanzenforschung.de: War euer „Tag der Pflanzenwissenschaften“ eine einmalige Aktion oder wird es den Tag auch in Zukunft geben?

Fritz: Wir haben bereits darüber nachgedacht, aber wir warten erst das finale Feedback der Befragung ab. Ein solcher Tag ist allerdings mit hohem Aufwand für die Organisatoren verbunden. Daher würden wir eine solche Aktion nicht jährlich planen können. Da es weiter von Studierenden organisiert werden soll, wäre eher ein zweijähriger Turnus vorstellbar. Unsere Planung ist auch etwas abhängig von der geplanten Studiengangsreform und den damit verbunden Veränderungen.

Pflanzenforschung.de: Was ist geplant?

Fritz: Derzeit vertreten wir als Fachrat die angebotenen Studienfächer „Gartenwissenschaften“ und „Pflanzenbiotechnologie“ – jeweils im Bachelor- und im Masterstudiengang – sowie den internationalen Masterstudiengang „International Horticulture“. Die beiden ersten Studiengänge sollen jedoch zu einem einzigen vereinigt werden, der „Molekulare und Angewandte Pflanzenwissenschaften“ heißen soll. Daher haben wir unseren Fachrat Gartenbauwissenschaften & Pflanzenbiotechnologie auch in Fachrat der Pflanzenwissenschaften umbenannt.

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Der 1. „Tag der Pflanzenwissenschaften“

Wann fand er statt? Am 23. Mai 2017 

Wo fand er statt? An der Leibniz Universität Hannover, Campus Herrenhausen

Wer hat ihn initiiert? Studierende des Fachrats Pflanzenwissenschaften

Was war das Ziel? Die Relevanz der pflanzenwissenschaftlichen Studiengänge aufzuzeigen und Kontakte zwischen Studierenden und potenziellen Arbeitgebern aufzubauen

Im Zuge der Umstrukturierung könnte bei einigen Studierenden dann die Zeit für die Organisation zusätzlicher Veranstaltungen fehlen. Da müssen wir abwarten, wie sich das entwickelt.

Pflanzenforschung.de: Und was studieren Sie und warum haben Sie sich dazu entschieden, ein pflanzenwissenschaftliches Studium zu beginnen?

Fritz: Ich studiere Gartenbauwissenschaften im Bachelor. Ursprünglich komme ich aus Tübingen bei Stuttgart - dort habe ich eine Lehre zum Gärtner gemacht und auch als Gärtner gearbeitet. Das ist ein schlecht bezahlter und körperlich sehr anstrengender Beruf.

Als ich beschloss, mich hier noch weiter zu professionalisieren, habe ich mich in Deutschland nach Orten umgeschaut, an denen für mich passende Studiengänge angeboten werden. Ich habe mich recht schnell für die Universität Hannover entschieden, weil mich das breite Programm, das hier angeboten wird, überzeugte. Auch wenn wir hier noch gut aufgestellt sind, kämpft der universitäre Gartenbau in ganz Deutschland um seine Existenz. Daher ist mir ein solcher Aktionstag, wie wir ihn organisiert haben, auch so ein großes persönliches Anliegen.

Pflanzenforschung.de: Haben Sie vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

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