Eine gesunde Ernährung befreit die Atemwege

Ballaststoffreiche Nahrung lindert Lungenkrankheiten, zumindest bei Mäusen

27.01.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Eine bewusste und ballaststoffreiche Ernährung wirkt sich nicht nur positiv auf die Figur aus. (Quelle: © S.Thiedemann / pixelio.de)
Eine bewusste und ballaststoffreiche Ernährung wirkt sich nicht nur positiv auf die Figur aus. (Quelle: © S.Thiedemann / pixelio.de)

Das Wohlbefinden des Menschen hängt maßgeblich von der Ernährung und seinem Mikrobiom ab. Es gibt neue Studien, die zeigen, dass uns die richtige Ernährung kreativer macht.  Für eine gesunde und ausgeglichene Ernährung sind vor allem Vitamine, Mineralien und Proteine, Zucker, Fette und nicht zuletzt Ballaststoffe wichtig.

Ballaststoffe sind keine Belastung, im Gegenteil

Anders als der Name vermuten lässt, stellen Ballaststoffe keine unnötige oder zusätzliche Belastung für den Körper dar. Im Gegenteil, sie sind wichtiger als gedacht und gehören heute zu einer gesunden Ernährung dazu. Sie regen die Verdauung an, senken den Cholesterinspiegel und können, wie Forscher neuerdings bei Mäusen festgestellt haben, auch bei einer entzündlichen Erkrankung der Lunge, wie zum Beispiel Asthma, einen positiven Einfluss haben. In Anbetracht der Tatsache, dass die Zahl der Kinder und Erwachsenen, die unter Asthma leiden, weltweit zunimmt, könnte das Wissen um diesen Zusammenhang, wenn es auf Menschen übertragbar ist,  von großem Nutzen sein. Ballaststoffe sind Nahrungsbestandteile, wie zum Beispiel Schalenteile oder Gerüstsubstanzen von Pflanzen, die vom Menschen entweder gar nicht oder nur unvollständig verdaut werden. Sie werden in zwei Hauptgruppen unterschieden, in wasserlösliche und unlösliche. Beiden gemeinsam ist ihr Ursprung, sie sind Bestandteile pflanzlicher Nahrung.

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Die Ausscheidungen der Hausstaubmilbe (Dermatophagoides pteronyssinus) gehören zu den häufigen Auslösern von Asthma.

Die Ausscheidungen der Hausstaubmilbe (Dermatophagoides pteronyssinus) gehören zu den häufigen Auslösern von Asthma.

Quelle: © Gilles San Martin / wikimedia.org; CC BY-SA 2.0

Der Einfluss der Darmflora geht weiter als gedacht

Der Darm spielt in diesem Zusammenhang eine buchstäblich tragende Rolle. Als wichtigster Teil der Verdauung ist er am meisten mit der Verarbeitung der Ballaststoffe beschäftigt. Ballaststoffe haben dabei eine positive Wirkung auf die Mikroorganismen unserer Darmflora. Sie dienen den im Darm lebenden Bakterien als Nahrung, darunter die Bifidobakterien. Diese Bakterien sind in der Lage, Toxine (Bacteriocine), in diesem Zusammenhang Bifidin,  zu produzieren und somit schädliche Bakterien zu bekämpfen, wie zum Beispiel Staphylokokken oder Salmonellen. Forscher haben nun herausgefunden, dass eine ballaststoffreiche Ernährung sich nicht nur positiv auf die Abwehrmechanismen innerhalb des Darms auswirkt, sondern auch das Immunsystem an anderen Stellen positiv beeinflusst.  

Ernährung und Immunsystem stehen in einem Zusammenhang

Die Forscher stützen ihre Vermutung auf Beobachtungen, die sie im Versuch mit Mäusen gemacht haben. Sie teilten die Mäuse zwei Gruppen zu, von denen eine Gruppe Nahrung mit einem durchschnittlichen Ballaststoffgehalt zum Fressen bekam und die andere Gruppe mit ballaststoffarmer Kost gefüttert wurde. Anschließend wurden die Mäuse Hausstaubmilben ausgesetzt, die sie über ihre Atemwege aufnahmen. Die Forscher beobachteten, dass die Mäuse, die ballaststoffarme Nahrung zu sich genommen hatten, stärkere und aggressivere Abwehrreaktionen auf die Hausstaubmilben zeigten, wie zum Beispiel eine verstärkte Schleimproduktion oder Schwellung des Lungengewebes, als ihre Artgenossen, die eine normale Ballaststoffzufuhr hatten. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einer Atemweg-Hyperreagibilität (AHR). Im Rahmen eines weiteren Versuchs, in dem der Ballaststoff- genauer der Pektingehalt der Nahrung schrittweise erhöht wurde, konnten die Forscher den Effekt sogar erhöhen bzw. den Grad der allergischen Reaktion weiter absenken. Pektin gehört zu der Gruppe der wasserlöslichen Ballaststoffe und ist unter anderem in Äpfeln oder in den Schalen von Zitrusfrüchten enthalten. In der Lebensmittelindustrie wird Pektin auch als Bindemittel mit der Kennzeichnung E 440 verwendet und ist zum Beispiel in Marmelade oder Ketchup enthalten.

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Äpfel sind eine natürliche Pektinquelle.

Äpfel sind eine natürliche Pektinquelle.

Quelle: © Alwin Gasser / pixelio.de

Darm, Knochenmark und Lunge bilden eine Achse

Bei der Erforschung der Zusammenhänge fanden die Forscher heraus, dass das Risiko einer entzündlichen Atemwegserkrankung sank, je höher die Konzentration von kurzkettigen Fettsäuren im Blut war. Dabei handelte es sich um die Fettsäuren Propionat und Acetat. Kurzkettige Fettsäuren entstehen als Abbauprodukt bei der Verarbeitung pflanzlicher Ballaststoffe. Die kurzkettigen Fettsäuren, im Englischen SCFA Short-Chained-Fat-Acid abgekürzt, spielten bei dem Prozess eine entscheidende Rolle, weil sie im Knochenmark die Blutbildung anregten, was wiederum die Zahl der Makrophagen und Vorstufen dendritischer Zellen erhöhte. Makrophagen und dendritische Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und sind Bestandteile des Immunsystems. Infolge der verstärkten Blutbildung im Knochenmark stieg die Zahl der dendritischen Zellen in der Lunge an, die in der Lage sind, eindringende Mikroorganismen zu bekämpfen. Zugleich wurden weniger Effektorzellen bereitgestellt, so dass weniger Antikörper produziert wurden. Im Versuch führte dies dazu, dass die Abwehrreaktion in Folge einer ballaststoffreichen Ernährung glimpflicher verlief, als bei einer ballaststoffarmen Ernährung.

Eine gesunde Ernährung ist die Voraussetzung für einen gesunden Körper

Interessante offene Fragen sind nun, ob sich diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen und was sich genau auf molekularer Ebene in der Lunge abspielt. Antworten darauf könnte der Forschungsbereich der Metagenomik geben. Die Metagenomik befasst sich mit den genetischen Informationen von mehreren Organismen (Metagenom) und ihrem Zusammenwirken innerhalb eines Lebensraums (Biozönose) wie zum Beispiel dem Darm. Die Forschung geht nun einen Schritt weiter und versucht, weitere Zusammenhänge zu finden und zu erklären, in welcher Beziehung zum Beispiel die Darmflora mit anderen Mikroorganismen bzw. Metagenomen wie dem Immunsystem beim Menschen steht.

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Kommentare

1 04.02.2014
Angel
  Spannender Artikel

Ein sehr gelungener,interessanter und gut geschriebener Artikel! Top!

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