Einmal „Umforsten“, bitte!

Wälder mit hoher Diversität sind besser gegen den Klimawandel gewappnet

23.09.2019 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

In unseren Breiten sind Fichten weitverbreitet. Doch Trockenheit setzt ihnen mehr zu als z. B. Weißtannen oder Douglasien. (Bildquelle: © Michael Gaida/Pixabay/CC0)
In unseren Breiten sind Fichten weitverbreitet. Doch Trockenheit setzt ihnen mehr zu als z. B. Weißtannen oder Douglasien. (Bildquelle: © Michael Gaida/Pixabay/CC0)

Forscher der Universität Freiburg zeigen, wie wir unsere Wälder langfristig besser gegen die Auswirkungen des Klimawandels schützen können: Mit einer größeren Vielfalt an Baumarten. Ein Wald mit hoher Diversität wächst schneller, fixiert mehr CO2 und ist deutlich widerstandsfähiger in Trockenperioden.   

Wälder im Klimawandel

Pflanzen sind die Sauerstoff-Produzenten unserer Erde und nehmen beim Prozess der Photosynthese CO2 aus der Atmosphäre auf. Im Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels gewinnt die Aufforstung abgeholzter Wälder daher an Bedeutung. Dies betrifft vor allem gerodete Flächen in den Tropen. Doch auch in Deutschland fürchten Förster zunehmend um ihre Wälder. Viele heimische Baumarten sind den häufigen intensiven Trockenzeiten nicht mehr gewachsen. Wie können Wälder so angepasst werden, dass sie auch den Umweltbedingungen der nächsten Jahrzehnte standhalten?   

Vorteile der Diversität zeigen sich erst spät

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Ein Versuchsfeld des Sardinilla-Experiments mit fünf verschiedenen Arten, die in ihren Eigenschaften aufeinander abgestimmt wurden.

Quelle: © Florian Schnabel

Eine Antwort auf die Frage soll eine neue Studie anhand des Sardinilla-Versuchswaldes in Panama geben. Die Versuchsfelder des ältesten Forschungsprojekts in Sachen Ökosystem Wald wurden im Jahr 2001 angelegt und seither regelmäßig untersucht.

Frühere Studien des Projekts hatten ergeben, dass Mischwälder aus zwei bis drei Arten um 25-30 Prozent produktiver als entsprechende Monokulturwälder sind. Die Produktivität beschreibt hierbei das Wachstum der Bäume. Das deutsche Forscherteam um Florian Schnabel konnte nun belegen, dass noch artendiversere Versuchsfelder, aus insgesamt fünf Baumarten, sogar doppelt so produktiv sind als die der Monokulturflächen. Dies zeigt auch wie wichtig es ist, die Entwicklung von Wäldern über längere Zeiträume zu betrachten. Denn nach den ersten drei Jahren lagen die 5-Spezies-Felder - aufgrund der höheren gegenseitigen Konkurrenz um Ressourcen -  in ihrer Produktivität noch weit hinter den Arealen mit drei Arten.

Eine vielfältige Nachbarschaft macht Bäume produktiver und beständiger

Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass sich die Vorteile der Diversität auf die Nachbarschaftsbeziehungen der Bäume zurückführen lassen. Die beständigsten und produktivsten Wälder bestehen demnach aus einer Vielzahl von Arten, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Bedürfnisse wenig in Konkurrenz mit ihren Nachbarn stehen.

Gleichzeitig können sogar positive Nachbarschaftseffekte entstehen. So stehen sich beispielsweise Bäume, die viel Licht brauchen, nicht im Weg mit schattentoleranten Nachbarn. Auch können tiefwurzelnde Arten in Zeiten von Trockenheit Wasser aus tieferen Bodenschichten erreichen, wodurch flachwurzelnden Pflanzen in der Umgebung mehr Wasser in den oberen Bereichen zur Verfügung steht. Letzteres ist eine Erkenntnis, die mit der Zunahme von Trockenperioden in unseren Breiten von hoher Bedeutung für die Forstwirtschaft sein dürfte.

Neue Baumarten für europäische Wälder

Wie die Wälder in Zentraleuropa konkret standhafter gemacht werden könnten, hatten Forscher des gleichen Instituts bereits 2017 versucht herauszufinden. Insgesamt wurden dazu über 800 Bäume in unterschiedlichen Höhenlagen des Schwarzwalds untersucht. Die Untersuchungen zeigten, dass vor allem Douglasien und Weißtannen eine höhere Widerstandskraft bei Trockenheit aufweisen und in unseren Breiten der weitverbreiteten Fichte deutlich überlegen sind.

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